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Arbeitslosenquote im Keller : Das Chaos droht – und britische Unternehmen stellen ein

Viel zu tun: Ein Arbeiter auf einer Baustelle in London Bild: Reuters

Politisch geht es drunter und drüber, wirtschaftlich drohen wegen des Brexits schlechte Zeiten. Wie reagieren die britischen Unternehmen? Sie stellen zahlreiche Mitarbeiter ein.

          Großbritanniens Wirtschaftsvertreter zittern vor dem drohenden Chaos-Brexit – doch die Entwicklung am britischen Arbeitsmarkt ist so gut wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Unternehmen auf der Insel stellen weiterhin zahlreiche neue Mitarbeiter ein. In den drei Monaten bis Ende Januar sank die Arbeitslosenquote im Vereinigten Königreich auf 3,9 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit 1975. Der zunehmende Mangel an Arbeitskräften spiegelt sich auch in steigenden Löhnen wider, die im Vorjahresvergleich um 3,4 Prozent zulegten.

          Marcus Theurer

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die ungebremst starke Entwicklung am Arbeitsmarkt gibt Experten Rätsel auf. Volkswirte der britischen Großbank HSBC bezeichneten die jüngsten Zahlen als überraschend. Denn die britische Konjunktur hat seit dem Brexit-Referendum im Sommer 2016 deutlich an Schwung verloren.

          Viele Unternehmen zögern angesichts der Ungewissheit über den EU-Austritt mit neuen Investitionen. Manche Fachleute sehen allerdings gerade darin eine mögliche Erklärung für die robuste Entwicklung am Arbeitsmarkt: Die Betriebe stellten lieber zusätzliche Arbeitskräfte ein, statt in neue effizientere Maschinen zu investieren. Denn die Belegschaft könnte, angesichts des relativ schwachen Kündigungsschutzes in Großbritannien, im Notfall schnell wieder reduziert werden.

          Königreich in der Verfassungskrise

          Großbritannien soll die EU am 29. März verlassen. Doch kurz vor dem Brexit-Termin rutscht das Land immer tiefer in eine Verfassungskrise. Noch immer ist unklar, ob das britische Parlament rechtzeitig dem Austrittsabkommen mit der EU zustimmen oder aber der Brexit verschoben wird. Andernfalls droht in 11 Tagen ein ungeordneter EU-Austritt des Landes, der nach Einschätzung von Fachleuten beträchtlichen wirtschaftlichen Schaden anrichten würde. Das Brexit-Drama wird am Donnerstag auch auf der Tagesordnung des EU-Gipfeltreffens der europäischen Regierungschefs in Brüssel stehen.

          Der Industriestaatenbund OECD warnte vor zwei Wochen, ein „No-Deal-Brexit“ führe in Großbritannien zu einer Rezession. Selbst im Falle eines geordneten EU-Austritts werde das britische Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 1,4 Prozent auf 0,8 Prozent abbremsen, erwarten die Ökonomen aus Paris. Auch die britische Regierung hat kürzlich ihre Wachstumsprognose gesenkt.

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