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Chef der Umwelthilfe : Ein Missionar gegen Vieles

Jürgen Resch am Freitag am Stuttgarter Verwaltungsgericht Bild: dpa

Jürgen Resch führt die Deutsche Umwelthilfe an – und treibt mit seinem Kampf für saubere Luft die Autoindustrie vor sich her. Doch die Deutschen verdanken dem Rastlosen mehr Errungenschaften als nur mögliche Fahrverbote in Innenstädten.

          2 Min.

          Mit einer einzigen Frage ist über den Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe fast alles Wichtige gesagt. „Hat Jürgen Resch eigentlich Leibwächter?“, fragt ein Stuttgarter am Freitag auf Twitter, scheinbar harmlos. Kurz zuvor hatte Resch als Sieger das Verwaltungsgericht Stuttgart verlassen: ein Bürger, ohne jedes Amt, aber mit der Macht, die bedeutendsten Unternehmen der Republik vor sich her zu treiben.

          Susanne Preuß

          Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

          Vor dem Verwaltungsgericht hat Resch erreicht, dass Stuttgart mit einem Luftreinhalteplan ohne Fahrverbote nicht davon kommt, weil das Gericht nicht erkennen kann, dass die Luft mit den anderen Maßnahmen sauber genug werden könnte. Jetzt muss die Autoindustrie schleunigst dafür sorgen, dass ihre Fahrzeuge sauberer werden und trotzdem hinnehmen, dass ältere Diesel-Autos an Tagen mit schlechter Luft nicht in die Stadt fahren dürfen - und das in Stuttgart, der Heimat von Daimler, Porsche und Bosch.

          Fahrverbote! Das Wort wird sich auf der Perlenschnur von Reschs Erfolgen einreihen nach Insektizid-Verboten, Dosenpfand und Partikelfilter. Auch diese Errungenschaften verdanken die Deutschen dem rastlosen Jürgen Resch.

          Mal Familienvater, mal Stammtisch

          Aber erst mit dem Kampf gegen Stickoxide und für Fahrverbote nimmt man Jürgen Resch als Person auch öffentlich wahr, denn dieses Thema ist noch viel populärer als alle zuvor. Und Resch, ein weißhaariger Mittfünfziger, stahlblaue Augen hinter modisch-schwarzer Brille, lädt seine Argumente gern dort ab, wo Kameras sind. Mal gibt er sich zornig, mal setzt er ein gewinnendes Lächeln auf. Mal zielt er direkt auf das Herz der Zuschauer: als Vater zweier Kinder sei er fassungslos über das, was die Politiker als Nachrüstung für Dieselautos akzeptierten, eine Software, die im Winter einfach abschaltet, sagt er zu den Familienmenschen.

          Mal bedient er die Stammtische, wenn er ätzt, er könne es nicht akzeptieren, dass „die Diesel-Industrie der Landesregierung die Hand führt“. Mal winkt er mit dem Grundgesetz: Er fordere den Ministerpräsidenten Kretschmann auf, das Fahrverbot in Kraft zu setzen, denn es wäre ein Verstoß gegen den Artikel 2, wenn er es nicht tue.

          Die körperliche Unversehrtheit, die das Grundgesetz in Artikel 2 jedem Menschen zuspricht vor dem Verfassungsgericht einzuklagen: das würde man Resch auch zutrauen. Dieser Mann ist ein Missionar, ausgestattet mit einem feinen Gespür für die geeigneten Mittel.

          Er ist wahrscheinlich ein Naturtalent, aber er hat auch Übung, von Kindesbeinen an. Mit 15 Jahren trat der Junge in den Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Naturschutz Bodensee ein, was nur mit Sondergenehmigung möglich war.

          Als Zivildienstleistender rüttelte er die Öffentlichkeit auf, weil er in der Nähe von Friedrichshafen beobachtet hatte, wie Vögel elendiglich verendeten. Er organisierte Unterstützer - und bald danach verbot das Land Baden-Württemberg das Pflanzenschutzmittel Endrin; mittlerweile ist das Gift auf der ganzen Welt verboten.

          Die Obstbauern vom Bodensee fürchteten wegen des Endrin-Verbots damals um ihre Existenz. Für Jürgen Resch war die Kampagne aber ein Katalysator. Der Verwaltungswissenschaftler ohne Abschluss ist schon seit dem Jahr 1988 einer der beiden Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Organisation mit heute rund 80 Mitarbeitern wird wie ein Wirtschaftsbetrieb geführt.

          Nicht Spenden oder Mitgliedsbeiträge sind die wichtigste Geldquelle, sondern die Arbeit für Unternehmen (zum Beispiel als Mitarbeit bei Nachhaltigkeitsberichten) und das Aufspüren von Umweltsünden, die dann mit Abmahnungen geahndet werden: im Wiederholungsfall, und sei es nach vielen Jahren, müssen die Ermahnten eine Strafe zahlen. Während diese Arbeit der Geldbeschaffung weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit stattfindet, sind die Kampagnen der DUH umso wirksamer.

          Das Erfolgsrezept von Resch: Ein Problem emotionalisieren, einen Schuldigen finden und eine Lösung benennen. Welche Kollateralschäden die Lösung hat, müssen andere aufzeigen. Im aktuellen Fall könnte es der Tod des Dieselmotors sein.

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