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Leifeld in Ahlen : Chinesische Übernahme von westfälischem Maschinenbauer geplatzt

Objekt der Begierde: Das Ahlener Unternehmen Leifeld wird nicht chinesisch. Bild: Leifeld

Die Bundesregierung hat chinesischen Investoren zum ersten Mal einen Unternehmenskauf verboten. Dahinter steckt ein verschärfter Kurs gegen Peking. Doch China will sich wehren.

          Als das chinesische Unternehmen Yantai Taihai Anfang des Jahres die Duisburg Tubes Production AG, einen Zulieferer der Nuklearindustrie, übernahm, interessierte das, abgesehen von den Beteiligten, niemanden. Das Bundeswirtschaftsministerium erteilte seinen Segen, ein Medienecho blieb aus. Ein halbes Jahr später wollte das Unternehmen aus der Millionenstadt Yantai wieder zuschlagen – und den auf den ersten Blick unscheinbaren Ahlener Mittelständler Leifeld Metal Spinning kaufen. Doch die Bundesregierung war fest entschlossen, ein Exempel zu statuieren und den Kauf zu untersagen. Nach Informationen der F.A.Z. wäre das Kabinett dabei einer Empfehlung von Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) gefolgt.

          Kerstin Schwenn

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin im Wirtschaftsteil.

          Jetzt kommt Yantar Taihai der Politik zuvor. Angesichts der politischen Bedenken treten die Chinesen von dem Vorhaben zurück, wie Leifeld-Hauptaktionär Georg Kofler am Mittwoch sagte. „Der Interessent hat seinen Antrag auf eine Undenklichkeitsbescheinigung beim Wirtschaftsministerium zurückgezogen“, sagte er. „Das Übernahmevorhaben wird nicht mehr verfolgt.“ Stattdessen sei geplant, die Gesellschaft noch in diesem Jahr an die Börse zu bringen.

          Den Chinesen blieb kaum eine andere Wahl. Zum ersten Mal hätte die Regierung zum scharfen Schwert der Untersagung gegriffen, um einen Technologietransfer nach China in einem sensiblen Sektor zu verhindern. Leifeld produziert dünne Metalle, die in der Autoindustrie und möglicherweise auch in der Nuklearindustrie verwendet werden (siehe Kasten unten). Hinter der Zurückweisung verbirgt sich ein neuer, schärferer Kurs der Regierung gegen Peking, der noch vor kurzem nicht absehbar war – denn das Veto der Regierung kommt nur drei Wochen nachdem beide Seiten in bilateralen Regierungskonsultationen zahlreiche Kooperationsvereinbarungen geschlossen hatten. Damals hatten beispielsweise die Autohersteller BMW und Daimler eine Zusammenarbeit im Bereich autonomes Fahren mit chinesischen Unternehmen unterzeichnet, die mit extrem sensiblen Datentransfers verbunden ist.

          Aus Regierungkreisen ist nun zu hören, diese Vorhaben würden mit Skepsis begleitet. Auch die Übernahme des Augsburger Roboterherstellers Kuka, der vor zwei Jahren an den chinesischen Hausgerätehersteller Midea verkauft wurde, würde wohl heute nicht mehr freigegeben, hieß es in Berlin. Ende vergangener Woche hatte die Regierung schon den Kauf eines 20-Prozent-Anteils am deutschen Stromnetzbetreiber 50 Hertz durch einen chinesischen Bieter verhindert, indem sich die staatliche Förderbank KfW den Anteil sicherte. Die Möglichkeiten für chinesische Käufer werden damit hierzulande geringer. Ein Investmentbanker einer Großbank, der mit solchen Übernahmen befasst ist, sagte der F.A.Z., er glaube zwar nicht, dass die Regierung nun grundsätzlich Käufe aus China ablehnen werde, die Bedingungen würden aber schwieriger. Die Regierung müsse klar definieren, welche Kriterien künftig für chinesisch-deutsche Übernehmen gelten.

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