https://www.faz.net/-gqe-9l3tn

Unternehmen berichten : Die Angst vor dem Wassermangel wächst

Ein im Vergleich überdurchschnittlich gutes Zeugnis stellt der Bericht den teilnehmenden deutschen Unternehmen aus. „Hinsichtlich der Transparenz schneiden deutsche Unternehmen im weltweiten Vergleich am besten ab“, sagt Lamb. Von den 29 Konzernen, die ihre Daten eingereicht haben, erhielten drei die Note A- (BASF, Heidelberg Cement, Volkswagen), zwei die Note B (BMW, Symrise) und sechs die Note B- (Continental, Henkel, Merck, Siemens, Adidas, Linde). Die Bestnote A erhielt der Pharmariese Bayer, am schlechtesten schnitten mit der Note D der Chemiekonzern Evonik und der Automobilzulieferer Schaeffler ab. Insgesamt meldeten die deutschen Unternehmen eine finanzielle Belastung durch Wasserprobleme in Höhe von mehr als 2 Millionen Euro. 96 Prozent der Unternehmen gaben an, die Risiken in Bezug auf ihre Wassernutzung zu messen, 62 Prozent wiederum berichteten, dass sie in Gebieten mit angespannter Wasserlage operieren. Für Lamb überraschend ist deshalb die folgende Zahl: Nur 19 Prozent der deutschen Konzerne sehen sich substantiellen Gefahren hinsichtlich der Wasserversorgung ausgesetzt. „Obwohl die deutschen Unternehmen keine großen Risiken sehen, setzten sie sich fast alle nachhaltige Wasserziele. Die Frage ist nun, warum?“

Den größten Verlierer macht das CDP im globalen Einzelhandel aus. Von den 117 benachrichtigten Unternehmen hätten nur 28 ihre Daten offengelegt. Zum ersten Mal seit neun Jahren sei die Branche damit weniger transparent als die Unternehmen aus dem Bereich fossiler Brennstoffe. Dabei habe der Einzelhandel eine machtvolle Position: „Der Einzelhandel steht an der Spitze der Nahrungskette. Wenn die Branche mehr Druck auf ihre Zulieferer ausüben würde, könnten fantastische Fortschritte erzielt werden“, sagt Lamb. Sie sieht aber die Unternehmen aller Branchen in der Pflicht, zur Erfüllung des globalen Wasserziels beizutragen: „Zwar tragen viele Praktiken und Prozeduren derzeit zur Entleerung von Süßwasservorkommen bei – doch diese Unternehmen könnten auch den Schlüssel zu einer Zukunft mit Wassersicherheit für alle beitragen.“ Ziel sei nicht, den Wasserverbrauch auf null zu treiben – „wir sind ja nicht naiv. Unternehmen und Gesellschaften brauchen Wasser, um zu überleben und zu florieren“. Doch Gewinnmaximierung und Wachstumsziele müssten von dem Ressourcenverbrauch entkoppelt werden. Das sei nicht nur durch politische Maßnahmen, sondern insbesondere auch durch Innovation zu schaffen.

CDP ist eine weltweit operierende und nach eigenen Angaben unabhängige Investoreninitiative, der 650 Großinvestoren mit einem Volumen von über 75 Billionen Dollar angehören. Sie finanziert sich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und den Verkauf von Datenprodukten zum Beispiel an Bloomberg. Einmal jährlich erhebt CDP im Namen der Investoren auf freiwilliger Basis Daten und Informationen zu CO2-Emissionen, Klimarisiken, Reduktionszielen und -strategien von Unternehmen, Städten, Ländern und Regionen. Mittlerweile verwaltet CDP die nach eigenen Angaben weltweit größte Datenbank ihrer Art. Der CDP-Wasserbericht wird von vielen Regierungen als Anhaltspunkt für Maßnahmen verwendet und spielt mittlerweile auch in der Finanzwelt eine Rolle: So haben die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs und die Mehrländerbörse Euronext einen Börsenindex geschaffen, der Unternehmen mit einer guten CDP-Note besser bewertet.

Weitere Themen

Topmeldungen

Sieht so die beste Impfstrategie aus? Das Impfzentrum des Klinikums Stuttgart in der Liederhalle

Infektionsgeschehen : Das Risiko der Armen

In immer mehr Städten zeigt sich, dass sich die Menschen in strukturschwachen Vierteln eher mit Corona infizieren. Stuttgart hat das nun genau analysiert. Muss gezielter geimpft werden?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.