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Buchmesse : So beschleunigen E-Books die Auslese im Buchmarkt

  • -Aktualisiert am

Stark im Kommen: E-Books auf der Frankfurter Buchmesse Bild: dpa

Der Umsatz mit elektronischen Büchern vervielfacht sich jedes Jahr. Für den Leser wird die Auswahl größer und günstiger. Auch einst ausverkaufte Werke sind verfügbar. Immer mehr Autoren verlegen sich elektronisch selbst.

          4 Min.

          Der Buchmarkt ist in Bewegung. „Der Markt für elektronische Bücher verdoppelt sich von Jahr zu Jahr“, sagt Per Dalheimer, Geschäftsführer von eBook.de, einer Tochtergesellschaft des Buchgroßhändlers Libri. Diese Beobachtung deckt sich mit den Erhebungen der Beratungsgesellschaft PWC zum Markt für elektronische Bücher. Danach lag der Umsatz im vergangenen Jahr bei 144 Millionen Euro (allein für E-Books der Bereiche Belletristik sowie Kinder- und Jugendbuch) und wird in diesem Jahr 286 Millionen Euro erreichen. Das wären immerhin schon knapp 6 Prozent am gesamten Markt für Belletristik von knapp 5 Milliarden Euro.

          Der Durchbruch gelang nach Dalheimers Worten im Weihnachtsgeschäft 2012. Der Bitkom als Branchenverband der Informationstechnologie hat erhoben, dass der Anteil der E-Book-Nutzer an der Zahl aller Leser inzwischen knapp 30 Prozent beträgt: „E-Books sind in der breiten Bevölkerung angekommen und haben sich zu einem Massenmarkt entwickelt“, sagt Bitkom-Vizepräsident Achim Berg.

          Das liegt an neuen Geräten und an einer explosionsartig steigenden Zahl elektronischer Bücher. Der Gerätemarkt ist überschaubar, wenn man mal davon absieht, dass viele Nutzer vor allem in der Wissenschaft elektronische Bücher am Personalcomputer oder Laptop lesen. Der Krimi oder der Roman werden aber zu mehr als 60 Prozent mit dem handlichen elektronischen Buchlesegerät, dem E-Reader, gelesen.

          Fast 50.000 neue E-Books letztes Jahr

          Marktführer ist da eindeutig die Marke Kindle (Hersteller Amazon, zwischen 40 und 50 Prozent Marktanteil), gefolgt von Tolino (Weltbild, Thalia, Deutsche Telekom, gut 30 Prozent Marktanteil) und dem Sony Reader (Sony, mehr als 10 Prozent). Diese Gerätehersteller verkaufen nach Angaben des Bitkom in diesem Jahr 832.000 neue Geräte, eine Zahl, die für Ronald Schild, den Geschäftsführer der MBV Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH, Frankfurt, eher zu niedrig als zu hoch angesetzt sein dürfte.

          Schild vertritt mit der Marke Libreka einen der großen Händler für elektronische Bücher. Über Libreka sind nach seinen Worten im vergangenen Jahr etwa eine Million E-Books für 10 Millionen Euro (Endverbraucherpreise) abgesetzt worden. Das größte deutschsprachige Angebot nimmt Bücher.de für sich in Anspruch mit 1,1 Millionen deutschsprachigen Titeln im Angebot. Der Internetbuchhändler, ein Gemeinschaftsunternehmen des Axel Springer Verlags, der Holtzbrinck-Gruppe und des Medienhauses Weltbild, macht mit elektronischen Büchern etwa 10 Prozent des Umsatzes, den er mit gedruckten Titeln macht. Der Absatz elektronischer Bücher habe sich seit 2010 verfünffacht.

