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In Österreich : Chiphersteller Infineon baut gigantisches Halbleiterwerk

Halbleiter von Infineon wird in sehr unterschiedlichen Geräten verbaut. Bild: dpa

In Zügen, Rechenzentren, Autos und in Windkraftanlagen: Halbleiter werden für sehr viele Produkte gebraucht. Jetzt kündigt Infineon eine gigantische Investition an.

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          Infineon wettet mit einer riesigen Investition in ein neues Werk  auf die Zukunft eines florierenden Chip-Marktes. Der Münchner Halbleiterkonzern hat in Wien den Bau einer neuen Fabrik für Leistungshalbleiter am Standort Villach in Kärnten angekündigt. Das Investitionsvolumen beträgt 1,6 Milliarden Euro. Mit dem Bau will Infineon nächstes Jahr beginnen, die Fertigung soll bereits Anfang des Jahres 2021 aufgenommen werden. Es wird sich um eine vollautomatisierte Produktion unter sehr aufwändigen Bedingungen in Reinsträumen handeln, in denen nicht einmal ein Staubkorn herumfliegen darf.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Damit handelt es sich um die größte Einzelinvestition des Dax-Konzerns. Mehr noch: „Es ist derzeit das größte Chipfabrik-Projekt in Europa“, sagte Jochen Hanebeck, operativer Vorstand, zu FAZ.NET. Vor einem Jahr kündigte Bosch den Aufbau einer Chipfertigung in Dresden mit einem Investitionsvolumen von mehr als 1 Milliarde Euro an. Der direkte Infineon-Konkurrent ST Microelectronics aus der Schweiz plant eine Produktion in der Nähe von Mailand, allerdings mit einem deutlich niedrigeren Budget. Hanebeck bezifferte das zusätzliche Umsatzvolumen aus den in Villach produzierten Leistungshalbleitern auf 1,8 Milliarden Euro. Infineon erzielte im vergangenen Geschäftsjahr 2017 einen Konzernumsatz von knapp 7,1 Milliarden Euro.

          400 neue Stellen – und viele Roboter

          Leistungshalbleiter können sehr breit eingesetzt werden: in der Industrie genauso wie in der Photovoltaik und Windkraft, in Hochgeschwindigkeitszügen, U- und Straßenbahnen, in Rechenzentren und in Fahrzeugen (Autos, Lastwagen, Busse) mit klassischen Verbrennungsmotor wie mit Hybrid- und Elektromotor, bei der Stromübertragung genauso wie in Ladesäulen für E-Autos. Diese Chips findet man unter anderem dort, wo Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt werden muss, wenn zum Beispiel ein Zug den aufgenommenen Strom für den Antrieb nutzen will. Halbleiter sind, auch wenn sie nicht wahrgenommen werden und winzig klein sein können, die Wegbereiter für die Technologien der Zukunft. Mit den in Villach von 2021 an gefertigten Bausteinen könnten jährlich 25 Millionen Elektroautos ausgestattet werden; oder die Menge der  Leistungschips kann das Dreifache des heutigen Strombedarfs aller in Deutschland arbeitenden Rechenzentren abdecken.     

          Wegen des hohen Automatisierungsgrades entstehen in Villach  „nur“ 400 neue Stellen, für die allerdings hochqualifizierte Arbeitskräfte gesucht werden. Das entspräche einem Zuwachs in der Belegschaft der Produktion von rund 15 Prozent. Daneben betreibt Infineon dort auch Forschung und Entwicklung. Es soll sich um eine „hocheffiziente Chipfabrik“ handeln. „Der Preisdruck wird andauern“, sagt Hanebeck. Mit der hoch automatisierten Fabrik bleibe Infineon wettbewerbsfähig und arbeite profitabel. „Die Investition wird ein Schritt sein, die Technologieführerschaft noch weiter auszubauen.“

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