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Buchbranche : Wo wir Bücher kaufen

An wenigen ausgewählten Standorten will Thalia noch Geschäfte mit einer Fläche von 2.000 Quadratmetern und mehr betreiben, aber das ist dann die Ausnahme. Und die Läden, die bleiben, entwickeln sich zu Mini-Kaufhäusern mit einer Produktpalette, die eher an eine Tchibo-Filiale als an einen gutsortierten Buchhändler erinnert: Spiele, CDs und DVDs, Markenshops für Bastelbedarf und Lederaccessoires.

Ein neuer Anlauf, mit Service und Kinderecke

Sieht so die Buchhandlung der Zukunft aus? Schon entfallen 25 bis 30 Prozent des stationären Geschäfts auf diese Zusatzangebote. Aber Amazon hat so etwas längst im Programm – und noch viel mehr. Bremsen können wird man die Amerikaner, die wegen diverser legaler Steuertricks zudem noch dem deutschen Fiskus ein Schnippchen schlagen, auch auf diesem Feld nicht.

Weltbild schlingert also, Thalia auch, und Hugendubel geht es nicht viel besser. Was bleibt? Vielleicht die Antwort von Birgit Lange-Grieving, die hier pars pro toto für verschiedene neue inhabergeführte Buchhandelskonzepte stehen soll? Auf so einen Gedanken kann man kommen, wenn man den Dortmunder Stadtteil Hörde besucht. Das ist in diesem Zusammenhang reizvoll, denn Hörde musste schon mehrere Jahre auf eine Buchhandlung verzichten. Ein Stadtteil mit mehr als 50.000 Einwohnern und einem großen Einzugsgebiet umliegender Dortmunder Stadtteile hatte für Bücher keine Anlaufstelle mehr, nachdem die alte Buchhandlung im Jahr 2008 ihre Pforten schloss. Nun wird ein neuer Anlauf gewagt, die Bücher sind nach Hörde zurückgekehrt.

Über dem Eingang der Buchhandlung steht: „transfer. bücher und medien“. Drei Buchhändlerinnen kümmern sich um die Kunden, die aber an einem großen Lesetisch auch stundenlang allein vor sich hin schmökern können. Für Kinder gibt es eine eigne Leseecke, dazu einen Veranstaltungsraum für Lesungen, die regelmäßig stattfinden und vom Publikum gut angenommen werden.

Die sehr persönliche „Buchhandlung des Jahres“

Um als Plattform Aufmerksamkeit zu bekommen, suchte sich die Buchhandlung Partner – Institutionen, Organisationen, aber auch einzelne lokal verankerte und bekannte Personen, die den Plattformgedanken mit Leben und Aktionen füllen. Deshalb bietet Transfer neben Events und literarischen Veranstaltungen ein Format mit dem Namen „Forum“ an, in dem Menschen aus Kunst, Wissenschaft, Technik und Handwerk über ihre Arbeit berichten, oder Workshops, die zum Mitmachen zu Projekten aus Kunst, Musik und Naturwissenschaften anregen. Alle Veranstaltungen werden über Eintrittsgelder finanziert.

Diese Art der Antwort hat Lange-Grieving gemeinsam mit ihrem Mann gefunden. Am 5. Juli 2011 hat sie ihr Geschäft eröffnet – und schon ein Jahr später wurde das Konzept von einer Fachzeitschrift auf der Frankfurter Buchmesse mit dem Preis „Buchhandlung des Jahres“ in der Kategorie „Newcomer“ ausgezeichnet. Und wenn man Lange-Grieving unangemeldet einen Besuch abstattet, um zu schauen, wie persönlich die Buchhandlung nun wirklich ist, wird man prompt überrascht. Die drei Buchhändlerinnen, die für Lange-Grieving arbeiten, sind an diesem Tag im Kundengespräch; die Chefin aber ist spontan bereit, bei einer Tasse Kaffee aus dem hauseigenen Profi-Automaten über ihr Konzept Auskunft zu geben.

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