https://www.faz.net/-gqe-9l3tn

Unternehmen berichten : Die Angst vor dem Wassermangel wächst

Trotz des wachsenden Bewusstseins für die Gefahren und einer Verdopplung der Anzahl der Unternehmen, die sich Ziele zur Reduzierung der Wasserentnahme gesetzt haben, geschieht dem Bericht zufolge jedoch das genaue Gegenteil: „Der bemerkenswerteste Befund des diesjährigen Berichts ist, dass die Menge des entnommenen Frischwassers zunimmt, obwohl sich Unternehmen der Risiken stärker bewusst sind“, sagt Cate Lamb, Leiterin des Wassersicherheitsprogramms bei CDP, im Gespräch mit der F.A.Z. Zwischen 2015 und 2018 ist die Zahl der Unternehmen, die CDP einen Anstieg der Wasserentnahme gemeldet haben, um 50 Prozent gewachsen. Besonders deutlich zu beobachten sei der Anstieg in Asien und Lateinamerika sowie in der Lebensmittel- und Getränkebranche, der Landwirtschaft, dem verarbeitenden Gewerbe und im Bergbau.

Hauptursache für den Anstieg des Wasserbedarfs ist den Autoren zufolge die wachsende Produktion. Einen weiteren Grund sehen sie darin, dass die Beaufsichtigung von Wasserproblemen zu einem großen Teil noch nicht bis auf die Vorstandsebene vorgedrungen ist. Nur ein Drittel der Unternehmen in den am stärksten gefährdeten Industrien – zum Beispiel Bergbau und Stromversorger – hat demnach Anreize für die oberste Führungsebene geschaffen, die Wassernutzung besser zu managen. Vorbildlich ist hier der deutsche Chemiekonzern Symrise: Zehn Prozent der Vorstandsboni sind an die Umsetzung von Nachhaltigkeitszielen geknüpft, in Bezug auf Wasser hängt die Vergütung sogar direkt mit der CDP-Note zusammen.

Symrise stellt damit jedoch eher die Ausnahme als die Regel dar und entsprechend ernüchternd fällt das Urteil des Berichts aus: Von den 783 Unternehmen, die ihre Daten offengelegt haben, hätten nur 31 genug Fortschritt gezeigt, um die Wassersicherheits-Bestnote A zu erhalten. Elf dieser Unternehmen sind in Europa ansässig, zehn in Asien und acht in Amerika. Der deutsche Chemiekonzern Bayer, die Kosmetikgruppe L’Oreal und der Softwarehersteller Microsoft werden unter anderen als Spitzenreiter angeführt.

Der Einzelhandel schneidet am schlechtesten ab

Die Bewertung der Unternehmen erfolgt auf Basis eines Fragebogens. In die Note fließt zum einen ein, wie transparent Konzerne sind, also wie viele der Fragen beantwortet oder ob überhaupt Angaben gemacht werden. Bewertet werden aber auch bestimme Maßnahmen. Seine Note verbessern kann zum Beispiel, wer die Wassernutzung in der gesamten Wertschöpfungskette überwacht. Seit 2018 zählt außerdem, wie stark die Vorstandsebene angehalten ist, das Thema Wasser in der Unternehmensstrategie zu berücksichtigen.

Die absolut verbrauchte Menge an Wasser hat indes keinen Einfluss auf die Note, weil sie stark von den Sektoren abhänge, wohl aber, wie viel Wasser wiederverwendet wird. Schwierig zu untersuchen ist laut Lamb auch die Wasserverschmutzung, da es keine einheitliche Methode gebe, diese zu messen. Deshalb blicke man auf verhängte Strafen und Bußgelder. Da die Verunreinigung von Gewässern in vielen Ländern jedoch nicht geahndet wird, klafft hier eine Lücke im Bericht. Ebenso sagt Lamb: „Die Anstrengungen der Unternehmen, das Problem der Wasserverschmutzung anzugehen, sind gering, wie an der niedrigen Rate der entsprechenden Anreize auf Vorstandsebene zu sehen ist.“ Diesel liege bei gerade mal 15 Prozent.

Weitere Themen

Den Haien droht das Aus

Aquarium in Pfungstadt : Den Haien droht das Aus

Das geplante riesige Hai-Aquarium im südhessischen Pfungstadt steht vor dem Aus. Offenbar sind auch die Investoren von der Corona-Krise betroffen. Nun könnte die Stadtverwaltung die Geduld verlieren.

Topmeldungen

Cybergangster kommen nicht durchs Tor: Tankanlagen an einer Abzweigung im Pipeline-System von Colonial im Bundesstaat Alabama

Hackerangriff auf Pipeline : Lösegeld für das schwarze Gold

Eine Cyberattacke in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt den Transport von Öl. Sollten die Folgen anhalten, könnten auch hierzulande Öl und Benzin nochmal teurer werden.
Der deutsche Außenminister Heiko Maas beim Treffen der EU-Außenminister am Montag in Brüssel

EU-Außenministertreffen : Immer Ärger mit Russland

Putin hat eine Liste „unfreundlicher Staaten“ in Auftrag gegeben, deren Botschaften Moskau einschränken könnte. Die EU will sich von den Provokationen nicht spalten lassen. Doch was kann sie tun?
Palästinenser auf dem Al-Aqsa-Plateau liefern sich am 10. Mai Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften.

Unruhen in Israel : Der Kampf um das Herz Jerusalems

Bei den gegenwärtigen Unruhen in Jerusalem kommen viele Dinge zusammen. Dazu zählen die Versuche radikaler jüdischer Siedler, Häuser von Palästinensern rund um die Altstadt zu übernehmen.
Die Intendantin des Maxim-Gorki-Theaters, Shermin Langhoff, hier im Juni 2014, ein Jahr nach ihrem Antritt.

Machtmissbrauch im Theater : Der Teufel ist das System

Ausgerechnet am Berliner Maxim Gorki-Theater, das alles anders machen wollte, soll es Machtmissbrauch und Rassismus geben. Warum ist das Schweigen darüber so groß?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.