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Chemiekonzern in der Kritik : Bayer und das Bienensterben

  • -Aktualisiert am

Die Imker sind alarmiert Bild: dpa

Schlecht gebeizte Maissaat hat rund 11.500 Bienenvölker in Baden-Württemberg geschädigt, 700 Imker erlitten Umsatzeinbußen durch das Massensterben der Bienen. Das Pflanzenschutzmittel stammt von Bayer CropScience. Der Chemiekonzern will den Fall mit Sofortzahlungen schnell abschließen.

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          In vielen Bienenstöcken wird das Summen und Brummen in diesem Sommer weniger stark ausfallen. Das Massensterben der Honigbienen am Oberrhein hat Imker, Landwirte, Politiker und ein Chemieunternehmen gleichermaßen geschockt: Durch ein Pflanzenschutzmittel des Herstellers Bayer CropScience sind mehrere tausend Bienenvölker in der Rheinebene zwischen Lörrach und Rastatt abgetötet worden. Auch auf die Region rund um Freiburg hat sich das Sterben mittlerweile ausgebreitet. Die Imker sind alarmiert. Seit Freitag sind nun genauere Zahlen zum Schadensumfang bekannt: Insgesamt 700 Imker haben bis Anfang Juni Schadensmeldungen bei den zuständigen Behörden eingereicht, berichtet das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Rund 11.500 Bienenvölker sind betroffen, das heißt: sie sind entweder ganz oder teilweise dezimiert. Viele haben ihre Flugbienen verloren, mit gravierenden Folgen: Ab einer gewissen Flugbienenverlustrate ist eine Honigernte in 2008 nicht oder nur stark eingeschränkt möglich, sagen Fachleute. „Der wirtschaftliche Schaden kann bei den stark geschädigten Völkern ein Jahr Totalausfall an Ertrag bedeuten“, schätzt Peter Rosenkranz, Leiter der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim.

          Grund für das Bienensterben ist der im Pflanzenschutzmittel „Poncho“ enthaltene Wirkstoff Clothianidin, wie das Julius-Kühn-Institut nachgewiesen hat. Das Mittel, das für die Behandlung von Maissaatgut zugelassen ist, haftete nicht ausreichend an den Maiskörnern. Bayer CropScience spricht „von einem technischen Fehler“ beim Beizvorgang, der in der Verantwortung mehrerer Saatgutmittelanbieter liege. Starker Wind und Trockenheit taten ihr Übriges: Durch sie lösten sich Stäube des nicht korrekt an den Saatkörnern haftenden Giftes und wurden in die Umwelt geweht. Sie blieben beispielsweise auf Raps-, Löwenzahn- oder Obstblüten kleben – also auf Pflanzen, die klassischerweise von den Honigbienen angesteuert werden. Das Ergebnis: Die Bienen nahmen den Stoff auf und starben. Clothianidin wurde in hoher Dosierung bei den verendeten Bienen vorgefunden.

          Mit einem blauen Auge davonkommen

          Als die ersten ungewöhnlichen Fälle von Bienensterben Ende April auftraten und in Verbindung mit dem Mittel Poncho gebracht wurden, hatte das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) schnell reagiert: Es setzte Mitte Mai die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln mit Clothianidin und einer Reihe anderer Wirkstoffe außer Kraft. Auch die Bayer CropScience AG sah das Unheil nahen und gab fünf Tage nach der Aussetzung bekannt, dass man den betroffenen Imkern finanzielle Mittel bereitstellen wolle, „um insbesondere betriebsbedrohende Situationen zu vermeiden“, wie es in einer Mitteilung des Unternehmens hieß. Die Unterstützung, so betont das Unternehmen, erfolge auf freiwilliger Basis. Genaue Angaben zur Höhe der Zahlungen wollte ein Sprecher des Unternehmens nicht machen. „Wir bedauern die aktuellen Bienenverluste und die daraus entstandene Situation für die Imker in Baden-Württemberg“, schreibt Richard Schmuck, Ökologe von Bayer CropScience, auf der Unternehmenshomepage. Man arbeite eng mit allen Beteiligten daran, die Anwendungssicherheit zu verbessern, heißt es weiter.

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