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Chemie : Übernahme durch Blackstone hinterläßt Verluste

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Der aus der Hoechst AG hervorgegangene Chemiekonzern Celanese ist im ersten Quartal des laufenden Jahres wegen hoher außerordentlicher Aufwendungen in die Verlustzone geraten.

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          Der aus der Hoechst AG hervorgegangene Chemiekonzern Celanese ist im ersten Quartal des laufenden Jahres wegen hoher außerordentlicher Aufwendungen in die Verlustzone geraten. Nach eigenen Angaben schloß der Konzern mit einem Fehlbetrag von 10 Millionen Dollar. Im gleichen Vorjahreszeitraum hatte Celanese noch einen Nettogewinn von 78 Millionen Dollar erwirtschaftet. Ins Auge fällt, daß der Verlust durch einige Posten entstanden ist, die mit der Übernahme durch den amerikanischen Finanzinvestor Blackstone in Verbindung stehen. Blackstone - eine der Private-Equity-Gesellschaften, die im Zuge der "Heuschrecken-Debatte" in die öffentliche Aufmerksamkeit geraten sind - hatte Celanese 2004 für 3,1 Milliarden Euro übernommen.

          Wie jetzt aus dem Zwischenbericht hervorgeht, wurden im Berichtsquartal für Dienstleistungen des Investors 10 Millionen Euro fällig. Als weiterer Sonderposten werden 35 Millionen Dollar "für die Beendigung der Dienstleistungen des Investors" ausgeführt. Ein Sprecher von Celanese erläuterte hierzu auf Anfrage, daß der Konzern mit Blackstone einen längerfristigen Vertrag über die Nutzung der Branchenexpertise des Investors gegen Entgelt abgeschlossen habe. Dieser Vertrag sei mit dem Börsengang der neuen amerikanischen Konzernobergesellschaft Celanese Corp. im Januar aufgelöst worden. Der Aufwand von 35 Millionen Dollar sei also als Abfindung zu verstehen. Der Sprecher räumte ein, daß dieses Vorgehen "ungewöhnlich" sei. Dazu kommt schließlich ein Posten von 102 Millionen Dollar für Umfinanzierungen von Krediten, die Celanese wegen der Finanzierung der eigenen Übernahme in den Büchern stehen hat. Der dadurch entstehende Zinsvorteil war nach Angaben des Sprechers mit einer Ausgleichszahlung an die Banken verbunden.

          Blackstone strebt weiterhin an, die Celanese AG zu 100 Prozent zu erwerben und von der Frankfurter Börse zu nehmen. Das gelingt derzeit aber nicht, da außenstehende Aktionäre der AG mit einem Anteil von 16 Prozent das Übernahmeangebot nicht akzeptiert haben. Mit geschickten Schachzügen ist Blackstone dem Ziel einer weitgehenden Celanese-Kontrolle aber dennoch nähergerückt: Der Konzern wurde dergestalt umgebaut, daß die AG heute nur noch ein Anhängsel des Konzerns ist. So wurde das amerikanische Geschäft, das etwa für die Hälfte des Konzernumsatzes steht, in eine amerikanische Blackstone-Gesellschaft ausgegründet. Über diese und die verbleibende Celanese AG wurde schließlich die neue Celanese Corp. als Holding gestellt. Diese Holding wiederum wurde im Januar überraschend an die Börse geführt. Damals verkaufte Blackstone rund 38 Prozent der Anteile für 1,2 Milliarden Dollar. Seitdem sind zwei Celanese-Gesellschaften börsennotiert, wobei die in Kronberg ansässige AG heute nur noch für das Europa-Geschäft zuständig ist.

          Gegen die Beschlüsse der AG-Hauptversammlung gibt es nach den Angaben des Sprechers neun bis zehn Anfechtungsklagen außenstehender Aktionäre, über die noch nicht entschieden wurde. Kein Gegenstand juristischer Auseinandersetzungen ist aber der Verkauf des Amerika-Geschäfts der AG für den äußerst gering anmutenden Preis von 290 Millionen Euro - gering deshalb, weil das Amerika-Geschäft rund die Hälfte des Celanese-Umsatzes trägt. Der Verkauf sei eine Entscheidung des Managements und kein Gegenstand der Hauptversammlung gewesen, erläutert der Sprecher. Der Verkaufspreis beruhe im übrigen auf einer Bewertung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die das Management übernommen habe.

          Dem eigentlichen Chemiegeschäft haben die Tätigkeiten des Investors offenbar nicht geschadet. Wie dem Quartalsbericht zu entnehmen ist, stieg der Umsatz des Gesamtkonzerns vor allem wegen höherer Absatzpreise für chemische Produkte auf 1,51 (1,24) Milliarden Dollar. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen nahm sogar um 61 Prozent auf 334 Millionen Dollar zu. Geschäftszahlen zu einzelnen Regionen oder für die AG enthält der Zwischenbericht nicht. Im Ausblick wird angekündigt, daß der Konzern das Geschäftsjahr 2005 mit Gewinn schließen werde, unter anderem wegen niedrigerer Sonderaufwendungen im weiteren Verlauf des Jahres. (pso.)

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