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Buchbranche : Wo wir Bücher kaufen

Lesezeit: In der kommenden Woche wieder auf der Frankfurter Buchmesse – und danach? Bild: dpa

Die Zeit der großen Buchhandlungen ist vorbei. Heißt das, dass dadurch eine Renaissance der inhabergeführten Buchhandlung beginnt? Oder hat gegen Amazon ohnehin keiner eine Chance? Die Antwort fällt schwer.

          Wäre man heute lieber Birgit Lange-Grieving, Inhaberin einer kleinen Stadtteilbuchhandlung in Dortmund? Oder möchte man Michael Busch sein, der als Chef die Buchhandelsgruppe Thalia zurück auf die Erfolgsspur bringen muss? Mit Carel Halff, dem Geschäftsführer der katholischen Verlagsgruppe Weltbild, die wegen ihrer prekären finanziellen Lage unmittelbar vor Beginn der Frankfurter Buchmesse Schlagzeilen macht, möchte man gewiss nicht tauschen.

          Carsten Knop

          Chefredakteur digitale Produkte.

          Dann scheint schon eher ein Tausch mit Jeff Bezos attraktiv zu sein, dem Gründer des Internetversandhändlers Amazon, der in den vergangenen knapp zwanzig Jahren die gesamte Branche umgekrempelt hat. Wenn es allein ums Geld ginge, wäre Bezos ohnehin erste Wahl. Der Mann ist mindestens 26 Milliarden Dollar schwer und hat gerade erst aus seinem Privatvermögen die „Washington Post“ gekauft. Das ist nicht zu schlagen. Gewinn hat er mit Amazon zuletzt zwar auch mal wieder nicht gemacht, aber seine Aktionäre stört das nicht.

          Wer hat gegen Bezos Effizienzmaschine eine Chance?

          Sie gewähren Amazon auch so gern eine Börsenbewertung von knapp 150 Milliarden Dollar. Denn sie glauben, dass gegen Bezos und die Effizienzmaschine Amazon, die alles über ihre Kunden weiß und immer schneller liefern kann, im Handel sowieso kaum jemand eine Chance hat. Oder vielleicht doch? Aber wer? Auf die Fragen gibt es keine klaren Antworten – selbst die Bischöfe, die über ihre Diözesen an der Weltbild-Gruppe beteiligt sind, haben auf ihrem jüngsten Treffen vor ein paar Tagen im hessischen Fulda keine gefunden.

          Sie tagten in räumlicher Nähe zu zwei großen Auslieferungslagern von Amazon im nordhessischen Bad Hersfeld – und leben, wie so viele im Buchgeschäft, auch wegen der zahlreichen Bestellungen, die die „Picker“ und „Packer“ in diesen Lagern gut und manchmal sogar zu gut beschäftigen, nur noch von der Hoffnung: Für die kommenden beiden Jahre fehlen Weltbild dem Vernehmen nach 70 Millionen Euro Liquidität. Für die Bischöfe ist das ein Problem, für Amazon wäre so etwas ein Klacks.

          Weltbild mit Stammsitz in Augsburg beschäftigt nach eigenen Angaben 6.800 Mitarbeiter. Der Umsatz belief sich nach den letzten, zum 30. Juni 2012 veröffentlichten Zahlen auf annähernd 1,6 Milliarden Euro. Das ist in etwa der Umsatz, den auch Amazon im vergangenen Jahr gemacht hat, aber allein in Deutschland und allein im Buchgeschäft.

          Gegen Amazon sind Thalia und Weltbild winzige Tretboote

          Insgesamt hat Amazon im vergangenen Jahr 61,1 Milliarden Dollar umgesetzt – hier begegnen sich also Welten. Amazon ist der Supertanker; Weltbild und sein deutscher Wettbewerber Thalia sind im Vergleich dazu winzige Tretboote, in denen einem bei Sturm durchaus schlecht werden kann. Michael Busch sitzt in dem Boot mit der Aufschrift Thalia. Er glaubt – natürlich – den richtigen Kurs zu kennen. Aber auch er muss Filialen schließen. Der Umsatz sinkt. Und wann wieder Gewinn gemacht wird, weiß er auch nicht.

          Anfang 2012 hatte sich das Unternehmen dafür bis zu zwei Jahre Zeit gegeben; seither hat man solche Angaben nicht mehr gehört. Im Geschäftsjahr 2011/12 war ein Vorsteuerverlust von 175 Millionen Euro aufgelaufen. Von ursprünglich 290 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden 20 geschlossen; zudem ziehen Läden in kleinere Flächen um. „Die Zeit der ganz großen Buchhandlungen ist vorbei“, hat Busch erkannt. Nur Jeff Bezos von Amazon kam dieser Gedanke gewiss schon einige Jahre früher.

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