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Brexit und Deutsche Börse : „Der Deal ist tot“

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Wie geht es nun weiter mit der Deutschen Börse? Bild: dpa

Das Brexit-Referendum stellt einem Bericht zufolge zwei Fusionen viel grundsätzlicher infrage, als bislang gedacht: Die der Deutschen Börse mit der Londoner Börse und die der Stahl-Sparte von Thyssen-Krupp und Tata.

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          Der Ausgang des Brexit-Referendums stellt für deutsche Unternehmen wichtige Fusionen infrage. Das berichtet die Zeitschrift „Spiegel“. Allen voran den Zusammenschluss der Deutschen Börse mit der Londoner Börse LSE. Die Börse sei offenbar bereit, im Ringen um die Fusion mit der LSE Zugeständnisse zu machen, um den Deal zu retten. Der Bericht zitierte Frankfurter Finanzkreise, denen zufolge Börsenchef Carsten Kengeter sich darauf einstelle, dass der Brexit unumkehrbar sei. Die zuständige hessische Landesregierung werde deshalb den Zusammenschluss wohl nicht genehmigen, wenn der Sitz der neuen Holding London wäre.

          Offenbar ist Kengeter nun für eine andere Lösung offen. Die Börse erklärte gegenüber dem Magazin dazu, sie stehe im Dialog mit allen relevanten Behörden, es gälten die beschlossenen Bestimmungen. Zunächst prüfe jetzt ein Gremium von Aufsichtsratsvertretern der Deutschen Börse und der LSE, wie man auf die neue Situation reagieren kann. Rechtlich wäre dem Bericht zufolge eine neue Struktur für die fusionierte Börse auch nach der Abstimmung durch die Aktionäre noch möglich. Auch aus dem Bundesfinanzministerium sei zu hören, dass man es nicht für ratsam hält, den Hauptsitz an einen Ort zu verlagern, dessen Verhältnis zur EU nicht geklärt ist.

          Christian Strenger, Governance-Experte und einflussreiche Stimme am Finanzplatz Frankfurt, forderte weitergehende Zugeständnisse. „Sinnvoll wäre ein Vorstand und Aufsichtsrat nach deutschem Muster oder eine Europäische Aktiengesellschaft, die ihren juristischen Sitz in Amsterdam hat und die überwiegend aus Frankfurt heraus geführt wird“, so wurde er zitiert. Wenn die britische Seite das nicht akzeptieren wolle, sollte die „technologiestarke Deutsche Börse allein marschieren“.

          Am Montag entscheiden die Aktionäre der LSE über die Fusion. Ihre Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Bis zum 12. Juli haben die Anteilseigner der Deutschen Börse Zeit für ihre Entscheidung. Ihr Votum ist unsicher. Ob die Briten sich auf einen Holding-Sitz in Frankfurt oder anderswo einlassen, gilt als fraglich. „Der Deal ist tot“, sagte der Vertreter einer großen Fondsgesellschaft dem „Spiegel“. „Kengeter hat alles auf eine Karte gesetzt und verloren.“

          Und noch eine andere, weit fortgeschrittene Fusionsverhandlung liegt dem Magazin zufolge nach der Brexit-Abstimmung auf Eis. Die der europäischen Stahlsparten von Thyssen-Krupp und dem indischen Mischkonzern Tata. Der Grund: Für die geplante Zusammenarbeit brauchen die Konzerne die Unterstützung der britischen Regierung. Der Plan von Tata und Thyssen-Krupp sehe nämlich vor, nur noch moderne und wettbewerbsfähige Stahlstandorte in Europa zu betreiben. Dazu gehören vor allem die Werke in den Niederlanden und in Deutschland.

          Zahlreiche alte und marode britische Stahlhütten sollten hingegen verkleinert oder geschlossen werden. Dadurch sollten Überkapazitäten vom Markt genommen und der Preisdruck auf die gesamte Branche vermindert werden. Allerdings sei eine Schließung der Stahlhütten auf der Insel ohne Unterstützung der Regierung kaum möglich. Auf den Werken lasteten Pensionsverpflichtungen von geschätzt 17 Milliarden Euro. Der amtierende Premierminister David Cameron hatte den Konzernen Unterstützung signalisiert. Wie ein möglicher Nachfolger auf die Abbaupläne reagiert, ist nun offen. Einige Brexit-Befürworter hatten in den vergangene Wochen sogar eine Verstaatlichung und damit den Fortbestand der maroden britischen Stahlunternehmen angeregt.

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