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Neue Vorwürfe beim Gewehr G36 : Rechnungshof sieht Hinweise auf Pfusch bei der Produktion

  • Aktualisiert am

Das G36 in Händen von Bundeswehrsoldaten beim Abschiedsappell der zehnten Panzerdivision am 5. Juni 2014 in Sigmaringen. Bild: dpa

Das Standardgewehr der Bundeswehr soll sich bei Hitze verformen – mit fatalen Folgen für die Treffgenauigkeit. Der Bundesrechnungshof hat einen Verdacht. Der bringt Heckler & Koch in Erklärungsnot.

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          Der Bundesrechnungshof will neue Anhaltspunkte für Mängel am Standard-Sturmgewehr der Bundeswehr erhalten haben. Das geht aus einem geheimen Bericht des Rechnungshofs hervor, der dem „Stern“ vorliegt. Der Bundesrechnungshof bezieht sich in seinem Bericht auf Untersuchungen des Wehrwissenschaftlichen Instituts der Bundeswehr, nach dem in der Kunststoffmischung für das Gehäuse des G36 der Zusatzstoff Polyethylen nachweisbar sein soll. Der Kunststoff kann bei Hitze die Verformung einer Waffe begünstigen.

          Das von Waffenhersteller Heckler & Koch im Jahr 1993 vorgestellte Musterexemplar, auf dessen Grundlage die Bundeswehr die Kaufentscheidung getroffen hat, soll indes laut dem Bericht kein Polyethylen, sondern nur Polyamid enthalten haben. Dieser Kunststoff, aus dem auch andere Teile der Waffe gefertigt sind, ist laut Recherchen des „Stern“ teurer als Polyethylen. Anders gesagt: Damit steht der Verdacht im Raum, dass durch die Beimischung des billigeren Kunststoffs das Trefferverhalten ungünstig beeinflusst wurde.

          Laut Rechnungshofbericht soll die Spitze des Verteidigungsministerium spätestens im Januar 2011 über die Mängel informiert gewesen sein. Sonderermittler des Verteidigungsministeriums sollen demnach dem damaligen Staatssekretär Rüdiger Wolf über anonyme Vorwürfe und einen möglichen Konstruktionsmangel des Gewehrs informiert haben. Demnach sprachen die Ermittler damals bereits vor lebensgefährlichen Folgen für die Soldaten im Auslandseinsatz.

          Heckler & Koch und das Verteidigungsministerium äußerten sich bislang nicht zu den Vorwürfen.

          Der Hinweis auf eine möglicherweise erfolgte, nachträgliche technische Veränderung der Zusammensetzung des Kunststoffs ist eine neue Facette in der Diskussion über die mangelnde Treffegenauigkeit des Sturmgewehrs im heißgeschossenen Zustand. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hatte nach Bekanntwerden der Ergebnisse einer Expertenkommission, die massive Mängel am G36 vergangene Woche erhärtete, einen Untersuchungsausschuss ins Leben gerufen. Ihr sitzt der langjährige verteidigungspolitische Sprecher der Grünen, Winfried Nachtwei, vor. Auch der scheidende Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Hellmut Königshaus, wurde in das Gremium berufen. 

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