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Investitionen : China kauft sich in Europa und Amerika ein

Investoren in der chinesischen Stadt Taiyuan vor der Anzeigetafel, die die Börsenkurse abbildet Bild: Reuters

Unternehmen aus dem Reich der Mitte geben Rekordsummen für Übernahmen und Anteile an Konkurrenten im Westen aus. Deutschland steht ganz oben auf der Agenda.

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          China ist auf Einkaufstour. Nachdem Unternehmen aus dem Reich der Mitte im vergangenen Jahr für Übernahmen von Konkurrenten in Europa und Amerika die Rekordsumme von umgerechnet 65 Milliarden Euro ausgegeben haben, werden sie in diesem Jahr noch einen weitaus höheren Betrag in Zukäufe investieren. Denn nach Angaben des Analystenhauses Dealogic haben sie seit Januar allein in Europa rund 10 Milliarden Euro in die Akquisition von Firmen gesteckt. Das ist halb so viel wie im gesamten Jahr 2014. Auch Amerika steht bei Chinesen weiterhin hoch im Kurs.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Stephan Finsterbusch

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Georg Giersberg

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Der Betriebswirt“.

          So finden sich Traditionsmarken wie das New Yorker Nobelhotel „Waldorf Astoria“, der amerikanische Handyhersteller Motorola, der deutsche Betonpumpenhersteller Putzmeister, die britische Pizza Express oder der peruanische Kupferminenbetreiber Las Bambas Copper schon fest in chinesischer Hand. Vor dem Hintergrund einer schwachen europäischen Gemeinschaftswährung, einer schleppenden wirtschaftlichen Entwicklung in Europa und einer von Peking verordneten Offensive hin zu mehr Spitzentechnik chinesischer Firmen stehen nun weitere Zukäufe an.

          Der Internetkonzern Alibaba kauft jeden Monat durchschnittlich zwei Unternehmen dazu, der Konkurrent Tencent eins. Der Computerhersteller Lenovo gab im vergangenen Jahr rund 4 Milliarden Euro aus, um technische Spitzenfirmen im Westen zu erwerben. Auf der Cebit-Computermesse in Hannover stellten mehr als 600 chinesische Unternehmen ihre Produkte vor, knüpften Beziehungen und schlossen Geschäfte mit deutschen Maschinenbauern, IT-, Dienstleistungs- und Softwarefirmen ab.

          „Wir expandieren in alle Welt“

          Der für das Cloudgeschäft der Alibaba Group verantwortliche Vorstand, Ethan Yu, sagte: „Wir expandieren in aller Welt und halten nun nach Möglichkeiten in Europa Ausschau.“ Alibaba ist da nicht allein. Jüngst beherrschte das Übernahmeangebot eines Konsortiums unter Führung der Chem-China-Gruppe für den italienischen Reifenhersteller Pirelli die Schlagzeilen. Im alten toskanischen Textilzentrum Prato haben sich rund 4000 chinesische Handelsunternehmen niedergelassen. Eine China-Town mitten in Europa. Die französische Club Med SA wird wohl ebenfalls bald in chinesische Hände übergehen.

          Chinas Telekommunikations-Gigant Huawei auf der Cebit im März. Insgesamt stellten über 600 chinesische Unternehmen ihre Produkte vor

          In Pfullendorf nahe dem Bodensees geht gerade ein weiteres Stück des deutschen Mittelstands ins Reich der Mitte: Alno, einer der größten Hersteller hochpreisiger Küchen auf der Welt, gehört ab sofort zu 9 Prozent einem chinesischen Bodenbelaghersteller mit dem Namen Nature. Dessen Fabriken stehen in Foshan, einer kleinen Stadt mit 7 Millionen Einwohnern im Süden Chinas.

          She Xuebin heißt der Mann, der als Großaktionär nun in Pfullendorf die Alno-Zukunft mitbestimmt. Die Lebensgeschichte des Nature-Gründers folgte denselben Strukturen der Biographie manches deutschen Mittelständlers: Mit gerade mal hundert Yuan in der Hand machte sich der 19 Jahre alte She einst aus seiner Heimatstadt Foshan nach Macau auf, schlug sich als Müllmann durch, schleppte Kisten in den Hafendocks und sparte jeden Jiao, der möglich war, wie die Unterwährung des Yuan heißt. Nach sechs Jahren kam er nach Foshan zurück und machte ein Möbelgeschäft auf.

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