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Chemie- und Pharma-Konzerne : Welche sind die beliebtesten Arbeitgeber?

Die Mitarbeiter mögen es: Covestro liegt im VAA-Ranking vorne Bild: Bloomberg

Die Chemie- und Pharmabranche ist der drittgrößte deutsche Industriezweig. Die Stimmung der Leistungsträger variiert stark, wie ein Führungskräfteverband ermittelt hat. Erstaunlich ist, welcher Konzern die beste Note erhält.

          Bayer hat sich in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten verändert wie wenige andere Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche. Der Mischkonzern verkaufte Geschäftseinheiten und brachte ganze Konzernteile an die Börse, kaufte dafür hier und da zu – tätigte zuletzt sogar die größte Akquisition der deutschen Unternehmensgeschichte, in Form des amerikanischen Pflanzenschutzkonzerns Monsanto. Dahinter stand die ewige Strategiediskussion darüber, was Bayer künftig vornehmlich sein solle: ein Pharma- oder ein Chemiekonzern?

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wo sich derart viel ändert, ist die Stimmung oft getrübt – vor allem dort, wo Mitarbeiter das angestammte Unternehmen verlassen müssen: in den verkauften oder ausgelagerten Konzernteilen.

          So war das, als Bayer 2005 margenschwache und defizitäre Chemiegeschäfte in dem neugegründeten Unternehmen Lanxess ablud. Der Führungskräfteverband der Chemiebranche, der VAA, fragte damals seine Mitglieder nach ihrer betrieblichen Zufriedenheit, und Lanxess landete auf dem 22. Platz, was damals den letzten Rang in der Liste bedeutete.

          Bei Umbau regiert der Frust

          Die jährliche Stimmungsumfrage des VAA – des Verbands angestellter Akademiker und leitender Angestellter der chemischen Industrie – ist ein in der Branche anerkanntes Barometer. Personalvorstände warten heutzutage mit Neugier auf die Ergebnisse. Immerhin geht es um die Leistungsträger und Entscheider von Deutschlands drittgrößtem Industriezweig.

          Viele der Akademiker sind im mittleren Management angesiedelt. Unternehmen stellen sich darauf ein, künftig härter um Nachwuchs zu konkurrieren, wenn die Demographie dauerhaft auf die Studentenzahlen schlägt. Im Großen und Ganzen bestätigt die Statistik meist, was die anekdotische Evidenz liefert: also das, was generell in der Branche über die Unternehmen zu hören ist.

          Ungewöhnlicher Spitzenreiter

          Ein roter Faden zieht sich all die Jahre durch die Ranglisten: Wo ständig umgebaut wird, regiert der Frust. Und so ist durchaus bemerkenswert, was die diesjährige Umfrage ans Licht bringt, deren Resultate der F.A.Z. vorab vorliegen. Bayer lagerte nämlich gut zehn Jahre nach Lanxess auch den verbliebenen Rest seiner klassischen Industriechemie aus: Covestro heißt das neue Unternehmen, es ist vor allem als Kunststoffanbieter bekannt.

          Covestro fand sich in der Umfrage aber nicht unten in der Rangliste wieder, sondern belegte gleich zu Beginn seiner Existenz den zweiten Platz und ist nun sogar auf Rang eins gestiegen. Covestros Akademiker geben ihrem Arbeitgeber in der VAA-Umfrage im Durchschnitt ein „Gut“ auf der Schulnotenskala von eins bis sechs. Genauer gesagt: eine 2,13.

          Doch sind beide Fälle unterschiedlich gelagert. Lanxess wurde aus der Not geboren, enthielt ein Sammelsurium an Produkten, durchlief erst mal ein Sanierungsprogramm. Covestro erzielt dagegen ansehnliche Renditen. Der Konzern werkelt als kostengetriebener Hersteller von Massenprodukten zwar laufend an der Effizienz, aber es gab keinen großangelegten Stellenabbau im Zuge der Auslagerung. Der Aktienkurs hat sich seit der Erstnotiz im Oktober 2015 verdreifacht.

          Unter dem Bayer-Dach kam die Kunststoffsparte in Präsentationen meist an dritter und letzter Stelle, hinter dem Pharma- und dem Agrochemiegeschäft. Und nur diese beiden erhielten nennenswert Ressourcen für Zukäufe. Covestros Werkstoffe wurden unter „ferner liefen“ geführt. Das hat sich mit der Abspaltung geändert, nun dreht sich alles um die eigenen Produkte. Den Mitarbeitern sei klar, wofür sie im Unternehmen arbeiten, und die Strategie sei glasklar formuliert, lobt VAA-Vorstand Christoph Gürtler, hauptberuflich Manager bei Covestro. Das sei einfacher in einem überschaubaren Unternehmen als im Konglomerat.

          Der VAA befragte seine Mitglieder im April und Mai und wertete 3212 Fragebögen von Angehörigen aus 24 Unternehmen aus. Die benoteten ihre Arbeitgeber mit Blick auf Unternehmenskultur, Strategie und Arbeitsbedingungen. Auf Platz zwei findet sich Beiersdorf. Der Hersteller von Hautcreme und Deos erhält im Schnitt eine 2,39, steigt damit um drei Ränge gegenüber dem Vorjahr auf.

          Der Vorjahressieger Schott sinkt mit etwas schlechterer Bewertung auf Platz drei. Einen Sprung um fünf Plätze auf Rang acht macht Deutschlands Chemie-Marktführer BASF, obwohl die Note mit 2,89 nur eine Spur besser ausfällt als im Vorjahr. Die frühere Covestro-Muttergesellschaft Bayer zeigt ebenfalls kaum Veränderung mit dem Notenschnitt 2,69, was Platz fünf bedeutet, nach Platz vier im Vorjahr.

          Kaum Änderungen zum Vorjahr

          Überhaupt sticht ins Auge, dass die Noten für die einzelnen Unternehmen sich, verglichen mit jenen von 2017, kaum unterscheiden – weder nach oben noch nach unten. Die größten Verschlechterungen umfassen gerade mal minus 0,25 Punkte, nämlich bei Schott und beim Dreizehnt-Plazierten B. Braun.

          Auch die Verbesserungen fallen marginal aus, die größte Differenz ist plus 0,24, und zwar jeweils bei Beiersdorf und Shell (Platz zehn). Insgesamt – also über alle Unternehmen hinweg – gaben die VAA-Angehörigen ihren Unternehmen ein „Befriedigend“ (Durchschnittswert 2,98).

          Was macht Bayer nach Montsanto-Übernahme?

          Mit Spannung darf man auf die Liste im kommenden Jahr warten, die dann Zeichen liefern dürfte, wie sich die soeben abgeschlossene umstrittene Übernahme Monsantos auf die Stimmung der Bayer-Manager auswirkt. Allerdings erweisen sich tendenziell eher die Angestellten der übernommenen Gesellschaft als Verlierer.

          Interessant wäre deswegen 2019 vor allem das Barometer in München, beim Gasekonzern Linde. Der soll mit dem amerikanischen Konkurrenten Praxair fusionieren, wird aber de facto übernommen. Vorstandsvorsitzender Aldo Belloni und der mächtige Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle werden sich vermutlich glücklich schätzen können, dass der VAA dort nicht stark präsent ist – weswegen Linde seit jeher in der Umfrage fehlt.

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