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Carlos Slim Helú : Ein Mexikaner lässt alle hinter sich

Sohn libanesischer Einwanderer: Carlos Slim Helú Bild:

Carlos Slim Helú ist der reichste Mann der Welt - und in seiner Heimat eine umstrittene Figur. Der Mexikaner ist die alles überstrahlende Größe der lateinamerikanischen Wirtschaft. Seinen Reichtum hat er seinem guten Gespür für niedrig bewertete und angeschlagene Unternehmen zu verdanken.

          Es kommt nicht allzu oft vor, dass jemand behaupten kann, er sei reicher als Bill Gates. Der Mitgründer des amerikanischen Softwarekonzerns Microsoft stand seit Mitte der neunziger Jahre lange ununterbrochen an der Spitze der „Forbes“-Liste der reichsten Menschen der Welt. 2008 musste er einmal die amerikanische Investorenlegende Warren Buffett an sich vorbeiziehen lassen, aber 2009 war er wieder ganz oben. Nun gibt es wieder eine neue Nummer 1: Der mexikanische Industriemagnat Carlos Slim Helú hat Gates knapp abgelöst siehe (Neue „Forbes“-Liste: Slim Helú reichster Mensch der Welt). Sein Vermögen wird auf 53,5 Milliarden Dollar beziffert, Gates lag bei 53,0 Milliarden Dollar.

          Roland Lindner

          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Der 70 Jahre alte Slim kommt nicht aus dem Nirgendwo: Seit drei Jahren bildete er zusammen mit Gates und Buffett die Spitzengruppe. Im Jahr 2007 gab es schon einmal außerhalb der Forbes-Liste Kalkulationen, wonach Slim wohl der reichste Mensch der Welt geworden sei. Diese Berechnungen beriefen sich auf Kursgewinne seiner Beteiligungen.

          Es begann auf dem mexikanischen Zigarettenmarkt

          Carlos Slim Helú ist die alles überstrahlende Größe nicht nur der mexikanischen, sondern der gesamten lateinamerikanischen Wirtschaft, und er fällt seit einigen Jahren auch zunehmend mit Investitionen außerhalb dieser Region auf, so etwa vor mehr als einem Jahr mit seinem Einstieg beim Zeitungsverlag New York Times Company (siehe Milliardär steigt bei der „New York Times“ ein). Seinen Reichtum hat er seinem guten Gespür für niedrig bewertete und angeschlagene Unternehmen zu verdanken. Er hat solche Gesellschaften aufgekauft und saniert, und er hat oft von einer monopolartigen Position seiner Aktivitäten profitiert.

          Geboren wurde Slim in Mexiko City als Sohn libanesischer Einwanderer. Seine Eltern haben mit Einzelhandel und Immobilien ein bescheidenes Vermögen gemacht, das als Grundstock seiner späteren Investitionen diente. Slim studierte Bauingenieurswesen und arbeitete zunächst lange als Aktienhändler, bevor er anfing, Unternehmen aufzukaufen. Sein erstes großes Manöver war im Jahr 1981 eine Beteiligung an Cigatam, der Nummer zwei auf dem mexikanischen Zigarettenmarkt. Im Jahr 1982, als die mexikanische Wirtschaft in eine der schwersten Krisen ihrer Geschichte stürzte, nutzte Slim die Gelegenheit und kaufte eine ganze Reihe von Unternehmen zu, deren Bewertungen ins Bodenlose abgestürzt waren.

          Im Mobilfunkgeschäft ist Slim die dominierende Figur

          Ein bis heute prägender Schachzug gelang ihm im Jahr 1990, als die mexikanische Regierung die Telefongesellschaft Telmex und andere Staatsbetriebe privatisierte. Slim kaufte Telmex für 1,8 Milliarden Dollar und machte aus dem ehemals behäbigen Staatskonzern ein effizientes und profitables Unternehmen. Ihm wurde aber auch vorgeworfen, bei der Privatisierung von einer allzu großen Nähe zur mexikanischen Regierung profitiert zu haben. Auch später soll er seinen politischen Einfluss genutzt haben, um seine Position zu verteidigen, etwa wenn es darum ging, amerikanische Wettbewerber vom Markteintritt in Mexiko abzuhalten. Telmex ist noch heute ein Fast-Monopolist in Mexiko und kontrolliert den größten Teil des Festnetzes. Auch im Mobilfunkgeschäft ist Slim die dominierende Figur: Die von ihm kontrollierte Gesellschaft América Móvil ist der größte Mobilfunknetzbetreiber in ganz Lateinamerika. Slim wird immer wieder vorgeworfen, die beherrschende Position seiner Telekommunikationsgeschäfte auszunutzen und überhöhte Preise zu verlangen. Das wird ihm umso mehr angekreidet, als ein bedeutender Teil der mexikanischen Bevölkerung bis heute in Armut lebt.

          Aus diesem Grund wird Slims phänomenaler Reichtum in Mexiko mit Argwohn betrachtet. Vielleicht auch deshalb versucht Slim, sich bodenständig zu präsentieren. Sein Lebensstil ist recht bescheiden, er trägt billige Anzüge und vermeidet Statussymbole. Zum größten Luxus, den er sich gönnt, gehören Zigarren und seine Kunstsammlung. Slim ist im Besitz einer bedeutenden Kollektion von Skulpturen des Bildhauers Auguste Rodin. Obwohl Slim in der Vergangenheit gesagt hat, ihm sei es nicht wichtig, ob er reichster Mensch der Welt sei oder nicht, hat er sich offenbar über die neue „Forbes“-Liste gefreut. Sein Schwiegersohn, der auch als sein Sprecher fungiert, wurde mit den Worten zitiert: „Die Reaktion ist Befriedigung, dass dieses Vertrauen in Mexiko und in die Unternehmen unserer Gruppe existiert.“ roland lindner

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