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Online-Autohändler : „Meinauto wäre bereit für die Börse“

In der Pandemie finden Autos online reißenden Absatz. Bild: dpa

Zieht es nach Auto1 bald eine weitere Plattform an den Kapitalmarkt? Der Chef Rudolf Rizzolli macht zumindest Andeutungen. Und es gibt noch ein gutes Indiz.

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          Rudolf Rizzolli hat Erfahrungen mit Börsengängen. 2015 setzte er als Vorstandsvorsitzender der Sixt Leasing die Kapitalmarktpläne von Erich Sixt als Haupteigentümer des größten deutschen Autovermieters um. Nun scheint Rizzolli, seit Anfang 2018 Vorstandschef der Mobility Holding, im Auftrag des britischen Finanzinvestors HG Capital den gleichen Weg für die Neuwagen-Online-Plattform mit Meinauto.de als Kernmarke zu ebnen.

          Rüdiger Köhn
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in München.

          Kein Wort möchte Rizzolli über Spekulationen verlieren, die vor knapp zwei Wochen aus Finanzkreisen durchgestochen worden waren. Ausweichen kann er im Gespräch mit der F.A.Z. aber nicht ganz: „Die Berichte zu einem möglichen Börsengang kann ich nicht kommentieren“, sagt er. „Grundsätzlich nur so viel dazu: Wir als Meinauto Group wären bereit.“ Sie sei in den vergangenen Jahren stark gewachsen und heute der führende Anbieter für Neuwagen im Internet in Deutschland. „Ungeachtet dessen stehen wir noch am Anfang einer Entwicklung, bei der wir enorme Wachstumspotentiale sehen; deswegen prüft unser Gesellschafter HG Capital zusammen mit uns alle strategischen Optionen.“

          Ein neuer Name ist gefunden

          Rizzolli spricht für die eher unbekannte Mobility Holding, hinter der die breiter bekannte Autohandelsplattform Meinauto.de steht wie auch die Autoleasing- und Flottenmanagementgesellschaft Mobility Concept sowie der Spezialanbieter von Neuwagenabonnements für Sportler (ASS). Ein neuer Name musste her, der mit Meinauto Group ist angesichts von rund 25 Millionen Besuchen auf der Online-Seite Meinauto.de nur konsequent. Das allein schon ist ein Indiz für Börsenambitionen. Der Vorstandschef erklärt es mit der geplanten Wachstumsoffensive: „Eine höhere Markenbekanntheit steigert meist das Vertrauen der Kunden und damit die Kaufbereitschaft.“ Eine noch breitere Bekanntheit sei sein nächstes Ziel. „Noch im ersten Quartal werden wir mit einer großen Branding-Kampagne starten.“ Ein Hinweis auf den Zeitplan für die Börse? Keine Antwort.

          Rizzolli strebt eine führende Positionierung in einem Markt für Fahrzeug-Online-Handel an, der im Trend liegt und immer härter umkämpft ist. In den nächsten Tagen will der Gebrauchtwagen-Online-Händler Auto1 die Börsenglocke läuten. Die Premiere stößt auf großes Interesse. Prompt hieß es, Meinauto wolle Auto1 auf dieser Spur hinterherfahren.

          Viele Anbieter tummeln sich im Markt: Mobile.de, Autoscout 24, Carwow in Vermittlung und Verkauf; Leasingmarkt.de oder Vehiculum im Leasing; oder die wie Pilze aus dem Boden schießenden Aboanbieter Cluno, Like 2 Drive, Faaren oder Vive la Car; nicht zuletzt auch die Autohersteller selbst, die wie Volvo, BMW und Mercedes – neben Finanzierungen – in den noch neuen Markt der Abonnements vordringen. Die Geschäftsmodelle unter dem Begriff „Online-Autohandel“ können unterschiedlicher kaum sein – beziehen sich auf Neu- oder Gebrauchtwagen, auf Privat- oder Gewerbekunden. „Der Wettbewerb im Online-Handel wird noch deutlich zunehmen“, sagt Rizzolli.

          Abgrenzung durch Neuwagengeschäft

          Meinauto habe in diesem Markt eine klare Positionierung vorgenommen. Mit dem Fokus auf das Neuwagengeschäft grenze man sich von den Wettbewerbern ab. Der Vorstandschef spricht von einem konsistenten, nachhaltigen Geschäftsmodell mit laufenden Einnahmenströmen aus Kauf-, Leasing- oder Aboraten. Das sei der Unterschied zu vielen Plattformen, die einmalige Provisionseinnahmen aus vermittelten Verkäufen erzielten. „Meinauto war einst ein Vermittlungsmodell, das wir auf ein Transaktionsmodell mit deutlich attraktiveren Margen umgestellt haben.“ Rizzolli spricht von etwa 45 000 Stammkunden, die in den Büchern stünden und somit über Jahre erhalten blieben. Und deutlich mehr als die Hälfte von ihnen schließe wieder neue Verträge ab.

          „Die Wachstumsphantasie entsteht durch das Geschäft mit Privatkunden, darauf richten wir unseren Fokus“, sagt Rizzolli. Denn: „Der Privatkundenmarkt für Neuwagen entwickelt sich dorthin, wo sich das gewerbliche Flottengeschäft bereits seit mehr als zwanzig Jahren bewegt.“ Der aus der Pandemie resultierende Lockdown zeigt, dass Autohersteller und Händler mehr denn je auf das Internet angewiesen sind. „Im Online-Handel mit Neuwagen ist ein Stein ins Rollen gekommen.“ Der Markt sei schon stark gewachsen, die Wachstumsraten würden aber noch deutlich zunehmen. Der Grund liege auf der Hand: „Wir sind erreichbar, wir haben nicht geschlossen.“

          Die Gruppe mit allen Aktivitäten verzeichnete 2020 laut Rizzolli Zuwächse in den Abschlüssen von rund 30 Prozent. Allein die Plattform Meinauto.de steigerte die Abschlüsse um 40 Prozent; mit einer Verdoppelung im Januar gegenüber dem Vorjahresmonat setze sich 2021 die Dynamik fort.

          Die Meinauto-Gruppe ist zudem mit dem Aufbau einer neuen Struktur zügig vorangekommen. „In den vergangenen drei Jahren haben wir eine einheitliche und schlagkräftige Organisation aufgebaut und sind nach unserer Erkenntnis heute die Nummer eins unter den Online-Neuwagenhändlern in Deutschland“, behauptet der Vorstandschef. Im Januar 2018 erwarb der Finanzinvestor Meinauto.de, kaufte ein halbes Jahr später die Autoleasing- und Flottenmanagementgesellschaft Mobility Concept von der Hypovereinsbank sowie den Spezialanbieter von Neuwagenabonnements für Sportler (ASS). Das Profil der Gruppe mit mehr als 400 Mitarbeitern steht. HG Capital sieht offenbar Anlass zum Teilausstieg, der mit einer Kapitalzufuhr verbunden sein dürfte.

          Deutlich profitabel arbeite Meinauto, und das seit jeher, sagt Rizzolli. Die letzte bezifferte Umsatzzahl stammte mit 370 Millionen Euro für 2019 aus einem ersten Gespräch. Konkret Aktuelles gibt es nichts. Das ist verräterisch: Börsennotierte Gesellschaften nennen eine Stillhaltephase vor wichtigen Ereignissen „Quiet Period“.

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