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Bundesliga-Rechte : Telekom und Sky reden wieder über Fußball

  • -Aktualisiert am

Handwerkszeug: Das nächste Interview ist immer das schwerste Bild: dapd

Den Poker um die lukrativen Bundesligarechte hat der Telefonkonzern gegen Sky verloren. Von Spieltag zu Spieltag wächst der Druck, den eigenen Kunden auch künftig Fußball zeigen zu können. Nun haben Verhandlungen mit dem Erzrivalen begonnen.

          „Erleben Sie die Bundesliga live mit Liga Total“. Wer sich für mindestens 14,95 Euro im Monat von der Werbung der Deutschen Telekom locken lässt, wird sich nach der Saison 2012/13 auf ein neues Programm einstellen müssen. Mit Bundesliga von der Telekom ist dann Schluss, weil ihre Übertragungsrechte für Fußball im Internetfernsehen und im Mobilfunk auslaufen.

          Trotzdem rührt der Bonner Telefonkonzern weiter fleißig die Werbetrommel. Dass die eigene Sendung mit dem vom ZDF verpflichteten Johannes B. Kerner und all den engagierten Kommentatoren zur neuen Saison ausläuft, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Umso eifriger wird hinter den Kulissen nach einer Alternativlösung gesucht, um den drohenden Aufstand der Fußballfans abzuwenden. So kommt zwangsläufig der Münchner Bezahlsender Sky ins Spiel, der die Telekom bei der Rechteversteigerung in diesem Frühjahr ausgestochen hat. „Wir führen Gespräche“, sagte ein Sky-Sprecher zu FAZ.

          Sky zahlt 485,7 Millionen Euro für die Lizenzen

          Beide Seiten stehen unter Zugzwang. Sky hat für die Lizenzen tief in Tasche gegriffen. Von der kommenden Saison an zahlt Sky an die Deutsche Fußball-Liga (DFL) erstmals den stolzen Preis von jährlich 485,7 Millionen Euro - rund 270 Millionen Euro mehr als im Durchschnitt der vergangenen vier Bundesliga-Spielzeiten. Das wird sich dann auch in den Quartalszahlen von Mitte 2013 an bemerkbar machen, sofern es dem Unternehmen von Großaktionär Rupert Murdoch nicht gelingt, neue Zuschauer an das eigene Programm zu binden.

          Mitte August verblüffte der Vorstandsvorsitzende Brian Sullivan die Kapitalmärkte mit ordentlichen Steigerungsraten bei Umsatz und Ergebnis. Mittlerweile zahlen die 3,1 Millionen Sky-Abonnenten durchschnittlich 32,16 Euro im Monat. Das ist beinahe das Dreifache vom Preis eines aktuellen „Liga Total“-Abonnements, aber immer noch zu wenig, um damit auf Dauer Gewinn zu erwirtschaften. Und dennoch bekräftigte Sullivan die Absicht, das komplette Geschäftsjahr 2013 mit einem Gewinn beenden zu wollen - es wäre der erste seit 2005.

          Für die Telekom ist Fußball vor allem ein Lockmittel

          Für die Deutsche Telekom ist der Fußball vor allem ein Lockmittel für ihr IPTV. Denn „Liga Total“ sieht nur, wer vorher für immerhin 39,95 Euro im Monat das Entertain-Paket gebucht hat. Der Konzern spielt die Bedeutung der Fußballkunden gern herunter. Entertain verkaufe sich auch ohne Fußball hervorragend, nur 10 Prozent der 1,8 Millionen Abonnenten hätten die Bundesliga dazu gebucht, erzählten dann die Telekom-Sprecher.

          Aber 10 Prozent sind 10 Prozent, und ohne Fußball ist das Pay-TV-Paket schwerer zu vermarkten als mit Fußball. Der Lieblingssport der Deutschen bleibt für die Telekom deshalb ein fast unverzichtbares Zugpferd, ohne das der Vorstandsvorsitzende René Obermann sein Ziel, „Marktführer im deutschen Pay-TV“ zu werden, wohl aufgeben müsste. Schon im April hatte die Telekom Interesse signalisiert, das Sky-Bundesligaprogramm einzuspeisen.

          Die Kursentwicklung von Sky Deutschland und Deutscher Telekom im letzten Jahr

          Wie bisher könnten die Entertain-Kunden den Fußball dazubuchen. Das könnte eine Ideallösung sein: Die Telekom bindet die fußballbegeisterten Entertain-Abonnenten an sich, und Sky gewinnt auf einen Schlag 170.000 zahlende neue Kunden.

          Nur werfen die finanziellen Bedingungen dieser Zusammenarbeit eine Menge Fragen auf. Behält die Telekom die Fußballabonnenten in der eigenen Kundenkartei und teilt sich die laufenden Erlöse mit Sky? Oder zahlt die Telekom ein pauschales Einspeiseentgelt an die Münchner? In einer dritten Variante könnten die Bonner ihre Fußballkundenkartei an Sky verkaufen, so dass sich der Pay-TV-Sender anschließend um eine Umstellung der Verträge bemühen könnte.

          Einiges deutet darauf hin, dass sich die Sky-Manager für diese Variante erwärmen könnten. Jedenfalls sprechen sie mit der Telekom über Abschlagszahlungen für deren bisherige Kunden. Denn aus der Erfahrung der Bundesliga-Saison 2006/2007, als Konkurrent Arena kurzzeitig die Fußballrechte eingesackt hatte, wissen die Sky-Leute, dass sich der gemeine Fußball-Fan nicht ohne weiteres einen neuen Receiver ins Wohnzimmer stellt.

          Bequemer wäre es, wenn der heutige Telekom-Kunde auf seiner bestehenden Infrastruktur künftig mit dem Sky-Programm versorgt würde. Das Sky-Programm müsste auch nicht nur auf die Bundesliga-Spiele am Wochenende beschränkt bleiben, sämtliche Spielfilme, Dokumentationen und Fernsehserien könnten ebenfalls Teil eines solchen Abkommens sein. Auch darüber wird nach Informationen der FAZ gesprochen.

          Am Ende lässt sich die Telekom die Bundesliga vielleicht von Sky liefern

          Am Ende könnte es für die Telekom so aussehen wie zu Beginn ihres Fernsehabenteuers im Jahr 2006, als sie mit enormer Werbekraft in den Wettbewerb um den Fußballfan eingestiegen ist. Damals ließen sich die Bonner das „Liga Total“-Produkt, die Bundesliga-Live-Übertragungen, für angeblich rund 20 Millionen Euro pro Saison von Premiere liefern.

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