          Das liegt vor allem an vielen neuen Titeln. Es begann im Jahr 2005 mit 2419 E-Book-Neuerscheinungen und steigert sich auf 48.917 E-Book-Neuerscheinungen im abgelaufenen Jahr. Hierin sind allerdings nicht nur belletristische Titel enthalten, sondern auch viele wissenschaftliche Bücher. Mit John Wiley (44.000 Titel) und De Gruyter (40.000) sind es denn auch zwei Wissenschaftsverlage, die die Liste der Verlage mit den meisten elektronischen Titeln im Angebot anführen. Die typischen Nutzer von E-Readern bedient der, gemessen an der Titelanzahl, drittgrößte Verlag für elektronisches Publizieren, nämlich Random House aus dem Bertelsmann-Konzern mit 8500 elektronischen Buchtiteln.

          Immer mehr Eigenpublikationen

          In der elektronischen Welt verlieren klassische Verlage aber immer mehr ihre Hoheit über die Titel und Autoren. Das Selbstpublizieren nimmt zu. Jedes Buch wird registriert; seit dem Jahr 1969 mit einer ISBN-Nummer. Seit einigen Jahren vergibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels über seine operative Gesellschaft MVB immer mehr Einzel-ISBN an Personen, die nur ein oder wenige Titel verlegen. Im Geschäftsjahr 2012/13 (per Ende Juli) waren es schon 3700 ISBN, die von sogenannten Selbstverlegern beantragt wurden. „Die Selbstverleger werden die Zahl der deutschsprachigen Neuerscheinungen von heute 90.000 in wenigen Jahren verdoppeln“, erwartet Schild.

          Hinzu kommt, dass elektronische Bücher nie mehr aus dem Bestand verschwinden, wenn sie nicht gelöscht werden. Gedruckte Titel sind irgendwann ausverkauft und werden dann vom Verlag aus dem Bestand der lieferbaren Titel getilgt. Elektronische Bücher können ewig im Bestand bleiben. „Beide Entwicklungen - mehr neue Titel und kein Wegfall durch ausverkaufte Titel - erfordern einen neuen Umgang mit Metadaten über Bücher“, sagt Schild. Kataloge müssen ganz neu gestaltet werden, um die Suche nach Büchern zu erleichtern und teilweise auch erst zu ermöglichen. „Das Thema E-Books wird zunehmend zu einem Big-Data-Thema“, beobachtet Schild.

          Bis zum Jahr 2017 wird allein der Markt für elektronische Bücher in der Belletristik sowie bei Kinder- und Jugendbüchern auf 852 Millionen Euro steigen, erwarten die Marktexperten von PWC, „was einem durchschnittlichen jährlichen Anstieg von 43 Prozent und einem Anteil von mehr als 16 Prozent am Gesamtmarkt für Belletristik entspricht“. Was aber auch bedeutet, dass auch 2017 noch 84 Prozent aller Bücher als gedruckte Werke gekauft werden.

          Lukratives Geschäft

          Wenn das Marktvolumen insgesamt stagnieren soll bei knapp 10 Milliarden Euro, dann müssen die Freunde elektronischer Bücher mehr lesen, denn E-Books kosten in der Regel 20 bis 30 Prozent weniger als die gedruckte Version. Dennoch sind sie vor allem für den Handel ein ertragreiches Geschäft. Selbst wenn man berücksichtigt, dass zu dem niedrigeren Preis noch der höhere Steueranteil von 19 Prozent (bei gedruckten Büchern sind es nur 7 Prozent) kommt, so sorgt allein der Wegfall der Logistikkosten (etwa 10 Prozent) dafür, dass der Verkauf elektronischer Bücher unter dem Strich sehr lukrativ ist.

          Allerdings für immer weniger Händler. Viele der knapp 7000 Buchhändler werden an diesem Geschäft nicht partizipieren. „Die Digitalisierung führt langfristig wohl nur zu einer Handvoll Anlaufstellen für elektronische Bücher“, ist Dalheimer überzeugt. Man könne sich vom Wettbewerb nur über bessere und umfangreichere Inhalte, über große Datenverarbeitungskapazitäten und über einen Service abheben, den sich kleine Anbieter kaum leisten können. Der Markt ist nicht nur in Bewegung - er steht auch vor einem Ausleseprozess.

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