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Brexit : Für Liebhaber der englischen Art

Die feine englische Art beim Verlassen des Europaparlaments am Tag der letzten Sitzung am Mittwoch Bild: Jens Gyarmaty

Tweedjacken, Toffees, Handtaschen: Der Versandhändler The British Shop verkauft Produkte aus Großbritannien und sieht sich für den Brexit gut gewappnet – trotz einiger Schwierigkeiten mit Lieferanten.

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          Auf den EU-Austritt der Briten an diesem Freitag hat sich Wolf Siebel akribisch vorbreitet. Der Gründer und Geschäftsführer des Versandhändlers The British Shop fühlt sich gut gerüstet: Die Frühjahrs- und Sommerware aus Großbritannien liegt schon komplett am Firmensitz in Meckenheim bei Bonn auf Lager. „Wir haben früher als sonst bestellt, damit wir nicht ausgerechnet um den Brexit-Termin herum Lieferungen bekommen“, berichtet Siebel – auch wenn während der elfmonatigen Übergangsphase der freie Warenverkehr weiterhin problemlos möglich ist. Selbst zu Schulungen für mögliche Zollmodalitäten hat er einige seiner 180 Mitarbeiter vorsorglich schon geschickt.

          Christine Scharrenbroch

          Freie Autorin in der Wirtschaft.

          Allerdings habe sich eine Reihe seiner kleineren britischen Lieferanten leider bislang nur unzureichend auf den Brexit eingestellt, sagt Siebel. „Wir arbeiten mit vielen Familienunternehmen zusammen, und manche von ihnen stecken den Kopf in den Sand.“ So seien einige Betriebe im Dezember nur mit Verzögerung in der Lage gewesen, ihre Preislisten für 2020 auszugeben. Gut vorbereitet sieht er dagegen größere Anbieter wie den Modehersteller Barbour, der zudem seine Europa-Vertriebszentrale in Düsseldorf unterhält, was die Abwicklung erleichtert. Mit Preiserhöhungen für sein Sortiment rechnet Siebel unterdessen vorerst nicht.

          Auf der Suche nach neuen Produkten 

          Der Anfang der neunziger Jahre gestartete The British Shop hat sich auf hochwertige Bekleidung und Lifestyle-Produkte aus Großbritannien spezialisiert. Dazu zählen etwa Dufflecoats, Tweedjacken und Kaschmirpullover – darunter das angebliche Lieblingsmodell von Herzogin Kate –, aber auch Tischdecken, Porzellan, Handtaschen, Blumensamen, Aufbewahrungsdosen und Süßigkeiten. Meistverkaufter Artikel ist derzeit die 1-Kilogramm-Box englischer Toffees.

          Seine Kunden beschreibt Siebel als „Liebhaber der feinen englischen Art“, meist 50 Jahre und älter. Schnell wechselnde Modetrends sind deren Sache nicht. „Wir sind eher klassisch unterwegs“, sagt der 64 Jahre alte Siebel, ein studierter Nachrichtentechniker. Mehrmals im Jahr reist er mit seinem 27 Jahre alten Sohn Robert, der seit vier Jahren im elterlichen Betrieb mitarbeitet, auf der Suche nach neuen Produkten durch Großbritannien. Gemeinsam besuchen sie eine Reihe von Messen.

          Lukratives Geschäft

          So entdeckten sie jüngst auf der Chelsea Flower Show in London den kleinen Seifenhersteller Heyland and Whittle, der ihnen nun eine eigens zusammengestellte Geschenkbox voller handgefertigter Seifenstücke liefert. Zur Inspiration lässt sich Wolf Siebel zudem gerne durch die Einkaufsstraßen treiben. Dabei nimmt er auch Fotos für seine Kataloge auf. So prangte auf der Titelseite der Weihnachtsausgabe ein von ihm in London abgelichteter, besonders üppig geschmückter Weihnachtsbaum. Für das Sommerheft fotografierte er die Gartenanlage einer mittelalterlichen Burg in West Sussex.

          Jedes Jahr bringt das Familienunternehmen zehn verschiedene Kataloghefte heraus, die an rund 300.000 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschickt werden. Zwei Drittel der Bestellungen gehen beim eigenen Call-Center ein, wo gut ein Dutzend Mitarbeiter die Anrufe entgegennimmt. Der Rest erfolgt größtenteils über den Online-Shop, aber auch per Fax. Noch immer gehen rund 10.000 Faxe im Jahr ein.

          Manche Kunden kommen auch in den Showroom am Firmensitz in einem Meckenheimer Gewerbegebiet, um Blusen oder Jacken anzuprobieren. Das Geschäft mit den Waren aus England, Schottland, Wales und Nordirland wächst laut Siebel stetig. Seit Jahren lege der Umsatz, den er grob auf einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag beziffert, jährlich zwischen 5 und 10 Prozent zu. Seine Kunden hegten eine große Sympathie für Großbritannien, sagt Siebel. An dieser habe auch der Brexit bislang nichts geändert.

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