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Buchbranche : Wo wir Bücher kaufen

„Die Buchhandlung als Kommunikationsort etablieren“

„Ich möchte die Buchhandlung auch als Kommunikationsort etablieren“, sagt Lange-Grieving. Die „inhabergeführte Stadtteilbuchhandlung“ solle vor allem Familien und ein kulturinteressiertes Publikum ansprechen. Neben Belletristik, Krimi, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch, Comic und Manga ist, so wie es schon im Konzept stand, der Bereich „Architektur, Design und Kunst“ mit einer engagierten Auswahl vertreten.

Ein Jahr lang hatte die gelernte Verlagsfachfrau gemeinsam mit ihrem Mann Jochen Grieving, der hauptberuflich als Systementwickler in einem Dortmunder Versicherungsverbund tätig ist, an dem Konzept für die eigene Buchhandlung gearbeitet. Dazu gehörte eine genaue Analyse der kulturellen Einrichtungen im Stadtteil, ihrer Angebote und Defizite sowie parallel auch der Programme der Bildungseinrichtungen im gesamten Dortmunder Raum.

Untersucht wurde zudem die Vereinsstruktur, um das thematische Interesse am Ort in Erfahrung zu bringen. Gespräche mit den kommunalpolitischen Vertretern ergänzten diese Informationen und gaben Einblick in deren Einschätzung zur geplanten Buchhandelsneugründung: „Wir haben uns schließlich zeitgemäß und regional vernetzt aufgestellt“, sagt Lange-Grieving.

Zeitgemäß heißt für sie, dass die neue Buchhandlung ganz selbstverständlich nicht mehr nur auf das klassische gedruckte Buch setzt; digitale Inhalte haben ebenfalls einen hohen Stellenwert. So hat Lange-Grieving eine umfangreiche technische Medieninfrastruktur installiert, zeigt Beamerprojektionen im Schaufenster und experimentiert mit Medienendgeräten wie zum Beispiel Tabletcomputern und den entsprechenden Anwendungen. Über den eigenen Webshop werden zudem elektronische Bücher und entsprechende Reader angeboten.

Dafür, dass sich die Kunden im Geschäft wohl fühlen, sorgt unter anderem ein vier Meter langer, massiver Holztisch; hier können sich die Bücherinteressierten wie in einer Bibliothek fühlen. Und wer es richtig gemütlich haben möchte, für den findet jeden ersten Freitag im Monat eine „Buch nach acht“-Lesenacht statt. Dann können 15 Kunden nach Voranmeldung von 20 bis 24 Uhr stöbern und lesen.

Nur wer seine Kunden kennt, hat Erfolg

„Das ist sehr begehrt“, sagt Lange-Grieving, die Plätze für die Nächte seien immer ganz schnell weg. Ohne Zweifel bedient dieser Ansatz ein kleines Publikum in der Nische, aber immerhin. Und eines weiß Jochen Grieving nach einiger Zeit der Buchhandelserfahrung auch: „Unsere Branche braucht mehr Selbstbewusstsein und überzeugende Konzepte. Das Jammern über Amazon hilft nicht weiter.“

Das sehen zum Beispiel auch die Inhaber der Website „buch7.de“ so. Sie spenden und sponsern 75 Prozent ihres Gewinns für soziale, kulturelle oder ökologische Projekte. Neue Alternativen zu Amazon gibt es also – und glücklicher als die Manager von Weltbild und Thalia wirkt das Dortmunder Gründerehepaar, das angesichts der vielen Abendveranstaltungen in seinem Laden kaum noch einen Feierabend kennt, ebenfalls.

Für solche Gründer hätte gewiss auch Jeff Bezos Sympathie. Denn er weiß: Nur wer seine Kunden kennt, hat Erfolg. Ihm gelingt das für seine mehr als 180 Millionen aktiven Kunden mit der Hilfe einer riesigen Datensammlung in weit entfernten Rechenzentren. Doch vielleicht ist für den einen oder anderen das persönliche Gespräch auch in Zukunft durch nichts zu ersetzen.

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