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Ceconomy senkt Gewinnprognose : Mutterkonzern von Media Markt und Saturn in der Krise

  • Aktualisiert am

Rolltreppe abwärts – das ist derzeit die Entwicklung von Ceconomy, dem Mutterunternehmen von Saturn und Media Markt. Bild: Reuters

Es sieht nicht gut aus bei Ceconomy. Das Unternehmen hat ein Krisenjahr hinter sich. Auch im nächsten Jahr könnte der Gewinn unter den Erwartungen liegen. Doch das ist noch nicht alles.

          Das Mutterunternehmen von Media Markt und Saturn rechnet mit weiter sinkenden Erträgen. Die Elektronikhandelsholding Ceconomy erwartet nach dem Gewinneinbruch im vergangenen Geschäftsjahr 2017/18 auch für das Jahr 2018/19 einen leichten Rückgang beim operativen Ertrag, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Nicht berücksichtigt sind Ergebnisbeiträge aus der Beteiligung an der französischen Elektronikhandelskette Fnac Darty – aber auch nicht die Kosten für die umfangreichen Führungswechsel im Management und den Umbau des Geschäfts. 2019 werde ein „Jahr des Umbruchs“.

          „Im vergangenen Geschäftsjahr sind unsere Ergebnisse hinter unseren Erwartungen (..) zurückgeblieben“, gestand Vorstandsmitglied Dieter Haag Molkenteller ein. Immerhin habe Ceconomy „ein klares Verständnis davon, weshalb wir unsere Ziele verfehlt haben“, sagte der scheidende Finanzchef Mark Frese.

          Im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr 2017/18 schrumpfte der operative Gewinn (Ebit) ohne Berücksichtigung der Erträge bei Fnac Darty um 95 Millionen Euro auf 399 Millionen Euro. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 23 Millionen Euro. Im Vorjahr waren es noch 206 Millionen Euro. Die Aktionäre müssen auf eine Dividende verzichten.

          „Das Beste kommt noch“

          Ceconomy war im Sommer 2017 in die Unabhängigkeit gestartet, der damalige Metro-Konzern wurde aufgespalten. „Das Beste kommt erst noch – für unsere Kunden und Aktionäre“, versprach der damalige Chef Pieter Haas nach der Teilung. Der Vorstand steckte damals zudem ehrgeizige Mittelfrist-Ziele: Der Umsatz sollte um mindestens drei Prozent zulegen, die Ebitda-Marge sollte von damals 3,3 Prozent auf fünf Prozent steigen. Frese hatte bereits angedeutet, dass dies wohl länger als erwartet dauern werde.

          Das erste Geschäftsjahr in der Unabhängigkeit war allerdings wenig erfolgreich. Rabattschlachten im Weihnachtsgeschäft warfen die Holding zurück, dem stark in der Türkei engagierten Unternehmen machte die Schwäche der Landeswährung zu schaffen. Im Sommer lief das Geschäft auch nicht rund, Wertberichtigungen auf den Anteil am Lebensmittelhändler Metro belasteten. Ceconomy verschreckte die Aktionäre mit mehreren Gewinnwarnungen.

          Aktuell steht die Holding ohne Chef da. Haas hatte im Oktober seinen Hut nehmen müssen, eigentlich war er bis zum 1. März 2022 bestellt. Frese scheidet Ende Dezember aus dem Amt. Aufsichtsrat Bernhard Düttmann soll die Position dann zeitweise übernehmen.

          Erfolglose Chefsuche

          Aufsichtsratschef Jürgen Fitschen sucht bislang ohne greifbaren Erfolg eine neue Führungsspitze, durch das Weihnachtsgeschäft muss Ceconomy ohne neuen Vorstandschef kommen. Aktionäre hoffen, dass dies nicht zur Belastung wird: „Das operative Geschäft darf durch die Chefsuche nicht gestört werden“, hatte Freenet-Chef Christoph Vilanek jüngst in einem Reuters-Interview gesagt.

          Die Hamburger sind mit einem Anteil von rund 9,1 Prozent drittgrößter Anteilseigner. Glücklich dürften sie mit ihrem Engagement – ebenso wie andere Aktionäre – nicht sein: Waren Ceconomy-Anteilsscheine vor einem knappen Jahr noch 13,40 Euro wert, so sackten sie am 17. Dezember auf ein Jahrestief von 3,45 Euro.

          Auf einen neuen Chef kommt viel Arbeit zu. Die Holding sei zu komplex aufgestellt, hatten etwa HSBC-Analysten angemahnt. Ein neues Management müsse dies ändern, Media Markt und Saturn zentralisierter aufstellen und Kosten einsparen. Ceconomy will die Probleme verstärkt angehen und in IT und Logistik investieren, kündigte das Unternehmen nun an.

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