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Chinesen wollen mehr Kontrolle : Kuka-Chef muss gehen

Der bisherige Vorstandschef von Kuka, Till Reuter Bild: dpa

Kuka-Chef Till Reuter muss gehen. Die chinesischen Investoren wollen mehr Einfluss auf den Roboterbauer. Reuter war einst ihr größter Verfechter gewesen. Doch nun hat er eine offene Flanke geboten.

          Bei dem Roboterbauer Kuka kommt es zu einem Chefwechsel. Der bisherige Vorstandsvorsitzende Till Reuter wird abgelöst und zunächst durch Finanzvorstand Peter Mohnen ersetzt, wie das Unternehmen in einer Pflichtmitteilung in der Nacht zum Montag mitteilte. Reuter habe sich mit dem Aufsichtsrat darauf verständigt, dass Reuter seine Vorstandstätigkeit im Dezember beenden werde, hieß es in der Mitteilung. Mohnen übernehme am 6. Dezember.

          Rüdiger Köhn

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Aus Unternehmenskreisen war zu vernehmen, dass Midea eine engere Anbindung und eine stärkere Übernahme der Kontrolle des Produzenten der Roboter anstrebe, die nicht nur in der Fahrzeugfertigung, sondern auch in vielen Industriebereichen bis hin zur Herstellung von Flugzeugen eingesetzt werden. Im Zuge der vernetzten Produktion und der Digitalisierung unter dem Schlagwort Industrie 4.0 kommt auch Kuka eine besondere Bedeutung zu und hat diesen Bereich für seine Wachstumsstrategie erkannt. Es gibt Hinweise, dass die Einflussnahme auf das operative Geschäft zugenommen haben und auch weitere Schritte zur Integration verfolgt werden sollen.

          Schon am Vortag hatte Kuka mitgeteilt, der Aufsichtsratsvorsitzende Andy Gu und Reuter führten Gespräche über einen vorzeitigen Wechsel an der Unternehmensspitze. Der Vertrag des Vorstandchefs wäre regulär Ende 2022 ausgelaufen. Der ehemalige Investmentbanker stand seit 2009 an der Spitze von Kuka und hat aus einem Sanierungsfall ein Aushängeschild der deutschen Roboter-Industrie gemacht.

          Anwalt der Chinesen

          Reuter war Verfechter und gewissermaßen Anwalt des größten Hausgeräteherstellers in China, als dieser Kuka vor zwei Jahren mit einer spektakulär hohen Übernahmeofferte im Volumen von 4,6 Milliarden Euro zu 94,6 Prozent übernommen hatte. Die Begleitmusik war laut. Kritik und Bedenken gab es von industrieller wie politischer Seite aus Berlin einschließlich des damaligen Wirtschaftsministers Siegmar Gabriel (SPD) und sogar aus der EU in Brüssel.

          Mit dem Erwerb, so lauteten die Sorgen, könnten die Chinesen Zugang zu wichtigen Technologien, vor allem aber zu sensiblen Kundendaten etwa aus der Autoindustrie als Hauptkunde von Kuka erhalten. Das Unternehmen war in jenem Jahr das Symbol für die zahlreichen Vorstöße chinesischer Kaufinteressenten in Deutschland – was zu erheblichen Kontroversen über einen vermeintlichen Ausverkauf deutscher Innovationskraft geführt hatte.

          Mit weitreichenden Garantien versuchte Midea, Zweifel an der Anfang 2017 formal erfolgten Übernahme auszuräumen. Sie erklärte in einer Investoren- und Abschirmvereinbarung im Juni 2016, bis zum Jahr 2023 Standortgarantien mit der Sicherung der deutschen Arbeitsplätze abzugeben. Technologien und Patente würden ebenso im Unternehmen verbleiben wie die sensiblen Daten von Kunden, auf die die Chinesen keinen Zugriff erhalten würden.

          Das Unternehmen bleibe börsennotiert, damit aufgrund der Berichtspflichten transparent. Der Vorstand würde unabhängig arbeiten, dessen Strategie unterstützt. In der Tat war die Laufzeit über siebeneinhalb Jahre für diese Verpflichtung ungewöhnlich lang, weshalb auch Arbeitnehmervertreter und Gewerkschaften damals dem Einstieg von Midea zustimmten und unterstützten.

          Zurückgenommene Ankündigungen

          Doch schleichend wurden Ankündigungen wieder zurückgenommen. Das früh von Reuter gemachte Versprechen jedenfalls ist vergessen, den Streubesitz als vertrauensbildende Maßnahme wieder ausweiten zu wollen. Nach Beginn der Übernahme im Mai 2016 machte Reuter im Sommer desselben Jahres klar, dass man in Gesprächen mit institutionellen Investoren sei, Anteile zu übernehmen. Zunächst war auch die Rede davon, dass Midea zwei Mitglieder in den Aufsichtsrat entsendet. Heute kommen vier der sechs Vertreter derAnteilseigner aus China.

          Im vergangenen März hatten die Augsburger mit Midea mehrere Gemeinschaftsunternehmen für Roboter in China gegründet, die in der allgemeinen Industrie sowie in der Logistik eingesetzt werden, um so den Markt dort aufzurollen. Kuka behält zwar das Sagen in der Pari-Zusammenarbeit. Allerdings ist dieses Geschäft nun kleiner als ursprünglich – denn es ist von dem wichtigeren Automobilgeschäft auf dem chinesischen Markt getrennt worden.

          Ähnlicher Fall bei Krauss Maffei

          Kuka ist kein Einzelfall. Ungewöhnliches spielt sich auch im Fall des Kunststoffmaschinenherstellers Krauss Maffei (KM) ab, der im Januar 2016 vom chinesischen Chemie-Giganten Chem China erworben worden war. Die noch vor Kuka erfolgte Übernahme galt lange als Vorbild einer guten deutsch-chinesischen Zusammenarbeit; bis dann vor fast einem Jahr mitgeteilt wurde, dass Krauss Maffei in China an die Börse gebracht werden solle.

          Dahinter allerdings verbarg sich nichts anderes, als dass KM in eine Chem-China-Tochtergesellschaft namens Quingdao Tianhua Institue Go Chemistry Engineering aufgehen soll, die bereits an der Börse notiert ist. Seit Bekanntgabe ist in dieser Sache nichts weiteres bekanntgeworden; außer der knappen Mitteilung, dass die Vorbereitungen für den „Börsengang“ weiterhin liefen.

          Seitens Krauss Maffeis, das nichts mit dem Panzerhersteller gleichen Namens zu tun hat, wurde immer wieder betont, dass das Unternehmen als einer der führenden Produzenten von Gummi- und Spritzgießmaschinen unabhängig und ein deutsches Unternehmen bleibe.

          Offene Flanke

          Der scheidende Kuka-Chef Reuter indes hatte allerdings auch eine offene Flanke für einen Wechsel an der Spitze geboten. Vor mehr als einem Jahr wurden Probleme mit dem Abarbeiten von Aufträgen in der Automation bekannt, die zu Ergebnisbelastungen geführt haben. Für die zeichnet auch der seit 2009 amtierende Vorstandsvorsitzende verantwortlich.

          Der Börsenwert liegt weit unter den 4,5 Milliarden Euro, die Midea gezahlt hatte. Zum ersten Mal seit zehn Jahren erwartet das Augsburger Unternehmen 2018 einen Umsatzrückgang auf 3,3 Milliarden Euro. Im Vorjahr waren es 3,5 Milliarden Euro. Reuter hatte deshalb im Oktober verstärkte Spar-Bemühungen angekündigt.

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