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Chinas Internetgigant : Alibaba stürmt die Wall Street

Alibaba-Gründer Jack Ma beim Börsendebut Bild: AP

Die Aktien des chinesischen Online-Händlers Alibaba haben nach ihrer Erstnotiz an der New Yorker Börse massiv zugelegt. 

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          Der chinesische Internethandelskonzern Alibaba Group ist bei seinem Börsengang an der New Yorker Börse auf hohe Nachfrage von Investoren gestoßen. Der Aktienkurs von Alibaba kletterte um mehr als 40 Prozent auf zeitweise 98 Dollar, zum Ende des ersten Tages sank er dann wieder auf schließlich 93,89 Dollar. Der Ausgabepreis hatte mit 68 Dollar am oberen Ende der zuvor avisierten Spanne gelegen. Alibaba hatte diese Spanne in Absprache mit seinen Investmentbanken, zu denen auch die Deutsche Bank gehört, wegen des großen Anlegerinteresses jüngst noch etwas angehoben.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Technologieaktien gehören in diesem Jahr insgesamt zu den Treibern des amerikanischen Aktienmarktes. Der Wert der bei Investoren plazierten Alibaba-Aktien beläuft sich auf 21,8 Milliarden Dollar - eine der größten Erstemissionen in der Geschichte der Wall Street. Die Investmentbanken haben zudem die Möglichkeit, weitere Aktien zu plazieren, falls die Nachfrage anhaltend hoch bleibt. Dann wäre der Börsengang von Alibaba mit einem Volumen von knapp 25 Milliarden Dollar der größte aller Zeiten.

          Insgesamt kommt Alibaba auf Basis des Ausgabepreises auf einen Börsenwert von knapp 168 Milliarden Dollar, da nur ein Bruchteil der Anteilscheine im Zuge des Börsengangs verkauft wurden. Mit dieser Marktkapitalisierung spielt Alibaba in einer Liga mit amerikanischen Internetriesen wie Amazon oder Facebook. Amazon hat einen Börsenwert von 150 Milliarden Dollar, Facebook kommt auf 200 Milliarden Dollar. Nummer eins ist Apple mit 610 Milliarden Dollar.

          Die Hälfte der Aktien wurde nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg an nur 25 institutionelle Großanleger verkauft, zu denen unter anderen die amerikanische Fondsgesellschaft Blackrock gehört. Für Privatanleger waren nur Aktien im Wert von 1 Milliarde Dollar - weniger als 5 Prozent des Emissionsvolumens vorgesehen. Der Grund: Alibaba ist in den Vereinigten Staaten immer noch wenig bekannt. Zudem gibt es Vorbehalte gegen Unternehmen aus China. Beim Börsengang von Facebook im Mai 2012 erhielten Kleinanleger noch rund ein Viertel der Aktien.

          Mit dem Kauf der Alibaba-Aktien hoffen Anleger darauf, von Kurssteigerungen eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Chinas und der ganzen Welt zu profitieren. Gegründet hatte den Online-Händler der ehemalige Englischlehrer Jack Ma gemeinsam mit 17 Mitstreitern im Jahr 1999 - in seinem Wohnzimmer in der Millionenstadt Hangzhou nahe Schanghai im Süden Chinas. Auf den Internetseiten von Alibaba konnten Händler praktisch sämtliche Waren kaufen und verkaufen, die Chinas Fabriken herstellten. Vor allem die gigantische Größe des Landes trug zum schnellen Geschäftserfolg bei: Weil in der chinesischen Provinz Alternativangebote meist nicht vorhanden waren, bestellten Ladenbesitzer, Betreiber von Autowerkstätten und Maschinenbauer auf Alibaba die nötigen Geräte und Teile.

          Vor mehr als 10 Jahren stieg Alibaba dann im Internet-Auktionshaus Taobao ein und gründete das Online-Bezahlsystem Alipay. Sämtliche von Ma gegründeten Dienste sind Nachahmungen bereits vorhandener Angebote aus den Vereinigten Staaten. Weil Amazon, Ebay und Paypal jedoch in China kein aktives Geschäft betrieben, konnte Ma in diese Lücke stoßen und seine Marktmacht schnell ausbauen. Heute beherrscht die Alibaba-Gruppe nach Schätzungen 80 Prozent des chinesischen Internethandels. Ma hatte vergangenen Montag bei einer Investorenkonferenz in Hongkong betont, er wolle mit Alibaba international expandieren.

          Jack Ma behält die Macht

          Davor hatte der charismatische Gründer, der den Chefposten im Konzern längst an seinen Vertrauten Jonathan Lu abgegeben hat, im amerikanischen Fernsehen verkündet, er wolle Facebook und Google angreifen. Ein weiteres Ziel: Alibaba will mehr Umsatz machen als der größte amerikanischen Einzelhändler Wal-Mart Stores, der 2013 mehr als 470 Milliarden Dollar eingenommen hatte. Alibaba hat im vergangenen Jahr dagegen nur einen Umsatz von 8,46 Milliarden Dollar erzielt. Allerdings wächst der Konzern sehr schnell. Seit Jahresbeginn stieg die Zahl seiner Internetnutzer innerhalb von sechs Monaten um mehr als ein Fünftel auf 279 Millionen Nutzer. Bemerkenswert ist Alibabas Ertragskraft: Der Gewinn betrug im vergangenen Jahr 3,72 Milliarden Dollar - das entspricht einer Umsatzrendite von 44 Prozent.

          Anleger ließen sich offensichtlich eher von den für Internetunternehmen wichtigen Wachstumszahlen und weniger von der Kritik an der Machtstruktur des Konzerns beeindrucken. Denn selbst wenn sie keine einzige Aktie mehr halten, dürfen Ma und weitere 26 Gründer die Mehrheit des Verwaltungsrats bestimmen. Das nimmt anderen Aktionären jede Möglichkeit, Einfluss auf die Strategie der Alibaba-Gruppe auszuüben.

          Zudem gehen Anleger weitere Risiken ein: Alibaba ist rechtlich eine sogenannte „variable interest entity“ (VIE), die in bestimmten Branchen in China bei ausländischer Teilhaberschaft notwendig ist. Diese Lizenz kann Peking jederzeit wieder entziehen oder für ihre Erteilung Gegenleistungen einfordern.

          Vor drei Jahren gliederte Ma ohne Zustimmung und Wissen des Verwaltungsrats und der Teilhaber, des amerikanischen Internetkonzerns Yahoo und des japanischen Medien- und Telekom-Konglomerats Softbank, das hochprofitable elektronische Bezahlystem Alipay aus der Alibaba-Gruppe aus und entzog die Gewinne so dem Zugriff der Eigentümer. Ma behauptete später, Chinas Behörden hätten ihn zu dem Schritt gezwungen, weil sie die Kontrolle über das Finanzsystem behalten wollten, in dem Alipay eine immer größere Rolle zu spielen begann. 2011 einigten sich die Großaktionäre mit Alibaba, das einen Börsengang von Alipay in Aussicht stellte, der allerdings bis heute nicht von den chinesischen Behörden genehmigt wurde.

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