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Small-Planet-Insolvenz : Wie es nach dem Chaos-Flugsommer weitergeht

Ein Airbus A320 von „Small Planet“ steht am Flughafen von Burgas in Bulgarien. Bild: dpa

Eine kleine Berliner Fluglinie rutscht in die Insolvenz – weil sie unter Kundenforderungen ächzt. Das ist nur der letzte Akt des Chaos-Flugsommers 2018. Wie geht es nun weiter?

          Im deutschen Flugchaos ist zum Ende des Reisesommers eine Fluggesellschaft ins Straucheln geraten. Die Gesellschaft Small Planet stellte vor dem Amtsgericht Berlin-Charlottenburg Insolvenzantrag. Als Grund nannte sie „die angespannte finanzielle Lage aufgrund der Geschehnisse des aktuellen Sommers“. Die Gesellschaft, die erst im Jahr 2016 den Flugbetrieb aufgenommen hatte und zum gleichnamigen Mutterkonzern aus Litauen gehört, fliegt aktuell mit neun Jets Urlaubskunden von Reisekonzernen zu Ferienzielen. Sie war durch Verspätungen aufgefallen. Der längere Ausfall eines Jets wegen eines Defekts verschärfte die Lage.

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Verspätungen und Ausfälle in ungekanntem Maß – nicht nur bei Small Planet – hatten in den vergangenen Monaten Urlauberfreuden getrübt und Fluggesellschaften viel Geld gekostet. Die Lufthansa-Tochtermarke Eurowings beziffert die Belastung bis zur Jahresmitte auf bis zu 90 Millionen Euro. Eurowings wird 2018 kein Geld verdienen. Im Lufthansa-Konzern wird das aber durch Gewinne der Muttermarke mehr als ausgeglichen.

          Für die kleinere Small Planet hingegen wurde eine geringere Last zu groß. Für betroffene Passagiere hat das wohl zur Folge, dass sie nicht ausgezahlte gesetzliche Entschädigungen für Verspätungen von mehr als drei Stunden verloren geben müssen. „Nach unseren Informationen warten über 20.000 Fluggäste seit Monaten auf die Auszahlung der Entschädigung“, sagte Lars Watermann, Geschäftsführer des Fluggastrechtedienstleisters EU-Flight. Schon wenn den Reisenden der niedrigste Satz von 250 Euro zustünde, summierten sich die Forderungen auf 5 Millionen Euro – zusätzlich zu geleisteten Entschädigungen.

          Würde Small Planet den Betrieb einstellen, wäre das eine neue Hiobsbotschaft

          Small Planet will im Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung den Flugbetrieb aufrechterhalten. Das Luftfahrtbundesamt habe keine Einwände erhoben. Für Reisekonzerne wäre ein Betriebsaus eine neue Hiobsbotschaft gewesen. Alle großen Anbieter wie TUI und Thomas Cook hatten Urlauber auf Small-Planet-Flüge gebucht – insgesamt dürften noch deutlich mehr als 100.000 Reisen mit Small-Planet-Flügen ausstehen. Die Konzerne haben daher ein großes Interesse daran, dass der Flugbetrieb bis nach den Herbstferien weitergeht. Für den Winter, in dem es weniger Reisekunden gibt, könnten sie notfalls Alternativflüge organisieren.

          Der Insolvenzantrag facht die Debatte über das von der EU geschaffene Entschädigungssystem an, da auch Käufern eines 19-Euro-Tickets Entschädigungen von 250 Euro zustehen können. Auf dem Kongress des Reisefachmagazins „FVW“ in Köln bezeichnete Eurowings-Geschäftsführer Oliver Wagner solche Kompensationen als „nicht zeitgemäß“. Gerald Kassner, Chef des Urlaubsanbieters Schauinsland-Reisen, sagte zu den Verspätungsfolgen: „Daraus ergeben sich hohe Entschädigungen. Das kann eine Airline schon mal den Kopf kosten.“

          Für 2019 ist die Reisebranche zuversichtlich, dass sich die Störungen nicht wiederholen. Zu enge Flugpläne und Schwierigkeiten im Flottenausbau, aber auch Unwetter und Engpässe bei Fluglotsen hatten zu Verspätungen und Ausfällen geführt. Kritik gibt es am Krisenmanagement der Airlines. „Kunden stehen im Ausland vergeblich am Flughafen. Keiner sagt ihnen etwas, keiner weiß dort etwas. Das geht besser“, sagte Kassner.

          Eurowings-Geschäftsführer Wagner sagte: „Ich kann versprechen, dass wir unseren neuen Flugplan stabil fliegen werden.“ Man habe Standzeiten verlängert, halte mehr Reservejets vor und habe innerdeutsche Verbindungen im Betrieb von Mittelmeerflügen getrennt. Damit soll verhindert werden, dass sich Verspätungen aus dem Urlauberverkehr auf das ganze Streckennetz ausbreiten.

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