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Chemie/Energie : RAG zahlt 3,3 Milliarden für Degussa-Anteil

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Der Aufsichtsrat des Mischkonzerns RAG hat den Plänen des Vorstands zum Kauf des restlichen Degussa-Kapitals zugestimmt. 2,8 Milliarden Euro sollen an den Energiekonzern Eon fließen, für Aktien aus Streubesitz wird eine Barabfindung geboten.

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          Für insgesamt 3,3 Milliarden Euro wird der Essener Energie- und Chemiekonzerns RAG in den nächsten Monaten das noch in Fremdbesitz befindliche Kapital des größten Spezialchemiekonzerns der Welt, der Degussa AG, aufkaufen. RAG wird dem Energiekonzern Eon für dessen 42,86 Prozent betragendes Degussa-Paket 31,50 Euro je Aktie oder insgesamt 2,8 Milliarden Euro bezahlen. Das haben Eon und RAG am Montag nach Aufsichtsratssitzungen bekanntgegeben. Je nach Fortschritt der Transaktion sieht Eon Chancen, den Aktionären bereits auf der Hauptversammlung im Mai eine Sonderausschüttung von 4,25 Euro je Aktie vorzuschlagen.

          RAG will die zusätzlich noch im Streubesitz befindlichen knapp 7 Prozent Degussa-Aktien im Zuge einer Barabfindung einsammeln. Geplant ist ein Stückpreis von 42 Euro, der auf dem Durchschnittskurs der zurückliegenden drei Monate und einer Prämie von 18 Prozent basiert. Bei rund 14 Millionen Aktien ergibt sich aus dieser Tranche ein Übernahmepreis von maximal 608 Millionen Euro.

          RAG macht großen Schritt Richtung Börse

          Mit der Ermächtigung der Aufsichtsgremien kommt der RAG-Vorstandsvorsitzende Werner Müller bei seinem Börsengang ein gutes Stück voran. Unter der Voraussetzung, daß die eingeleitete Sanierung der Degussa-Sparte Fein- und Industriechemie schnell gelingen und die BASF - wie am Freitag in Aussicht gestellt - die Sparte Bauchemie übernehmen wird, schafft Müller mit der Degussa die Basis für einen ausreichenden Plazierungserlös bei der Emission von RAG-Aktien im Jahr 2007 - und zwar zu überschaubaren Kosten für die zweite Hälfte des Degussa-Kapitals. Mit dem Plazierungserlös soll der Staat in Zukunft vollständig die finanzielle Verantwortung für den Bergbau übernehmen.

          Bei Degussa wird umgebaut
          Bei Degussa wird umgebaut : Bild: dpa

          Die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie, ohne deren Zustimmung dieses Konzept kaum Chancen hätte, begrüßte die Pläne mit der Degussa. „Die beabsichtigte vollständige Übernahme fördert die Zukunftsfähigkeit der RAG und ihrer Tochtergesellschaft“, stellte der IG BCE-Vorsitzende Hubertus Schmoldt fest. Er forderte freilich die Politik auch auf, für die weiteren Schritte zum Börsengang die notwendigen Vereinbarungen für die Zukunft des deutschen Steinkohlenbergbaus zu treffen.

          Eons vollständiger Rückzug aus der Chemie

          Im Jahr 2003, als Eon der RAG eine große Ruhrgas-Beteiligung abkaufte und eine knappe Degussa-Mehrheit verkaufte, hatte der Düsseldorfer Energiekonzern bereits den vollständigen Rückzug aus der Chemie beschlossen und RAG ein Vorkaufsrecht für die restlichen knapp 43 Prozent eingeräumt. In diesem Frühjahr hatte Eon-Chef Ulf Bernotat seinen Aktionären zudem versprochen, die Degussa-Aktien 2006 zu verkaufen und den gesamten Erlös im Frühjahr 2007 als Sonderdividende auszuschütten. Seit einigen Wochen zeichnete sich jedoch ein beschleunigter Besitzwechsel ab.

          Offen war freilich lange, wie RAG diese Milliarden-Transaktion finanzieren würde. Als die Degussa-Aufsichtsratssitzung am 13. Dezember den Verkauf der von externen Gutachtern mit rund 2,4 Milliarden Euro bewerteten Bauchemie beschloß, wuchs bei Anlegern die Erwartung eines baldigen Abfindungsangebotes bei Degussa und einer eventuell vorgezogenen Sonderausschüttung der Eon. In der vergangenen Woche erreichten die Aktien von Eon mit 85,30 und der „neuen“ Degussa mit 40 Euro historische Höchstkurse.

          31,50 statt 38 Euro

          Statt des 2003 vereinbarten Stückpreises von 38 Euro wird Eon jetzt nur 31,50 Euro erhalten. Dabei ist zu berücksichtigen, daß der Spezialchemiekonzern seit damals wegen erheblicher Probleme in der Feinchemie in zwei Stufen um insgesamt 1,3 Milliarden Euro Wertberichtigungen vornehmen mußte und noch ein anstrengendes Sanierungsprogramm vor der Brust hat.

          Der Degussa-Zukauf ist in Stufen geplant. Zunächst wird die RAG-Tochtergesellschaft RPG, die 50,1 Prozent der Degussa-Aktien hält, dem Streubesitz das Barabfindungsangebot unterbreiten. Wenn die RPG gut 2 Prozent Aktien erworben hat, wird sie das von Eon gehaltene Paket mit Wirkung zum 1. Juli kaufen. Mit dann insgesamt etwas mehr als 95 Prozent der Degussa-Aktien kann sie dann ein Verfahren zum Ausschluß der restlichen Degussa-Aktionäre einleiten und der RAG-Hauptversammlung im nächsten Juli vorschlagen. Wahrscheinlich ist in der Zwischenzeit bereits die Bauchemie zu einem derzeit erst grob greifbaren Preis von mindestens zwei Milliarden Euro verkauft. Bei der restlichen Finanzierung will sich RAG auf die weitgehend schuldenfreie Immobiliensparte und den vor einigen Monaten international plazierten syndizierten Kredit im Volumen von zwei Milliarden Euro stützen.

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