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Camping in Corona-Zeiten : „Ich gehe davon aus, dass die Preise steigen werden“

Endlich: In Mecklenburg-Vorpommern haben die ersten Dauercamper ihre Parzellen bereits wieder bezogen. Bild: dpa

Wo öffnen die Campingplätze wieder, darf man bald zelten, und wird es eine Maskenpflicht auf dem Platz geben? Der Chef des Bundesverbands der Campingwirtschaft Christian Günther hat Antworten und gibt Tipps für die Reiseplanung.

          5 Min.

          Herr Günther, Hoteliers und Gastronomen atmen nach den beschlossenen Lockerungen von Bund und Ländern auf, Sie auch?

          Rebecca Boucsein

          Redakteurin vom Dienst bei FAZ.NET.

          Direkt noch nicht. Die Entscheidungen für Lockerungen liegen jetzt bei den Ländern. Man hat statt einem nun 16 Gesprächspartner. Das macht es nicht einfacher. Die Frage ist: Wie groß ist der Wille dieser Länder, sich für den Tourismus zu öffnen? In den vergangenen zwei Wochen ist zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern förmlich vorgeprescht und hat damit einen Stein ins Rollen gebracht. Wir hatten nicht das Gefühl, dass das auf Bundesebene der Fall ist.

          Haben Sie sich schon einen Überblick über die neuen Corona-Regeln in den Ländern verschaffen können?

          Wir haben in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen nun konkrete Ausarbeitungen, die eine 50-prozentige beziehungsweise 60-prozentige Belegung der Plätze vorsehen. Ob die anderen Länder nachziehen, bleibt abzuwarten. Sollten bundesweit über einen längeren Zeitraum nur 50 Prozent der Kapazitäten verfügbar sein, bekommen wir ein Problem.

          Wie muss man sich den Alltag auf den Plätzen vorstellen, soweit er denn schon planbar ist? Sie haben eine Handreichung für Hygienekonzepte auf ihrer Homepage veröffentlicht. Wie gut sind die einzelnen Betreiber vorbereitet?

          Wir gehen davon aus, dass jeder Platz das Konzept innerhalb einer Woche umsetzen kann. Das sind praktische Empfehlungen, die von Campingplatzbetreibern unter Berücksichtigung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts ausgearbeitet wurden. Welche zusätzlichen Maßnahmen von Behörden und Verwaltungen noch dazukommen, ist tatsächlich noch nicht absehbar. In der Krise gibt es eine sehr hohe Dynamik. Wir sehen das zum Beispiel in Bayern, wo Ministerpräsident Söder diese Woche eine Öffnung für den Tourismus verkündet hat. Die Betreiber wollen natürlich wissen, was auf sie zukommt, dabei ist noch nicht einmal der Gesetzestext fertig. Doch zwischen der Verkündung und dem konkreten Wissen, auf was sich die Betreiber einstellen müssen, vergehen ein paar Tage. Aber: Bei den Betreibern in Bayern klingeln seit der Ankündigung die Telefone und die Gäste wollen buchen.

          Ganz konkret: Wie muss man sich Campingurlaub in diesem Jahr vorstellen?

          Man sollte vorbuchen, das ist unsere Empfehlung. Der Check-in verläuft auf einigen Plätzen nun als Drive-in ohne großen Kontakt. Bei den Parzellen gibt es in der Regel keine Probleme mit Mindestabständen. Natürlich gibt es ein paar kritische Punkte, zum Beispiel das Sanitärgebäude. Hier empfehlen wir den Campern, die über eigene Toilette, Dusche und Kochmöglichkeiten verfügen, diese auch zu nutzen. Es wird sich aber nicht gänzlich vermeiden lassen, dass Sanitärgebäude genutzt werden, da wird es dann allerdings Beschränkungen geben, wie wir sie unter anderem vom Einzelhandel kennen. Nur eine bestimmte Anzahl an Personen wird gleichzeitig hineingehen dürfen. Hier existieren verschiedene Lösungsansätze, wie zum Beispiel ein Ampelsystem oder ein Angestellter regelt das. Wenn es erforderlich ist, wird nur jedes zweite Waschbecken zur Verfügung gestellt oder nicht alle Toiletten geöffnet. Zudem wird es erhöhte Reinigungsintervalle geben, während denen die Gebäude dann nicht nutzbar sind. Die Gastronomie auf dem Platz wird voraussichtlich nicht anders sein als die Gastronomie in der Stadt.

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