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Automobilindustrie : Stellantis beerdigt China-Joint-Venture

Kein Renner: Jeep-Modelle kamen in China nicht in die Erfolgsspur. Bild: Picture Alliance

Der Autokonzern geht zunehmend auf Distanz zu Peking. Fahrzeuge der Konzernmarke Jeep sollen fortan ins Reich der Mitte exportiert werden.

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          Das Gemeinschaftsabenteuer des europäisch-amerikanischen Autoherstellers Stellantis und der Guangzhou Automobile Group aus China ist beendet. Zwölfeinhalb Jahre nach Gründung des zunächst GAC Fiat und zuletzt GAC FCA getauften Unternehmens haben sich die beiden gleichberechtigten Anteilseigner einstimmig darauf verständigt, Insolvenz für ihr Joint Ven­ture anzumelden. Das teilten sie am Montag mit. GAC FCA mit Sitz im zentralchinesischen Changsha wird damit in seiner heutigen Form vom Markt verschwinden. Der Opel-Mutterkonzern Stellantis, der seinen Willen zur Beendigung der Gemeinschaftsproduktion schon im Juli angekündigt hatte, hat dafür eine Abschreibung von rund 300 Millionen Euro in seinen Büchern verbucht.

          Niklas Záboji
          Wirtschaftskorrespondent in Paris

          Das Joint Venture war einst von Fiat mit Unterstützung von Ministerpräsident Silvio Berlusconi gegründet worden, um den Italienern die Expansion ins Reich der Mitte zu erleichtern. In der Spitze produzierte es jährlich knapp 70.000 Fiat-Fahrzeuge. Nach der Fusion von Fiat mit dem amerikanischen Wettbewerber Chrysler startete GAC FCA 2015 parallel dazu die Herstellung von Autos der Konzernmarke Jeep, von denen in der Spitze sogar mehr als 200.000 vom Band liefen. Doch schon kurz darauf ging es abwärts. Die Fiat-Produktion durch GAC FCA wurde reduziert und 2019 schließlich ganz eingestellt, und auch die Herstellung von Jeep-Fahrzeugen wie dem Modell Cherokee schrumpfte auf zuletzt rund 20.000 im Jahr.

          Stellantis, Anfang 2021 hervorgegangen aus der Fusion von Fiat-Chrysler mit Peugeot-Citroën, bezeichnete die Aktivitäten von GAC FCA zuletzt als Verlustgeschäft. Mit dessen Abwicklung geht der Konzern weiter auf Distanz zu China. „Wir sind ein westliches Unternehmen“, hatte Vorstandschef Carlos Tavares im Juli gesagt und eine seit rund fünf Jahren wachsende Einmischung Pekings in die Geschäftswelt beklagt. Seither ist offen, ob Stellantis an seinem Ziel festhält, im Jahr 2030 rund 20 Milliarden Euro Umsatz in dem größten Automarkt der Welt zu erwirtschaften. Zuletzt kam der 14-Marken-Konzern in der gesamten Region China, Indien und Südostasien auf weniger als 4 Milliarden Euro. Das ist viel weniger, als Wettbewerber wie Volkswagen in China umsetzen.

          Statt vor Ort zu produzieren, will Stellantis Jeep-Fahrzeuge fortan ins Reich der Mitte exportieren. „Das Modell für den Vertrieb importierter Fahrzeuge mit chinesischen Händlern wird auf den gleichen Prinzipien basieren, die heute für Maserati und Alfa Romeo profitabel sind“, sagte ein Konzernsprecher. In Kürze wolle man einen Produktplan veröffentlichen, der die Details der in China verfügbaren Modelle enthält. Noch nicht entschieden ist, ob Stellantis auch sein zweites Joint Venture in China beendet. Es besteht zwischen Dongfeng und den französischen Konzernmarken Peugeot und Citroën. Die deutsche Konzernmarke Opel hatte ihre Expansionspläne in China kürzlich auf Eis gelegt.

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