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China : Selbstmordserie in der iPad-Fabrik

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Bilder von Apple-Produkten brennen während einer Demonstration in Hongkong: Aktivisten protestieren gegen die Arbeitsbedingungen der Produktionsfima Foxconn Bild: AFP

Apples neuestes Kultprodukt iPad wird hier gebaut, Amazons „Kindle“ und Notebooks von Dell: Das Unternehmen Foxconn ist der weltgrößte Hersteller von Elektronik-Produkten. Jetzt wird es von einer Selbstmordserie erschüttert. Schon wieder hat sich ein Mitarbeiter das Leben genommen.

          Der weltgrößte Elektronik-Hersteller Foxconn und Produzent des iPads von Apple sieht sich mit einer Serie von Selbstmorden unter seinen Arbeitern konfrontiert. Am Dienstag starb abermals ein Mitarbeiter, nachdem er sich vom Dach des Werkes im südchinesischen Shenzhen gestürzt hatte, wie die Nachrichtenagentur Xinhua berichtete. Es war der neunte Todesfall und elfte Sturz dieser Art in dieser Fabrik in diesem Jahr. Zwei Mitarbeiter wurden bei versuchten Selbstmorden schwer verletzt.

          Foxconn unterhält in Shenzhen eine der größten Fabriken der Welt, in der Handys, Computer und Spielkonsolen gebaut werden. Fast 250.000 Menschen arbeiten auf dem Werksgelände, heißt es. Arbeiter schlafen in Sälen mit bis zu hundert Menschen in Etagenbetten. Sechs Tage in der Woche arbeiten sie, ein Monatslohn von rund 200 Euro gilt als üblich.

          Produziert wird hier mittlerweile so gut wie alles, was bekannte Markenunternehmen auf dem Weltmarkt verkaufen: Apples neuestes Kultprodukt iPad, das E-Book-Gerät „Kindle“ von Amazon, verschiedene Mac-Computer und Notebooks von HP. Auch das Apple-iPhone und Smartphones von Nokia werden in Shenzhen hergestellt, ebenso wie die Flachbildfernseher von Sony (Das Wundergerät wird in Shenzhen produziert).

          Debatte über Arbeitsbedingungen

          Die Selbstmorde lösten eine heftige Diskussion über die Arbeitsbedingungen bei dem taiwanesischen Hersteller aus. Experten wiesen auch auf starken Arbeitsdruck und die Isolation vieler Wanderarbeiter hin. In einem Abschiedsbrief schrieb der 19 Jahre alte Mitarbeiter laut Xinhua: „Ich habe keine Fähigkeiten. Ich bekomme, was ich verdiene.“ Es tue ihm leid, dass er nicht mehr länger für seinen Vater sorgen könne, schrieb er vor seinem Freitod.

          Der Vorsitzende der Hon-Hai-Gruppe, zu der Foxconn gehört, bestritt, dass schlechte Behandlung der Beschäftigten hinter den Selbstmorden stecken könnte. „Foxconn ist kein Ausbeuterbetrieb“, sagte Terry Kuo. Das Unternehmen versuche aktiv, Selbstmorden vorzubeugen. Details nannte er nicht. Kuo hob hervor, dass die breite Berichterstattung über die Fälle möglicherweise zur Nachahmung angeregt haben könnte. Erst am Freitag hatte sich ein Mitarbeiter des Werkes in Shenzhen umgebracht.

          „Wir sind extrem müde, haben ungeheuren Druck“

          „Das Unternehmen muss eine gründliche Untersuchung des Lebens an seinen Produktionslinien einleiten - nicht nur noch mehr oberflächliche, kurzfristige Reparaturen vornehmen“, forderte hingegen die in New York ansässige Organisation China Labor Watch, die schon länger Probleme bei Foxconn anprangert und Arbeiter zu den Selbstmorden befragt hat. „Wir sind extrem müde, haben ungeheuren Druck“, berichteten sie. „Wir beenden einen Arbeitsvorgang alle sieben Sekunden.“ Dafür sei Konzentration nötig. „In jeder Schicht
          (zehn Stunden) fertigen wir 4000 Dell-Computer - alles im Stehen.“

          17 der 25 interviewten Arbeiter führten die Selbstmorde auf den hohen Arbeitsdruck zurück, wie China Labor Watch berichtete. Arbeiter haben nur einen Tag pro Woche frei, legen dann oft noch Überstunden ein. Vor und nach der Schicht, die mit Überstunden zehn oder zwölf Stunden dauern, gibt es noch unbezahlte Mitarbeitersitzungen, berichtet die Organisation. Es wird der vorgeschriebene Mindestlohn von 900 Yuan (heute 107 Euro) monatlich bezahlt. Für Überstunden gibt es 7,8 Yuan (90 Cents) und 10,34 Yuan (1,23 Euro) am Wochenende.

          Eine Arbeitsrechtsorganisation in Hongkong kündigte den Aufruf zum weltweiten Boykott des iPhone an. Im Rahmen einer Protestaktion verbrannten Sie Abbildungen von Apple-Produkten.

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