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Volkswagen-Konzern am Boden : Jetzt bei VW einsteigen?

Chris Hohn mischt VW auf: Der Investor macht Stimmung gegen das Management. Bild: Getty

Ein rebellischer Investor hat in großem Stil VW-Aktien gekauft. Wer ihm nacheifert, hat bislang meist gutes Geld verdient. Sollten Privatanleger das jetzt tun?

          An Tagen, an denen der Dax lustlos vor sich hin dümpelt, kommt eine Aktie unverhofft zu neuer Kraft. Die VW-Vorzugsaktien haben sechs Prozent zugelegt, das heißt: Sie zählen zu den Siegern der Woche. An den Autos kann es nicht liegen, die am Freitag veröffentlichten Absatzzahlen weisen nach unten. Der Konzern leidet unter dem Dieselskandal, seit Jahren war der Marktanteil in Europa nicht mehr so niedrig. Zudem war zuletzt ein Rekordverlust zu beklagen. Alles nichts, was die Börse entzückt. Woran liegt es dann, dass der Kurs anzieht? Warum greifen die Anleger plötzlich zu?

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Georg Meck

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Erklärung hat drei Buchstaben: TCI, das Kürzel steht für The Children’s Investment Fund, den Investmentfonds von Chris Hohn. Der Mann hat einen Ruf in der Finanzszene: Taucht der aggressive Investor auf, zittern die Manager, und die Aktionäre dürfen auf eine Extra-Rendite hoffen. Allein der Name schürt die Phantasie. Hohn hat mit seinem Fonds bislang eine durchschnittliche Nettorendite von beeindruckenden 18 Prozent im Jahr erzielt. Mischt der Brite einen Konzern auf, droht er den Bossen mit Rauswurf und dem Unternehmen mit Zerschlagung, findet die Börse das toll.

          Harte Worte gegenüber dem neuen Vorstand

          1,2 Milliarden Euro hat TCI auf Volkswagen gesetzt. Nur: Was haben die Briten in Wolfsburg vor? Und vor allem: Lohnt es sich für den gewöhnlichen Privatanleger, jetzt einzusteigen? Sollen wir im Windschatten von Hohn und seinen Leuten VW-Aktien kaufen? Für den Moment lautet die Antwort: Ja, unbedingt. Vor acht Tagen hat TCI seinen Angriff publik gemacht, seither gewinnt die Aktie gegen den Trend im Dax. Dabei haben die Investoren zunächst nur aufgezählt, was alles mies läuft bei Volkswagen, warum man als Aktionär also besser die Finger von der Firma lässt: die skandalösen Boni für Vorstände, die verkorkste Corporate Governance, das geschäftsschädigende Gekungel mit dem Betriebsrat, die zweifelhafte Rolle des Landes Niedersachsen als Großaktionär. Alles wahr, alles tausendmal vorgetragen. Bloß: Was wollen aufmüpfige Investoren dagegen ausrichten?

          Ben Walker, Partner des TCI-Fonds und eine Art Sprachrohr des Meisters, fordert nicht nur den Ausstieg des Landes Niedersachsen. Sondern sogar einen neuen Vorstandschef: „Auf Dauer ist Matthias Müller nicht der richtige Mann für Volkswagen. Ihm fehlt die Dynamik, der unbedingte Wille, Dinge zu ändern. Jetzt – für eine Zeit des Übergangs – können wir mit ihm leben, wir haben kein Problem mit ihm. Aber 2018, spätestens 2020 zum Ende seines Vertrages sollte er Platz für einen anderen machen.“ Harte Worte gegenüber dem Mann, der erst seit September an der VW-Spitze steht.

          Das staatskapitalistische Relikt bleibt

          So verschärft TCI den Ton von Tag zu Tag. Das Geschäftsmodell aktivistischer Investoren lebt auch davon, dass die Welt von ihnen erfährt, dass möglichst andere Aktionäre sich anschließen, Druck machen auf das Management. Nur ist das im Fall des VW-Konzerns komplizierter als überall sonst. VW, einst von den Nazis gegründet, ist eben bis heute kein normales Unternehmen, die Machtverhältnisse sind zementiert: Die maßgeblichen Eigentümer – die Familien Porsche und Piëch sowie das Land Niedersachsen – bestimmen, in trauter Allianz mit dem Betriebsrat. Noch jeder, der versucht hat, sich dagegen aufzulehnen, ist bisher gescheitert – weswegen viele Profi-Investoren längst resigniert abgezogen sind.

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