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Carlos Slim Helú : Der reichste Mann der Welt schielt auf Europa

  • -Aktualisiert am

Carlos Slim Helu Bild: dpa

Carlos Slim Helú kommt aus Mexiko und ist der reichste Mann der Welt. Jetzt will er den niederländischen Telekom-Konzern KPN komplett kaufen. Und nicht nur dort ist er aktiv.

          2 Min.

          Der mexikanische Milliardär Carlos Slim Helú, der seit Jahren die „Forbes“-Liste der reichsten Männer der Welt anführt, macht Ernst. Sein Mobilfunkunternehmen América Móvil hat am Freitag ein Angebot zur vollständigen Übernahme des niederländischen Telekomkonzerns Royal KPN N.V. vorgelegt. Was dies für den Ende Juli angekündigten Verkauf der deutschen Tochter E-Plus an den zur Gesellschaft Telefónica Deutschland  gehörenden Konkurrenten O2 bedeutet, blieb zunächst unklar.

          Michaela Seiser
          Wirtschaftskorrespondentin für Österreich und Ungarn mit Sitz in Wien.

          Zuletzt hielt Slims Unternehmen knapp 30 Prozent der KPN-Anteile. Mit 2,40 Euro je Aktie bietet es einen Preis, der rund 35 Prozent über dem durchschnittlichen Kurs der vergangenen 30 Tage liegt und einem Kaufpreis von 7,2 Milliarden Euro entspricht.  Nach Eröffnung der Amsterdamer Börse verzeichnete die KPN-Aktie einen Kurssprung um fast 20 Prozent und notierte nahe der Marke von 2,40 Euro. Zuletzt hielt Slims Unternehmen knapp 30 Prozent an KPN.

          Schon rasch nach Bekanntgabe der Pläne für die Großfusion auf dem deutschen Mobilfunkmarkt war gemunkelt worden,  Slim sei alles andere als erbaut sei über den Ende Juli zwischen KPN und der deutschen Tochtergesellschaft des spanischen Telefónica geschlossene Vereinbarung. Demnach sollte KPN E-Plus für 5 Milliarden Euro an Telefónica Deutschland verkaufen und im Gegenzug einen Anteil von 17,6 Prozent an O2 erhalten. Der Preis für E-Plus sei Slim zu niedrig, hieß es. In diese Richtung weist auch der in der offiziellen Stellungnahme von América Móvil enthaltene Hinweis, dass das Unternehmen die vorgeschlagene Transaktion „sorgfältig prüfen“ und sich bei der kommenden außerordentlichen KPN-Hauptversammlung endgültig festlegen werde.

          Slim will schon länger in Europa Fuß fassen

          Der 73 Jahre alte Slim hatte schon 2007 mit dem missglückten Einstieg beim italienischen Konzern Telecom Italia einen ersten Versuch unternommen, auf dem europäischen Markt Fuß zu fassen. Erst 2012, fünf Jahre später, gelang es ihm, für rund 4 Milliarden Euro eine Anteil von rund 28 Prozent an KPN zu erwerben.

          Auch an der österreichischen Telekom Austria hält América Móvil inzwischen einen Anteil von 24 Prozent. Allerdings verhält es sich hier anders als im KPN-Engagement. An der Telekom Austria erwarb Slim im vergangenen Jahr rund 23 Prozent - sein Ziel waren damals 26 Prozent gewesen. Im Gegensatz zu KPN hat der in Osteuropa stark engagierte führende Telekommunikationsdienstleister Österreichs allerdings keine Deutschland-Sparte abzugeben. Überdies hält Österreich eine Sperrminorität, die bis auf weiteres wohl bestehen bleiben dürfte. Frühestens im Herbst könnte im Fall einer Regierungsumbildung dieser Staatsanteil zur Disposition stehen. Trotzdem beflügeln die durch die Übernahmeabsicht bei KPN ausgelösten Phantasien auch den Aktienkurs der Telekom Austria - dieser zieht heute fast sechs Prozent an auf 5,60 Euro.

          KPN-Führung reagiert zurückhaltend

          Zurück zu KPN: Die Kapitalerhöhung um 3 Milliarden Euro, die der vor allem auf dem Heimatmarkt mit Problemen kämpfende niederländische Konzern vorgeschlagen hatte, schien Slim noch ohne größeres Murren mitgetragen zu haben. Ende Juli präzisierte sich jedoch, dass dies keineswegs das letzte Wort Slims zu KPN sein werde. Sein Unternehmen kündigte die im Februar getroffene Übereinkunft auf, wonach der Anteil an dem niederländischen Konzern auf 30 Prozent begrenzt werden sollte. Er nutzte damit eine Klausel, wonach die Vereinbarung hinfällig werde, sollte KPN eine Tochtergesellschaft zum Verkauf stellen.

          Slim scheint jedenfalls finster entschlossen zu sein, die Position seines Unternehmens auf dem europäischen Markt deutlich auszubauen. Die KPN-Konzernzentrale reagierte auf das Übernahmeangebot des Mexikaners am Freitag mit einem – in solchen Fällen üblichen - dürren Kommuniqué. Darin heiß es, Vorstand und Aufsichtsrat seien vorab über das Angebot informiert worden und wollten es „sorgfältig in Betracht ziehen“.

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