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Leihräder : Chinesen entdecken das Fahrrad neu

Weniger Feinstaubbelastung

Das Design chinesischer Smartphone-Apps ist so geschmeidig, dass die einfache Bedienung ihrer coolen Oberflächen in China in Fällen wie dem Kurznachrichtenkanal Wechat 700 Millionen Nutzer täglich in den Bann zieht und westliche Konkurrenten wie Whatsapp längst hinter sich gelassen hat.

Unterwegs mit dem Mobike: Die Investoren wollen das Radfahren wieder cool machen. Momentan ist Chinas Statussymbol Nummer Eins immer noch das Auto.
Unterwegs mit dem Mobike: Die Investoren wollen das Radfahren wieder cool machen. Momentan ist Chinas Statussymbol Nummer Eins immer noch das Auto. : Bild: dpa

Doch die milliardenschwere Hoffnung auf Mobike speist sich noch aus einem anderen Grund, der sich in Städten wie Peking in diesen Tagen in den Werten auf den Smogmessgeräten zeigt: 600 Mikrogramm der besonders gefährlichen kleinen Feinstaubpartikel mit 2,5 Mikrometer Durchmesser fanden sich Anfang Dezember in der Luft der Hauptstadt, das 24-Fache des von der Weltgesundheitsorganisation definierten Grenzwerts, an dem eine Gefährdung der Gesundheit beginnt.

Progressives Lebensgefühl

Die Chinesen haben sprichwörtlich die Nase voll vom Dreck in ihrer Luft. Der wird in Städten wie Peking zwar vor allem von den Emissionen der Kohlekraftwerke in den umliegenden Provinzen herübergeweht. Doch sich auf ein cooles Mobike zu schwingen, um den endlosen Verkehrsstaus zu entgehen und dabei auch etwas für die Umwelt zu tun, gilt mittlerweile vielen jungen und älteren Städtern als Ausdruck eines progressiven Lebensgefühls. Die Zahl potentieller Kunden ist riesig. Aus ihrer Datenmenge, die sie bei Mobike hinterlassen, wird einmal gutes Kapital zu schlagen sein.

Keine Missverständnisse: Der Absatz auf Chinas Automarkt wird in diesem Jahr mit 21 Millionen verkauften Fahrzeugen in den ersten elf Monaten das 26. Jahr hintereinander den eigenen Vorjahresrekord brechen. Auf die gesamte Bevölkerung von 1,4 Milliarden bezogen gilt das Auto den Chinesen neben der eigenen Wohnung weiterhin als Statussymbol Nummer eins. So lange die nicht selten zwanzig Kilometer langen Anfahrtswege zur Arbeitsstelle durch Betonschneisen führen, wird sich dies nur langsam ändern. Bis China wieder eine Fahrradfahrernation ist wie noch Mitte der neunziger Jahre, als eine halbe Milliarde Chinesen auf dem Drahtesel durch ihr aufstrebendes Land fuhren, dürfte es dauern.

Fahrradfahren ist wie Ferrari Fahren

Die Investoren von Mobike glauben allerdings, dass die Rückkehr zum Rad keine weiteren zwanzig Jahre dauern wird. „In den vergangenen zwei Dekaden haben wir 200 Millionen Chinesen überzeugt, das Fahrradfahren zugunsten des Autos aufzugeben“, sagt Vorstandschef Wang Xiaofeng, der früher bei Google, Uber und der chinesischen Internetsuchmaschine Baidu angestellt war. Die Autoindustrie habe sehr gute Jahre erlebt. Leider beanspruche ein Auto im Straßenverkehr eine Fläche von zehn Quadratmetern, weshalb China im Stau zu ersticken drohe.

Ein Fahrrad brauche nur eine Fläche von einem Quadratmeter. Für kurze Strecken von zwei bis drei Kilometern sei es ideal. Überzeuge man in Peking, einer Stadt mit 22 Millionen Einwohnern, nur eine Million vom Fahrradfahren, spare das neun Millionen Quadratmeter Platz und sorge auch noch für bessere Luft. „Was wir versuchen, ist das Fahrradfahren für Chinesen so cool zu machen, als säßen sie in einem Ferrari.“

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