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Hoffnung für Dresden : Chip-Unternehmen Globalfoundries investiert kräftig

Im Reinraum in der Globalfoundries Fab1 in Dresden (Foto aus 2015) Bild: dpa

Der amerikanische Halbleiter-Konzern expandiert in brisanter Zeit: Die Chip-Industrie ist zum Politikum geworden.

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          Der Chiphersteller Globalfoundries wird seine Investitionen im kommenden Jahr auf ungefähr 1,4 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Davon könnten vor allem die Fabriken in Dresden profitieren – sind die Sachsen doch derzeit die einzigen im Konzernverbund, die eine ganz besondere Art von jenen Halbleitern herstellen können, die gegenwärtig besonders nachgefragt sind.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die kleinen elektronischen Spezial-Bausteine Made-in-Saxony sind nicht nur sehr leistungsfähig, sie verbrauchen dabei auch sehr wenig Energie. Das macht die in Fachkreisen auch FDSOI oder FDX genannte Chiptechnologie vor allem für die Hersteller von mobilen digitalen Geräten interessant: Die starke Nachfrage nach diesen Chips seitens der Hersteller von Smartphones, aber auch der Auto- und Konsumgüterindustrie sei derzeit so groß, dass die Fertigungskapazitäten unbedingt hochgefahren werden müssten, um der Nachfrage gerecht werden zu können.

          Das sagte der Vorstandsvorsitzende des Unternehmens Thomas Caulfield in einer Videokonferenz. Seinen Worten zufolge hängt nun viel von den Entscheidungen der öffentlichen Hand in Sachsen ab, ob in einer Art Private-Public-Partnership der Ausbau der Fabriken in Dresden vorangetrieben wird.

          Die Chipindustrie erlöst im Jahr mehr als 420 Milliarden Dollar. Zudem ist sie rund um den Globus subventioniert. Denn einerseits ist sie sehr kapitalintensiv. Andererseits haben Asiaten, Amerikaner und letztlich auch die Europäer erkannt, dass sich ohne Prozessoren und Speicherchips künftig in der Industrie kein Rad mehr drehen wird. Das macht sie zu einer Art Politikum. Da ein einzelnes Chipwerke rasch mehrere Milliarden Euro kosten kann, engagiert sich in Ländern wie Südkorea, Japan aber auch den Vereinigten Staaten die öffentliche Hand umfangreich.

          Europa hat sich hier bislang relativ strikte Beihilferegeln auferlegt. Da Chips mittlerweile einer der wichtigsten Einzelbausteine im Gebäude einer modernen Industrie sind, könnten sich diese Regeln in absehbarer Zeit lockern. Die Bundesregierung hatte schon vor Jahren die Branche zur Schlüsselindustrie erklärt. Nun scheint auch die europäische Politik nachzuziehen und Lockerungen in der Beihilfeverfahren in Aussicht zu stellen.

          Das dürfte dem größten Halbleiterstandort Europas, Dresden, zugute kommen. Dort sind schon Chiphersteller wie Infineon und Renesas ansässig. Der Industriekonzern Bosch baut gerade für ungefähr eine Milliarde Euro ein Halbleiterwerk.

          Globalfoundries wiederum ging aus dem amerikanischen Chiphersteller AMD hervor, einer der ersten großen Investoren am Standort in Dresden. Um mittel- bis langfristig die für den weiteren Ausbau der Produktion notwendigen Mittel zur Hand zu haben, plant das Unternehmen nach den Worten Caulfields im Jahr 2022 den Börsengang. Der Konzern befindet sich seit dem Jahr 2012 komplett im Besitz der Advanced Technology Investment Company des Emirates von Abu Dhabi.

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