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China : AgBank enttäuscht mit Börsendebüt

  • Aktualisiert am

AgBank-Filiale in Schanghai Bild: AFP

Die Agricultural Bank of China ist am Donnerstag in Schanghai an die Börse gegangen. Es ist einer der größten Börsengänge weltweit. Doch das lang erwartete Börsendebüt hat die Anleger enttäuscht.

          In einem abgeschwächten wirtschaftlichen Umfeld hat die chinesische Landwirtschaftsbank ABC den vermutlich größten Börsengang der Welt begonnen. Nach Konjunkturdaten vom Donnerstag hat sich das Bruttoinlandsprodukt der kaufkraftbereinigt zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,3 Prozent gesteigert. Damit verlangsamte es sich allerdings gegenüber dem Vorquartal. Manche Analysten hatten 10,5 Prozent erwartet und zeigten sich deshalb enttäuscht. Andere sagten, die Abflachung bringe China zurück auf einen normalen Wachstumspfad und sei eine positive Auswirkung der weniger expansiven Geldpolitik.

          In dieser uneinheitlich bewerteten Situation verkaufte die Agricultural Bank of China (ABC) ihre Aktien in Schanghai am Donnerstag wie geplant am oberen Ende der Preisspanne zu 2,68 Yuan je Stück (0,31 Euro). Der Schlusskurs lautete am Abend 2,70 Yuan. Damit hatte das Wertpapier am ersten Handelstag zwar kaum 0,8 Prozent hinzugewonnen; bei chinesischen Neuemissionen sind oft zweistellige Zuwächse möglich. Der Kurs entwickelte sich aber in einem ohnehin angespannten Markt besser als andere Werte. So gab der Börsenindex Shanghai Composite 1,87 Prozent auf 2424 Punkte ab. Das Barometer, das 2009 noch um 80 Prozent gestiegen war, hat in diesem Jahr fast ein Viertel an Wert eingebüßt und gilt als schlechtester Index Asiens.

          Die ABC-Aktien wurden vor allem an inländische Anleger verkauft. An diesem Freitag können sich auch ausländische Investoren an der Bank beteiligen, die als letztes der vier großen Staatsinstitute an die Finanzmärkte strebt. In Hongkong stehen 25,4 Milliarden Papiere zum Stückpreis von 3,20 Hongkong-Dollar (0,32 Euro) zum Verkauf. Hier war die Nachfrage zurückhaltender.

          Da die Märkte in Hongkong als reifer gelten und die Investoren größere Anlagemöglichkeiten haben als auf dem Festland, könnte es für die ABC noch einmal spannend werden. Falls sich die Nachfrage als gering erweist, wird die Mehrzuteilungsoption zusätzlicher Aktien möglicherweise nicht benötigt. Dann könnten die Bank und der auf Rekorde bedachte Staat das Ziel verfehlen, den größten Börsengang aller Zeiten zu liefern. Wenn aber alles gutgeht, erlöst die Bank 22,2 Milliarden Dollar. Das wären nominal 300 Millionen Dollar mehr als der bisherige Spitzenreiter von 2006, die chinesische Staatsbank ICBC.

          Kein gutes Omen für die ABC gab der Hongkonger Index Hang-Seng am Donnerstag ab, der um fast 1,5 Prozent auf 20 256 Punkte fiel. Für Verunsicherung unter Anlegern sorgt zudem ein Bericht der Ratingagentur Fitch, nach dem in Chinas Kreditwesen viel größere Gefahren schlummern als geahnt. Demnach haben die Banken über Finanzvehikel und Trust-Konstruktionen riesige Darlehen ausgelagert, um ihre wahren Ausleihungen zu verschleiern. Dadurch seien die Kreditrisiken und die tatsächliche Liquidität, die in Spekulationen mit Immobilien und anderen Anlagen flössen, viel höher als befürchtet, hieß es.

          Das könnte nicht nur die Staatsbanken wie die ABC gefährden, die wegen notleidender Kredite schon gerettet werden musste. Es hätte auch große volkswirtschaftliche Implikationen: Regierung und Zentralbank versuchen, die 2009 auf einen Rekord von 1000 Milliarden Euro ausgeweitete Kreditvergabe zu drosseln, um eine Überhitzung der Wirtschaft, eine überschießende Teuerung und faule Kredite zu vermeiden. Offiziell greift diese Politik, wie der starke Rückgang der Neukredite zu belegen scheint. Fitch zufolge ist die wahre Kreditsumme durch außerbilanzielle Bankgeschäfte aber um 28 Prozent höher als ausgewiesen.

          Die chinesische Wirtschaftsleistung hat sich im ersten Halbjahr um 11,1 Prozent erhöht. Für das Gesamtjahr plant die Regierung 8 Prozent nach 9,1 Prozent 2009. Der Verbraucherpreisanstieg fiel mit 2,9 Prozent im Juni geringer aus als im Mai und von vielen Banken berechnet.

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