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Chinas Automarkt : Wo Lastwagen „Befreiung“ heißen

Die „Befreiung” rollt heran: Im Oktober lief das zehnmillionste Kraftfahrzeug vom Band, das in diesem Jahr in China gebaut wurde Bild: AP

Chinas Fahrzeugindustrie macht große Sprünge. Den Erfolg verdanken die Chinesen jedoch vor allem ihren ausländischen Partnern. Eigene Erfindungen bleiben die Ausnahme. Am besten schlagen sich private Anbieter wie Geely, BYD oder Great Wall.

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          Chinas Freiheit trägt die Seriennummer 10.000.000. Unter dieser Zählung lief im Oktober das zehnmillionste Kraftfahrzeug vom Band, das 2009 gebaut wurde. Es ist ein rot funkelnder Lastwagen der Marke Jiefang (Befreiung). Drei Wochen später gab der Automobilverband CAAM bekannt, dass in China erstmals mehr als 10 Millionen Vehikel auch wirklich verkauft worden seien, eine Steigerung um fast 40 Prozent. Wenn nichts mehr schiefgeht, wird China 2009 erstmals vor Amerika den größten Automarkt der Welt bilden. In diesem Licht sonnt sich die Messe Guangzhou International Motor Show in Kanton (Guangzhou), die rund 500.000 Besucher erwartet.

          Christian Geinitz

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin

          Den Erfolg verdanken die Chinesen vor allem ihren ausländischen Partnern. "Sie haben den Markt entwickelt, setzen die Standards, bringen die Technologie mit", sagt Yang Jian, Leitender Redakteur der "Automotive News China" in Schanghai. Das gilt auch für den Hersteller des Jiefang, Chinas ältesten Autobauer First Automotive Works (FAW). Gemeinschaftsunternehmen unterhält dieser unter anderem mit Volkswagen, Toyota und dem Motorproduzenten Deutz. Sogar der FAW-Vorzeigelimousine Hongqi ("Rote Fahne") liegen Modelle von Toyota, Lincoln oder Audi zugrunde.

          Wenn es zuweilen auch knirscht zwischen den Beteiligten, zahlt sich die Zusammenarbeit für beide Seiten aus. Der Marktführer VW erwartet 2009 zusammen mit FAW und SAIC (Schanghai) einen Rekordabsatz von 1,4 Millionen Einheiten. Ähnlich reüssiert der SAIC-Partner General Motors (GM), der Personen- und Nutzfahrzeuge herstellt und den Absatz bis Oktober um fast 60 Prozent auf 1,5 Millionen Einheiten erhöhte. Im Aufwind sehen sich auch andere Allianzen: BAIC in Peking mit Hyundai; Dongfeng mit Nissan und Honda, Kia sowie PSA; GAIG in Guangzhou mit Honda, Nissan, Toyota und Isuzu.

          Bild: F.A.Z.

          Audi dominiert Oberklasse

          Nicht nur Kleinwagen verkaufen sich gut. Die Absatzsteigerung von BMW in den ersten zehn Monaten betrug 37 Prozent auf 72.000 Fahrzeuge. Mitten in der Krise will man zusammen mit Brilliance für 560 Millionen Euro in Shenyang ein zweites Werk bauen. Mercedes, das mit BAIC kooperiert, erwägt ebenfalls eine Erweiterung, nachdem die Verkäufe um 48 Prozent auf 53.000 Einheiten zugenommen haben. Uneinholbar in der Oberklasse bleibt Audi, das bis Oktober 123.000 Autos an den Mann brachte, ein Plus von 22 Prozent.

          Chinas Autohersteller profitieren von der Stimulierungspolitik der Regierung in der Wirtschaftskrise. So wurde die Verkaufsteuer auf Kleinwagen auf 5 Prozent halbiert. Auf dem Lande erhalten Käufer finanzielle Hilfen. Oberklassefahrer nutzen die staatlich verfügte Kreditausweitung. "Auch ohne solche Anreize wird die Nachfrage weiter stark steigen", sagt der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group China, Winfried Vahland. "Der Nachholbedarf ist einfach riesig." Von 1000 Einwohnern besäßen nur 30 ein Auto, in Europa und Amerika seien es 400 bis 500.

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