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Chemiebranche : „Ziel ist, Verfügbarkeit von geeigneten Desinfektionsmitteln zu sichern“

Eine Mitarbeiterin desinfiziert sich die Hände im Medizinischen Versorgungszentrum Groß-Gerau Bild: dpa

Warum ist es überhaupt zu Engpässen mit Desinfektionsmittel gekommen? Ein Gespräch mit Wolfgang Große Entrup, dem Hauptgeschäftsführer des Verbands der chemischen Industrie VCI.

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          Herr Große Entrup, Jens Spahn hat diese Woche die Gesundheits-Industrie zum Krisengipfel geladen. Wer war denn dabei und was wurde besprochen?

          Bernd Freytag
          Wirtschaftskorrespondent Rhein-Neckar-Saar mit Sitz in Mainz.

          An dem Treffen im Bundesgesundheitsministerium haben Vertreter aus Unternehmen und Verbänden der Medizin-, Hygiene- und Diagnostika-Industrie teilgenommen. Themen waren die Versorgungslage in Deutschland mit Schutzausrüstungen und Desinfektionsmitteln und wie ihre Bereitstellung für Apotheken, Krankenhäuser und Arztpraxen sichergestellt werden kann.

          Und was ist dabei herausgekommen?

          Unser gemeinsames Ziel ist es, die Verfügbarkeit von geeigneten Desinfektionsmitteln zu sichern. Wir haben Bundesgesundheitsminister Jens Spahn als Chemiebranche zugesagt, dass wir nach Kräften dazu beitragen werden, die breite Verfügbarkeit notwendiger Rohstoffe, zum Beispiel Iso-Propanol und Ethanol, und darauf basierende Desinfektionsmittel in der Lieferkette vom Hersteller bis hin zum Anwender – also Apotheken oder Krankenhäuser – zu gewährleisten. Desinfektionsmittel sind eine wichtige Vorkehrung, um die weitere Verbreitung des Coronavirus zu verhindern.

          Ist es nicht ohnehin im Interesse der Unternehmen, die Produktion der notwendigen Produkte hochzufahren? Wieso braucht es dazu ein Krisengipfel mit Verbänden?

          Der VCI hat die „Initiative Desinfektionsmittel“ der Branche auf den Weg gebracht. Es ist eine Task Force eingerichtet worden, die alle Beteiligten über Maßnahmen informiert und ihre Umsetzung koordiniert. Aktuell läuft eine Umfrage bei unseren Mitgliedsunternehmen nach der Verfügbarkeit von geeigneten Produkten und Rohstoffen. Im nächsten Schritt sollen die vielfältigen rechtlichen, fachlichen sowie logistischen Fragen zusammengefasst und mit dem Gesundheitsministerium pragmatische Lösungen entwickelt werden. Größte Herausforderungen sind notwendige Ausnahmegenehmigungen für Wirkstoffe und Produkte sowie die Verfügbarkeit von geeigneten Behältnissen zur Abfüllung.

          Sind Desinfektionsmittel denn tatsächlich knapp und können Sie das überhaupt ändern?

          Aufgrund der aufwändigen rechtlichen Regelungen gibt es in Deutschland nur noch wenige Spezialfirmen, die Desinfektionsmittel produzieren und in Verkehr bringen dürfen. Durch die stark erhöhte Nachfrage ist es daher zu Engpässen gekommen. Diese wollen wir durch die gemeinsame Initiative der Industrie soweit wie möglich beheben.

          Das heißt, man müsste die Vorgaben aufweichen, um eine schnelle Versorgung sicherzustellen?

          Ja, das wäre in dieser Lage sinnvoll. Der Bundesgesundheitsminister hat unsere Branche frühzeitig in das Krisenmanagement einbezogen. Er hat zugesichert sich dafür einzusetzen, Vorschriften kurzfristig anzupassen oder Ausnahmeregelungen zu schaffen, damit wir der Aufgabe, die Verfügbarkeit von Desinfektionsmitteln sicherzustellen, auch nachkommen können.

          Also wird es gelingen und in ganz Deutschland bald wieder genügend Desinfektionsmittel bereit stehen?

          Wir gehen davon aus. Alle Beteiligten der Initiative aus unserer Branche werden ihren Beitrag leisten, um zu helfen. Aber das hängt nicht an uns allein, da wir nicht die gesamte Kette abdecken.

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