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Corona-Krise : British Airways droht mit Entlassung aller Piloten

Die britische Flugbranche kämpft auch mit der Vorschrift einer 14-tägigen Quarantänepflicht für alle Einreisenden. Bild: AFP

Die größte britische Fluggesellschaft schlägt eine denkbar harte Gangart ein: Um Gehaltskürzungen und einen Personalabbau durchzusetzen, droht sie, sämtliche Piloten zu entlassen.

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          Die wegen der Corona-Krise mit großen Verlusten kämpfende Fluglinie British Airways (BA) schlägt im Ringen um einen umfassenden Personalabbau und Gehaltskürzungen eine harte Gangart gegenüber den Gewerkschaften ein. Sie erhöhte am Wochenende den Druck, indem sie mit der Entlassung aller 4300 Piloten drohte, sollte es keine Einigung auf neue Beschäftigungsbedingungen geben. Die Piloten könnten sämtlich entlassen und dann die erforderliche Zahl individuell neu eingestellt werden.

          Philip Plickert
          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Ein Sprecher der Gewerkschaft Balpa reagierte empört und sprach von einem Vertrauensbruch. British Airways verhandelt derzeit über den Abbau von rund 12.000 Stellen von insgesamt 42.000 Mitarbeitern. Nach Angaben der Gewerkschaft sollen etwa 1250 Pilotenstellen gestrichen werden.

          BA schrieb in einer Mail, dass die Luftfahrtindustrie in der tiefsten strukturellen Krise ihrer Geschichte stecke. Aus der gesamten Branche sind allein in Europa Massenentlassungen von mehr als 50.000 Stellen angekündigt worden. Die Deutsche Lufthansa wird 10.000 Stellen abbauen. Neben BA haben auch die britischen Fluglinien Easyjet und Virgin Atlantic und die in Irland ansässige Ryanair einen erheblichen Stellenabbau angekündigt.

          Die Reisebranche läuft Sturm

          Die britische Flugbranche kämpft noch mit einem zusätzlichen Problem: der von der Regierung eingeführten Vorschrift für eine 14-tägige Quarantänepflicht für alle Einreisenden. An diesem Montag tritt die neue Regel in Kraft. Fluglinien-, Hotel- und Tourismusverbände fürchten, dass die Quarantänevorschrift Reisende abschrecken wird. Sie laufen Sturm gegen das Gesetz, das Innenministerin Priti Patel vorgelegt hat und das Premierminister Boris Johnson verteidigt.

          Der BA-Mutterkonzern IAG sowie Easyjet und Ryanair kündigten in einem Brief an den staatlichen Generalanwalt eine Klage gegen das aus ihrer Sicht rechtswidrige Gesetz an. „Unserer Ansicht nach hat die Regierung keine stichhaltige Rechtfertigung für die pauschale Regelung vorgelegt, besonders angesichts der extrem harten Natur der angewandten Selbstisolationsvorschrift“, heißt es in dem Brief. Die Quarantäneregel für Einreisende sei härter als für Leute im Inland, die positiv auf Corona getestet seien, kritisieren die Fluglinien. Sie fragen auch, warum Reisende aus Ländern mit geringen Corona-Infektionszahlen sich einer so harten Quarantäne unterwerfen müssen.

          Einige südeuropäische Urlaubsländer wie Spanien haben sich für den Sommertourismus wieder geöffnet. Die britische Reisebranche sieht nun große Nachteile. IAG-Konzernchef Willie Walsh nannte das neue Quarantänegesetz „schrecklich“ und warnte, es werde „die Chance torpedieren, im Juli die Fliegerei wieder zu starten“.

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