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Bundesagentur für Arbeit : „Längst in Kontakt mit Schlecker“

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Raimund Becker: “Wir setzen auf individuelle Beratung, Vermittlung und gegebenenfalls auf Qualifizierung vor Ort“ Bild: archiv-klar

„Wir möchten Mut machen.“ Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, ist zuversichtlich, viele Schlecker-Mitarbeiter bald wieder in Arbeit zu bringen.

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          Die Kündigungen für rund 11.000 Schlecker-Mitarbeiter sind verschickt. Wie geht es mit ihnen weiter?

          Unsere Arbeitsagenturen und Regionaldirektionen sind seit mehreren Wochen in engem Kontakt mit den Ansprechpartnern bei Schlecker. Wir fangen also nicht erst jetzt mit unseren Aktivitäten an. Ein Beispiel: Seit dem 14.März haben allein in Nordrhein-Westfalen bereits über 40 Infoveranstaltungen speziell für die Betroffenen stattgefunden. Durch unsere Kontakte können wir jetzt schnell und unkompliziert den Lebensunterhalt der Menschen sicherstellen und unsere Energie in ihre Vermittlung stecken.

          Werden Sie für die Schlecker-Frauen ein Sonderprogramm auflegen?

          Ein Sonderprogramm ist in diesem Fall nicht zielführend, denn die betroffenen Menschen sind ja über das ganze Bundesgebiet verstreut. Wir setzen auf individuelle Beratung, Vermittlung und gegebenenfalls auf Qualifizierung vor Ort. Denn wir sind überzeugt, dass die Betroffenen genau das brauchen: eine auf sie und ihren regionalen Arbeitsmarkt zugeschnittene Betreuung.

          Viele Politiker und der Insolvenzverwalter haben bis zum Schluss hart um die Transfergesellschaft gekämpft. Was kann diese, was die Arbeitsagenturen nicht können?

          Natürlich kann die Transfergesellschaft aus Sicht der Betroffenen eines bieten: Sie hält die Betroffenen vorerst von der Arbeitslosigkeit fern und gibt ihnen damit das Gefühl, näher am Arbeitsmarkt zu sein. Außerdem fällt das Arbeitslosengeld geringer aus als die Kombination aus Transferkurzarbeitergeld und Aufstockungsbetrag der Transfergesellschaft. Und Personen in Transfergesellschaften verlieren nicht ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld, auch das ist ein Vorteil. Trotzdem: Die Arbeitsagenturen und Jobcenter in den einzelnen Regionen können die gleichen Vermittlungs- und Qualifizierungsdienstleistungen anbieten.

          Sie haben auf die gute Lage am deutschen Arbeitsmarkt und dessen Aufnahmefähigkeit verwiesen. Wie schnell können die Betroffenen mit einer neuen Stelle rechnen?

          Eine Betroffene im Ruhrgebiet hat sicherlich eine andere Situation als eine Schlecker-Frau auf dem Land in Mecklenburg-Vorpommern. Zusätzlich wird eine Rolle spielen, wie die einzelnen Bewerber qualifiziert sind, inwieweit sie bereit sind, in anderen Berufen und Branchen zu arbeiten, und ob sie bereit sind, im Tagespendelbreich nach einem neuen Arbeitsplatz zu suchen. Die Frage lässt sich also für alle Betroffenen nicht umfassend beantworten. Allerdings sind uns seit Anfang des Jahres bundesweit knapp 130.000 neue Stellen nur in Verkaufsberufen neu gemeldet worden - also ohne das Weihnachtsgeschäft. Und die Lebensmittelfachverkäufer sind hier noch gar nicht mitgezählt. Wir wissen, dass so eine Kündigung eine sehr schwierige Lebenssituation für die Betroffenen darstellt. Aber wir möchten trotzdem Mut machen, denn mit Flexibilität und Mobilität kann man sich viele Chancen eröffnen.

          Das Gespräch führte Sven Astheimer.

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