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Tesla zieht nach Texas : Bye Bye Silicon Valley

Überall zuhause: Ob Kalifornien, Texas oder wie hier im September 2020 in Grünheide, Tesla-Chef Elon Musk weiß seine Rolle perfekt zu spielen. Bild: AFP

Elon Musk will die Tesla-Zentrale von Kalifornien nach Texas verlagern – ein weiteres Kapitel in einem großen Exodus aus dem Silicon Valley.

          3 Min.

          Elon Musk hat dem Silicon Valley einen schweren Schlag versetzt: Er will die Zentrale des von ihm geführten Elektroautoherstellers Tesla ins texanische Austin verlegen. Dort baut Tesla derzeit auch an einem neuen Autowerk, das noch in diesem Jahr seinen Betrieb aufnehmen soll. Tesla hat seine Hauptverwaltung bislang in Palo Alto im Herzen des kalifornischen Silicon Valley, ganz in der Nähe der Stanford University, die als Brutstätte für Technologieunternehmer gilt.

          Roland Lindner
          Wirtschaftskorrespondent in New York.

          Die Entscheidung kommt nicht aus dem Nirgendwo: Im vergangenen Jahr drohte Musk schon einmal, seine Zentrale aus Kalifornien abzuziehen und nach Texas oder Nevada zu verlagern. Er ärgerte sich damals über die Corona-Restriktionen in dem Westküstenstaat, die auch dafür sorgten, dass Teslas Autowerk in Fremont unweit der Hauptverwaltung geschlossen werden musste. Er ließ den Streit damals eskalieren und kündigte an, sein Werk trotz des Verbots wieder hochfahren zu lassen. Er hat auch eine Klage gegen den Landkreis eingereicht, in dem die Produktionsstätte steht. Ende vergangenen Jahres ist Musk auch persönlich nach Texas umgezogen. In dem Bundesstaat hat zudem sein Zweitunternehmen, der Raumfahrtspezialist SpaceX, umfangreiche Aktivitäten.

          Apple hat einen neuen Campus in Austin gebaut

          Der Umzug der Tesla-Zentrale, den Musk jetzt auf der Aktionärsversammlung in Austin verkündet hat, ist ein symbolträchtiger Erfolg für Texas. Gouverneur Greg Abbott bejubelte ihn auf Twitter und nannte seinen Bundesstaat „das Land der Möglichkeiten und der Innovation“. Tesla folgt damit einer Reihe anderer bedeutender Unternehmen, die ihre Hauptverwaltungen in jüngster Zeit von Kalifornien nach Texas verlagert haben. Der Softwarekonzern Oracle zog ebenfalls vom Silicon Valley nach Austin, Hewlett Packard Enterprise, eine der traditionsreichsten Adressen der kalifornischen Technologiehochburg, ging nach Houston. Viele andere große Technologiekonzerne mit Hauptverwaltungen in Kalifornien haben ihre Präsenz in Texas ebenfalls erheblich ausgeweitet, Apple hat zum Beispiel einen neuen Campus in Austin gebaut.

          Welche praktischen Konsequenzen Teslas Umzug nach Texas haben wird, muss sich noch zeigen. Die bisherige Zentrale in Palo Alto ist nicht allzu groß. Als das Unternehmen sie vor gut zehn Jahren bezog, hieß es, sie biete Platz für bis zu 650 Mitarbeiter. Musk legte jetzt außerdem Wert auf die Feststellung, Tesla werde Kalifornien nicht den Rücken kehren. Die Produktionszahlen in Fremont sollten in Zukunft um 50 Prozent ausgeweitet werden. Als Grund für den Umzug führte er hohe Lebenshaltungskosten in Kalifornien an. Dort sei der Wohnraum so teuer, dass Mitarbeiter oft sehr weit pendeln müssten, und das setze dem möglichen Wachstum von Tesla in dem Bundesstaat Grenzen. Auch Hewlett Packard führte Kostenerwägungen als Grund für seinen Umzug an. Freilich sind auch in Austin in den vergangenen Jahren die Lebenshaltungskosten durch den Zuzug vieler Mitarbeiter von Technologieunternehmen erheblich gestiegen.

          Texas rühmt sich allgemein seiner Wirtschaftsfreundlichkeit, etwa mit Blick auf Steuern oder Regulierung. Hier wird zum Beispiel keine persönliche Einkommensteuer erhoben, wohingegen Kalifornien für Spitzenverdiener wie Musk die höchste Einkommensteuer in ganz Amerika hat. Was Regulierung betrifft, macht es Texas Unternehmen freilich nicht in jeder Hinsicht leichter, was speziell auch für Tesla gilt.

          In Texas gibt es auch strenge Auflagen

          Hier gibt es zum Beispiel ein Gesetz, das es Autoherstellern untersagt, ihre Fahrzeuge direkt zu verkaufen anstatt über unabhängige Autohäuser. Das könnte zum Beispiel den Effekt haben, dass die Autos, die einmal in dem Werk in Austin vom Band rollen, zunächst in einen anderen Bundesstaat verschickt werden müssen, bevor Texaner sie kaufen können. In einigen anderen Bundesstaaten gibt es ähnliche Restriktionen. Musk hat für Gesetzesänderungen plädiert, aber bisherige Vorstöße in Texas haben zu nichts geführt. Es ist freilich denkbar, dass die Entscheidung, die Zentrale hier anzusiedeln, die Ausgangslage ändert.

          Die Umzüge von Unternehmen wie Tesla sind auch insofern bemerkenswert, als in Kalifornien und Texas völlig unterschiedliche gesellschaftspolitische Verhältnisse herrschen. Kalifornien ist traditionell ein sehr progressives Revier, Austin ist zwar ebenfalls sehr liberal, aber Texas insgesamt ist fest in der Hand der Republikaner und hat sich in jüngster Zeit mit einigen umstrittenen Gesetzesvorhaben politisch weiter nach rechts bewegt. Etwa mit Restriktionen im Wahlrecht oder mit einem Gesetz, das Abtreibungen in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft verbietet. Mehrere Unternehmen haben diese Vorstöße scharf kritisiert, und es gab die Sorge, dies könne Texas als Wirtschaftsstandort schaden.

          Gouverneur Abbott behauptete dagegen kürzlich gegenüber dem Wirtschaftssender CNBC, diese Initiativen brächten sogar mehr Unternehmen nach Texas, und gerade Elon Musk habe ihm wiederholt gesagt, er begrüße die Gesellschaftspolitik in Texas. Musk hat dies weder bestätigt nach dementiert, sondern lediglich getwittert, er glaube, Politik solle in der Regel den Menschen ihren Willen nicht aufzwingen. Ansonsten wolle er sich aber lieber aus politischen Fragen heraushalten.

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