https://www.faz.net/-gqe-9m4gh

Brisantes Werbevideo : Kamerahersteller Leica droht Bann in China

Huawei verwendet Leica-Kameras – die Frage ist: Wie lange noch? Bild: Reuters

Das Massaker auf dem Tiananmen ist in China ein Tabu-Thema. Der Kamerahersteller Leica bringt es nun in einem Werbevideo zur Sprache. Wie reagiert der Leica-Kunde Huawei?

          Kein Thema ist in China so tabu wie das Massaker auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Als im Sommer 1989 Studentenproteste niedergeschlagen wurden, ließ die Kommunistische Partei auf das eigene Volk schießen, was je nach Schätzung zwischen mehreren Hundert und Zehntausend toten Zivilisten verursachte. Im Schulunterricht, an Universitäten und in den Staatsmedien wird die Tragödie, die einen Tiefpunkt in der Geschichte der Volksrepublik darstellt, nicht erwähnt. Im Internet wird jedes Wort darüber zensiert.

          Hendrik Ankenbrand

          Wirtschaftskorrespondent für China mit Sitz in Schanghai.

          Sechs Wochen vor dem 30. Jahrestag des blutigen Protests macht nun aber ausgerechnet ein Werbevideo des in China sehr erfolgreichen Kameraherstellers Leica aus dem deutschen Wetzlar das Massaker zum Thema. „The Hunt“ (Die Jagd) lautet der Titel des fünf Minuten langen Streifens, in dem neben anderen Schauplätzen ein Pressefotograf in einem Haus in Peking offensichtlich das weltberühmte Bild des „Tank Mans“ macht, der sich auf dem Platz des Himmlischen Friedens wagemutig vor einen Konvoi von Panzern stellte und ihr Vorrücken blockierte. Der Fotograf wird bei seiner Arbeit von chinesisch sprechenden Polizisten verfolgt. Am Ende erscheint der Satz, der Film sei „jenen gewidmet, die uns ihre Augen leihen, um zu sehen“. Dann erscheint das Logo von Leica.

          Ruf nach Bann wird laut

          Unter chinesischen Internetnutzern löste der Film am Donnerstag Zustimmung, vor allem aber Empörung aus. Rufe nach einem Bann von Leica-Produkten in China wurde laut. Dort verbaut der zweitgrößte Smartphonehersteller der Welt Huawei Leica-Kameras in seinen Geräten, die in der Werbestrategie des Konzerns aus Shenzhen eine bedeutende Rolle spielen. Pikant ist, dass sich Huawei nach Spionagevorwürfen Amerikas in den vergangenen Monaten zunehmend als patriotisches Unternehmen im Systemkampf mit den Vereinigten Staaten positioniert hat. Die chinesische Regierung hat sogar Ländern wie Kanada mit „Konsequenzen“ gedroht, sollte diese Huawei wegen des Spionageverdachts verbannen.

          Leica teilte am Donnerstagabend mit, dass der Film „nicht offiziell“ vom Unternehmen „genehmigt“ worden sei und entschuldigte sich für „Missverständnisse oder falsche Schlussfolgerungen“, die der Film erweckt haben könnte. Von Huawei gab es keinen Kommentar. Auch in der regulären Pressekonferenz des chinesischen Außenministeriums in Peking am Freitag erwähnte die Sprecherin den Vorfall mit keinem Wort.

          Produziert wurde der Film von der brasilianischen Werbeagentur F/Nazca Saatchi & Saatchi, die zur Londoner Werbeagentur Saatchi & Saatchi gehört und schon zuvor Werbefilme für Leica gemacht hatte. Offensichtlich veröffentlichte diese im Gegensatz zu der Behauptung von Leica den Film am Wochenbeginn offiziell mit dem Einverständnis des Unternehmens, das auf Branchenwebseiten als „Kunde“ aufgeführt wird. Leica-Vertreter Luiz Marinho, der 2015 vom damaligen Leica-Vorstandschef Oliver Kaltner als „verlässlicher Partner“ bezeichnet wurde, habe den Film im Auftrag des Unternehmens abgenommen, ist zu lesen.

          Weitere Themen

          China wehrt sich

          Handelskrieg : China wehrt sich

          Der Vorwurf der Amerikaner, dass China einen Technologie-Transfer fordere, sei „fabriziert“, erklärt die Führung in Peking. Die Vereinigten Staaten könnten derweil die Sanktionen gegen Huawei kurzfristig aussetzen.

          Topmeldungen

          Österreichs Regierung am Ende : Pech für die Wirtschaft

          Das Aus der schwarz-blauen Regierung ist folgerichtig. Doch wirtschaftlich hat das Bündnis mehr hinbekommen als die Vorgängerregierung. Hoffentlich fällt das Land nicht zurück in Stillstand.
          Die 45. Internationale Waffen-Sammlerbörse im März in Luzern

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.
          Werner Bahlsen

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Wie weiter mit dem Brexit? : Das britische System liegt in Trümmern

          Womöglich kann das britische Parlament einen „No Deal“ nach der Europawahl nicht mehr verhindern. Dann müsste die EU sich auch an die eigene Nase fassen – sie hat zur Polarisierung der Politik im Vereinigten Königreich beigetragen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.