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Konkurrenz für Bangladesch : Hemden aus Burma

Nähen, was das Zeug hält: In Burma werden immer mehr Textilien hergestellt Bild: dapd

Die Textilhersteller strömen wieder nach Burma: Wegen der niedrigen Kosten. Diesmal wollen aber alle für bessere Arbeitsbedingungen sorgen.

          5 Min.

          Textilprofis neigen selten zum Schwärmen – die Einkäufer und Manager der Branche sind abgebrüht, denn sie stehen oft unter Druck. Sie stehen oft in der Kritik und müssen sich in schwierigen Ländern mit Korruption und Lohnforderungen herumschlagen. Dennoch erlebt man sie in diesen Tagen fast schwärmerisch: Denn immer mehr verspricht Burma dank einer wiederauferstehenden Bekleidungsindustrie das neue, bessere Bangladesch zu werden. In diesem Jahr dürfte der Branchenumsatz in Myanmar, wie sich das Land selbst nennt, schon rund 1,7 Milliarden Dollar erreichen; dies wäre ein Zuwachs von einer halben Milliarde Dollar in nur einem Jahr, eine Umsatzverdoppelung in zwei Jahren. Der wirkliche Wachstumssprung aber steht noch bevor, denn Dutzende von Nähfabriken werden gerade gebaut.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Den Ritterschlag erteilte den Burmesen der amerikanische Modekonzern Gap. Für die beiden Konzernmarken Banana Republic und Old Navy bestellten die Amerikaner Jacken und Westen in zwei Fabriken in der Wirtschaftsmetropole Rangun (Yangon). Die Teile werden Herkunftsschilder tragen, auf denen steht: „Made in Myanmar (Burma)“. Schon das ist alles andere als unbedeutend.

          Denn zum einen soll der doppelte Landesname politisch korrekt wirken – Gegner des früheren Regimes der heute als Politiker weiß gewaschenen Generäle verwenden weiter den Namen „Burma“, weil es einst die Militärjunta war, die den althergebrachten Landesnamen „Myanmar“ wieder aufgriff. Zum anderen zeigen die Hersteller ihr neues Herstellungsland gern, denn Burma genießt nach seiner politischen Öffnung bei den Verbrauchern gerade in Amerika einen besseren Ruf als Bangladesch. Das südasiatische Land wird trotz seiner Bemühungen zur Besserung weiterhin mit Industriekatastrophen und der Ausbeutung der Arbeiterinnen gleichgesetzt.

          So will auch der deutsche Marktführer für Hemden, die Olymp Bezner GmbH & Co. KG, im nächsten Frühjahr ihre Hemden aus Burma entgegennehmen. „Wir hatten einen guten Eindruck von den Arbeitsbedingungen und der Qualität in Myanmar“, sagt der Geschäftsführende Gesellschafter, Mark Bezner. Er wird in der neuen Fabrik des koreanischen Unternehmens Pan-Pacific Daewoo Group in Bago fertigen lassen. „Wir rechnen im April nächsten Jahres mit ersten Lieferungen.“ Auch Marco Polo ließ schon 40000 Herrenshorts zum Stückpreis von 3 Dollar in Myanmar beim Unternehmen Rising White Tiger fertigen.

          Die Ausländer bringen Hoffnung in das geschundene Land. Gap-Vizepräsidentin Wilma Wallace spricht gar von einem „historischen Moment“ für Myanmar – dank ihrer Fertigung. „Durch den Eintritt hoffen wir, dort das wirtschaftliche und soziale Wachstum zu beschleunigen und möchten auf unsere Erfolge bei der Verbesserung von Arbeitsbedingungen weltweit aufbauen.“ Darauf hoffen auch die Verbände in Europa: „Ein zweites Bangladesch darf es nicht geben. Mit einer transparenten, umweltfreundlichen und sozialverträglichen Fertigung wäre Myanmar der ideale Produktionspartner für unsere Bekleidungsindustrie“, sagt Gesamtverbandspräsidentin Ingeborg Neumann.

          Noch 2002 trugen die Textileinkäufer aus Europa und Amerika gemeinsam gut 40 Prozent zum Export des von den Militärs ausgebluteten Landes bei. Die Branche ist extrem schnell in ihrer Entwicklung: Ein Jahrzehnt zuvor hatte sie erst für 2,5 Prozent der Exporte gestanden. Als die Sanktionen gegen die Militärs griffen, brach die Herstellung zusammen.

          Im Human Development Index liegt Burma vorne

          Auf einen raschen Wiederaufschwung hoffen nun alle Beteiligten. Immerhin wächst neben Amerika auch der zweite wichtige Pfeiler schon wieder heran: „Viele Händler in Europa diversifizieren aggressiv ihren internationalen Einkauf nach Myanmar, um in einem der Herstellungsorte mit den niedrigsten Kosten der Welt einen Fuß an die Erde zu bekommen“, heißt es beim Verband der Textilhersteller Myanmars. „Die steigenden Kosten in China, die ständigen Streiks in Kambodscha und auch die großen Risiken bei der Arbeitssicherheit und Gesundheit in Bangladesch treiben Fabriken zum Umzug und Käufer zur Diversifizierung.“

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