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Chemie und Pharma : Bayer wird umstrukturiert

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Der Leverkusener Bayer-Konzern will Teile seiner Chemie- und Polymergeschäfte an die Börse bringen. Die Pharma-Sparte soll dagegen ohne Partner eigenständig weitergeführt werden.

          Der Pharma- und Chemiekonzern Bayer bricht überraschend seine traditionelle Konglomeratsstruktur auf und kommt damit jahrelangen Forderungen von Investoren und Branchenexperten nach.

          Die Bayer AG, Leverkusen, will Teile ihres Chemie- und Polymergeschäfts mittelfristig an die Börse bringen. Das Pharmageschäft soll hingegen weitergeführt werden, teilte der Konzern am Freitag nach einer Aufsichtsratssitzung ad hoc mit. Damit wird die Suche nach einem Partner endgültig hinfällig. Die ausgegliederten Aktivitäten sollen Anfang 2005 zusammen an die Börsen gehen. Die Gesellschaft macht einen Umsatz von rund 5,6 Milliarden. Euro und hat rund 20.000 Mitarbeiter.

          „Das ist das Gegenteil von einer Verzweiflungstat. Wir gestalten die Zukunft unseres Konzerns und konzentrieren uns auf Wachstumsmärkte", erläuterte Konzernchef Werner Wenning am Freitag auf einer Telefonkonferenz den Schritt.

          Bayer-Zentrale in Leverkusen

          Die neue Chemie- und Polymer-Gesellschaft erhält den weiteren Angaben zufolge den vorläufigen Namen “NewCo“. Vorstandsvorsitzender wird Axel Claus Heitmann, derzeit Leiter des Executive Committees von Bayer Polymers und Leiter der Region Asien/Pazifik mit Sitz in Shanghai. Zum Börsengang soll die Gesellschaft einen neuen Namen erhalten. Nach der Aufteilung könne sich Bayer mit einem Umsatz von 22 Milliarden Euro stärker auf seine Kerngeschäfte fokussieren, erklärte Wenning. Zugleich werde die Zukunft der bisherigen Chemiesparte gesichert, weil NewCo als eigenständiges Unternehmen flexibler reagieren könne.

          Bis 2007 keine betriebsbedingten Kündigungen

          Die Arbeitnehmervertreter hätten der Neugliederung im Aufsichtsrat zugestimmt, teilte Bayer weiter mit. Dabei sei die zum Jahresende auslaufende Standortvereinbarung verlängert worden. Bayer habe zugesagt, bis Ende 2007 auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten. Zudem werde der bereits angekündigte Arbeitsplatzabbau um 1000 Stellen geringer ausfallen. Möglich sei dies durch einen Verzicht aller Mitarbeiter bis hinauf zum Vorstand auf zehn Prozent ihres variablen Einkommens.

          Das Pharmageschäft werde als Stand-alone-Lösung in der Bayer HealthCare AG weitergeführt, teilte Bayer weiter mit. Die Division Pharma soll sich unter den mittelgroßen europäischen Pharma-Unternehmen positionieren. “Wir haben sämtliche Handlungsoptionen für unser gesamtes Pharmageschäft ausgelotet - insbesondere die Gründung von Partnerschaften“, erklärte Wenning. Dabei habe sich aber keine Möglichkeit geboten, die den Wert von Bayers Pharmasparte ausreichend berücksichtigt hätte.

          Stärkere Ausrichtung auf Europa

          Die Division soll nun “mit signifikant angepaßten Strukturen“ in die Zukunft geführt werden, so Wenning. Dabei werde sie sich in der Forschung auf die Gebiete konzentrieren, in denen Bayer über Kernkompetenzen verfüge, nämlich Antiinfektiva, Herz-Kreislauf sowie Urologie. Darüber hinaus habe Bayer viel versprechende Produktentwicklungen in der Krebsforschung. Die Pharma-Aktivitäten würden zudem künftig stärker auf Europa ausgerichtet, ohne die wichtigen Märkte Amerika und Asien zu vernachlässigen. Ferner will Bayer die Bereiche Consumer Care, Diagnostika und Animal Health weiter ausbauen, da hier besonders große Wachstumschancen bestünden.

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