https://www.faz.net/-gqe-9rjiw

Drohende Insolvenz : Ferienflieger Condor bekommt 380 Millionen Euro Staatshilfe

Einen Überbrückungskredit von 400 Millionen Euro soll Condor von staatlicher Seite zur Verfügung gestellt werden. Bild: AFP

Der Bund und das Land Hessen haben entschieden: Sie wollen für die durch die Insolvenz von Thomas Cook bedrohte deutsche Fluggesellschaft bürgen. Zuvor hatte ihr Mutterunternehmen Thomas Cook Insolvenz angemeldet.

          3 Min.

          Die Fluggesellschaft Condor aus dem insolventen Reisekonzern Thomas Cook kommt ihrer dauerhaften Rettung näher. Der Bund und das Land Hessen haben eine Bürgschaft für einen sechsmonatigen Überbrückungskredit von 380 Millionen Euro der staatlichen KfW-Bank zugesagt. Vor einer Auszahlung muss die EU-Kommission der Hilfe noch zustimmen. Condor-Chef Ralf Teckentrup sprach am Dienstagabend von einer „großartigen Neuigkeit“. Der Betrieb laufe normal weiter, Condor arbeite profitabel. „Auch im bis Ende September laufenden Geschäftsjahr werden wir ein positives Ergebnis erzielen.“

          Timo Kotowski

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Die Ursache, warum schnell Staatshilfe nötig gewesen sei, liege in der Not des Mutterkonzerns, dem Condor vor dessen Insolvenz aushelfen musste. „Wir sind unverschuldet in Not geraten, unsere Liquidität ist in London verbuddelt“, sagte Teckentrup. Condor wird nun ein Schutzschirmverfahren, eine Besonderheit des deutschen Insolvenzrechts, beantragen. Damit werde sichergestellt, dass kein Geld mehr abgegeben werden müsse. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass ein Mittelabfluss durch einen schnellen Verkauf der Fluggesellschaft verhindert werden soll.

          „Auf dem deutschen Markt gibt es zu viel Flugkapazität“

          Condor strebt zwar weiter an, durch einen Investor übernommen zu werden, will sich aber für die Prüfung von Angeboten Zeit nehmen. „Wir sind nicht im Fire-Sale-Modus“, sagte Teckentrup. Der Überbrückungskredit helfe über den nachfrageschwächeren Winter, für den kommenden Sommer mache er sich keine Sorgen. Von anderen deutschen Reiseanbietern wie DER Touristik, FTI und Schauinsland habe er Ankündigungen, dass sie mehr Sitze bei Condor abnehmen wollten. Das Bundeswirtschaftsministerium von Peter Altmaier (CDU) teilte mit, die Bürgschaftszusage gebe den fast 5000 Condor-Mitarbeitern eine Perspektive.

          Viele Reiseveranstalter hatten im Vorfeld der Entscheidung um Condor gebangt, da ein Aus zu den Herbstferien zu Engpässen geführt hätte. Condor fliegt auch nicht nur Urlauberrennstrecken zum Mittelmeer, sondern ebenso Nischenstrecken zu Fernreisezielen, mitunter als einziger Direktfluganbieter aus Deutschland. Auch der Flughafenverband ADV, Verbraucherschützer und Gewerkschaften hatten die staatliche Hilfe gefordert.

          Popularität von Reisepaketen sei weiterhin gegeben

          Der Thomas-Cook-Konkurrent TUI rechnet derweil auch für das Jahr 2020 mit einer schwierigen Marktlage wegen des Brexits, des Flugverbots für Boeing-737-Max-Jets und Überkapazitäten. „Auf dem deutschen Markt gibt es zu viel Flugkapazität, es muss eine Bereinigung geben“, sagte der TUI-Vorstandsvorsitzende Fritz Joussen der F.A.Z. Als Ablehnung einer Condor-Hilfe will er das nicht verstanden wissen, sondern als Marktanalyse. „Die Air-Berlin-Flotte ist nicht ausgeschieden, die Flugzeuge fliegen alle noch, nur für andere Gesellschaften. In Summe sind bei denen 500 Millionen Euro Verlust aufgelaufen“, sagte er. „Solange es keine spürbare Marktbereinigung gibt, wird es einen hohen Preisdruck geben. Dass es Mallorca-Flüge für 19 Euro gibt, hat zuletzt allen in der Branche geschadet. Das kommt von den Überkapazitäten; solange es die Flugzeuge gibt, fliegen sie.“

          Für diesen Sommer meldet TUI eine stagnierende Zahl an Gästen, die im Durchschnitt ein Prozent mehr bezahlten. TUI hatte vor der Cook-Insolvenz verneint, dass es Gespräche über Condor gebe. Daran hat sich nichts geändert. „Wir haben kein Interesse an Condor angemeldet“, sagte Joussen. Lufthansa hatte in der Vergangenheit Interesse bekundet, aktuelle Interessenten werden in Branchenkreisen indes unter Finanzinvestoren verortet. So hatte Cook schon Gespräche über das Skandinaviengeschäft mit dem Investor Triton geführt. Triton hat zuletzt Reiseunternehmen in Belgien und den Niederlanden gekauft.

          Anzeichen für eine schwindende Popularität von Reisepaketen aus Flügen und Hotels sieht Joussen in der Cook-Insolvenz nicht. „Der Markt wandelt sich, und wer sich nicht schnell genug mitwandelt, gerät unter Druck oder scheidet aus. TUI ist schon länger nicht mehr das, was man einen klassischen Pauschalreiseanbieter nennt. Wir sind Entwickler, Investor, Betreiber von Hotelgesellschaften und Kreuzfahrtunternehmen“, sagte er. Daraus stammten 70 Prozent des Ergebnisses. „Dieser Umbau des Konzerns war wichtig und hat uns massiv verändert.“ Unterkünfte will TUI weiter zusammen mit Flügen vermarkten. „ Diese Urlaubsangebote sind weiterhin hochpopulär, aber die Angebote müssen sehr viel individueller sein als die traditionelle Pauschalreise.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Thunberg setzt Segel-Trend : Per Anhalter über die Weltmeere

          Wie Greta Thunberg die Meere zu besegeln, ist für junge Abenteurer das neue Rucksackreisen. Viele Bootsbesitzer sind von den teils penetranten Anfragen aber schon genervt. Und der Trip über den Ozean kann schnell zur Tortur werden.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.