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Chefredakteur Zapke geht : Nächster Rückschlag für Reuters Deutschland

  • -Aktualisiert am

Das Logo von Thomson Reuters an der Niederlassung am Times Square Bild: Reuters

In der Vergangenheit musste der deutschsprachige Dienst massiv Stellen abbauen. Jetzt braucht er auch noch einen neuen Chefredakteur. Viele fragen sich, ob das angeschlagene Unternehmen auf Dauer noch überleben kann.

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          Nach den harten Einschnitten bei Reuters Deutschland verlässt nach Informationen der F.A.Z. Chefredakteur Olaf Zapke die Nachrichtenagentur. Er trenne sich im Februar von dem Unternehmen, informierte Zapke am Freitag intern Mitarbeiter. In einem Schreiben des internationalen Managements an die Belegschaft heißt es, Zapke habe „beschlossen, Reuters zu verlassen, um neue Herausforderungen zu verfolgen“.

          Klaus Max Smolka

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Nachfolge werde in den nächsten Wochen ausgeschrieben. Zapke verantwortet außer Deutschland noch Österreich, die Schweiz und den Balkan. Er bekommt in dem Schreiben ausführlichen Dank für seine jahrelange Arbeit in unterschiedlichen Managementfunktionen.

          Kenner interpretieren die Personalie als weiteren Schlag für den angeschlagenen deutschsprachigen Dienst der einst britischen Nachrichtenagentur, die sich 2008 an die kanadische Thomson verkauft hatte. Sie nährt sogar die Sorge um die Zukunft des deutschen Dienstes. Denn zum einen stutzt Reuters Deutschland die Belegschaft unaufhörlich: In den sechs Jahren bis 2018 schrumpfte die Redaktion in Deutschland nach früheren Betriebsratsangaben um mehr als ein Fünftel. Vor einem Jahr setzte das Management hierzulande noch einmal ein spezielles Abbauprogramm auf – nach Darstellung der Mitarbeitervertreter ein bis dato im Ausmaß beispielloses.

          Stellenabbau in den vergangenen Jahren

          Zum anderen sind seitdem weitere Journalisten gegangen. Frei werdende Stellen werden seit Jahren kaum mehr nachbesetzt – eher wird intern verschoben, was anderswo Lücken aufreißt. Im Abbauprogramm vor einem Jahr sollten zehn Arbeitsplätze in der Redaktion in Deutschland wegfallen, in welcher sowohl deutsche Mitarbeiter für den hiesigen Markt als auch Journalisten für den internationalen Dienst arbeiten.

          Die Streichungen sollten vornehmlich die Politik und weitestgehend das deutschsprachige Personal betreffen. Das auf Deutsch berichtende Politikressort – einschließlich Auslandsberichterstattung, die auf der Übertragung internationaler Korrespondentenberichte beruht – sollte nach früheren internen Betriebsratsangaben selbst ohne den neuen Stellenabbau nur noch 15 Köpfe zählen.

          Der Abbau hat sich dem Vernehmen größenordnungsmäßig bewahrheitet – es gab sogar ungeahntes Interesse an den Abfindungen. Wie zu hören ist, durfte nicht jeder gehen, der den goldenen Handschlag annehmen wollte. Schichtpläne sind dem Vernehmen nach nur noch schwierig zu besetzen. Mitarbeiter fragen sich nach dem Schrumpfprogramm, ob der Deutsche Dienst auf Dauer überlebt.

          Über seinen Bestand hat das Management mehr als einmal diskutiert, ernsthaft zum Beispiel 2004. Man beschloss, ihn beizubehalten. Unter anderem erkannte das Management damals an, die hiesigen Journalisten hätten bessere Kontakte und Marktkenntnisse als die internationalen Kollegen, die oft nur vorübergehend in Deutschland stationiert sind.

          Thomson Reuters lehnte am Freitag eine Stellungnahme ab, auch Zapke wollte sich nicht äußern. Er werde seinen Posten bis Februar 2020 noch ausführen, schrieb das internationale Management in der internen Mitteilung. „Es ist also viel Zeit, um Abschied zu nehmen.“

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