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Automobilbranche : Crashtest Chipmangel

Letztlich nur die Summe aller Teile: Volkswagen konnte bislang rund 800.000 Autos nicht bauen, weil begehrte Halbleiter fehlen. Bild: dpa

Volkswagen verschiebt seine Entscheidung über Milliardeninvestitionen in den Dezember. Neben den Materialengpässen, die sich für die gesamte Branche bis 2022 hinziehen werden, muss man in Wolfsburg die Transformation zur Elektromobilität bewältigen.

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          Die massiven Versorgungsprobleme mit Chips haben in der europäischen Automobilindustrie im dritten Quartal zu erheblichen Produktionsproblemen geführt. Volkswagen will nach dem heftigen Absatz- und Gewinnrückgang die Kosten kräftiger drücken und denkt nach den Worten von Konzernchef Herbert Diess sogar über einen weiteren Stellenabbau nach. Das Unternehmen verschiebt wegen der dramatischen Lage und Konflikten mit den bei Volkswagen traditionell starken Gewerkschaften sogar seine für den 12. November geplante Entscheidung über weitere Milliardeninvestitionen und die Belegung seiner Werke um einen Monat auf den 9. Dezember.

          Carsten Germis
          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.
          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          „Wir müssen die Produktivität steigern, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagte Diess bei der Bekanntgabe der Quartalszahlen am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Die Versorgungsengpässe bei elektronischen Bauteilen hätten vor Augen geführt, dass der Konzern nicht widerstandsfähig genug gegen Auslastungsschwankungen sei, ergänzte VW-Finanzvorstand Arno Antlitz. „Das zeigt ganz klar, dass wir in allen Bereichen weiter entschlossen an unseren Kostenstrukturen und unserer Produktivität arbeiten müssen.“

          Umsatzeinbruch bei Stellantis

          Im Fall Volkswagen hat der Chipmangel die Renditeschwäche vor allem der Kernmarke VW deutlich zutage befördert. Auch dem Mutterkonzern von Opel, Stellantis, macht der Chipmangel zu schaffen, der die Produktion bremst. Bei Stellantis brach der Absatz von Autos im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent ein. Rund 600. 000 Autos hätten in dem Quartal allein wegen des Halbleitermangels nicht gebaut werden können, teilte das Unternehmen mit. Für das Gesamtjahr hält der Konzern dennoch an seinem Ziel einer Umsatzrendite von etwa 10 Prozent fest – unter der Voraussetzung, dass sich der Materialmangel nicht weiter verschlimmert und es trotz der steigenden Ansteckungszahlen keine weiteren Corona-Lockdowns in Europa gibt. „Der Trend ist positiv. Wir sehen eine Stabilisierung beim Angebot und eine Verbesserung der Produktion im Monatsvergleich“, sagte Stellantis-Finanzvorstad Richard Palmer.

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          Für Volkswagen schlägt sich der Chipmangel vor allem bei den Volumenmarken wie VW, Skoda oder Seat nieder. Diese Marken erwirtschafteten im dritten Quartal allesamt operative Verluste. Die operative Rendite des Konzerns sank auf 4,9 Prozent – und das auch nur weil die Premium-Marken wie Porsche, Bentley und Audi trotz der Krise weiterhin gute Renditen erwirtschafteten. Vor allem wegen des Verkaufs margenstarker Premiumfahrzeuge legte der Umsatz von Volkswagen in den ersten Monaten im Jahresvergleich um 20 Prozent auf 186,6 Milliarden Euro zu. Das hat auch damit zu tun, dass die Versorgung der renditestarken Premiummarken wie Porsche oder Audi mit Chips im Konzern Priorität hatte. Volkswagen senkte seine Absatz- und Umsatzerwartungen für das laufende Jahr wegen der Versorgungsprobleme, bestätigte aber das Renditeziel von 6 bis 7,5 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum seien in den ersten neun Monaten etwa 800. 000 weniger Autos produziert worden, hieß es mit Blick auf den Chipmangel – die Auftragsbücher seien voll. Im dritten Quartal sank der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen um 12 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro.

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