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Traditionsreiche Ketten : Jetzt sterben Englands Kaufhäuser

Die Filiale von „House of Fraser“ an der Londoner Oxford Street. Bild: AP

In Großbritannien schließt ein Traditionsladen nach dem anderen seine Filialen. Das hat auch mit dem Brexit zu tun – aber nicht nur.

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          Es ist eines der traditionsreichsten Kaufhäuser Londons, direkt an der Einkaufsmeile „Oxford Street“, mehr als 80 Jahre alt – aber jetzt muss man eher sagen: Es war eines der traditionsreichsten. Denn die Prunkfiliale der Kaufhauskette „House of Fraser“ wird im kommenden Jahr schließen. Dieses Schicksal ereilt auch 30 weitere Kaufhäuser des Unternehmens, das ist mehr als die Hälfte. Es gilt als der letzte Versuch, die traditionsreiche Kette zu retten: Sie ist das Ergebnis von Verhandlungen mit Gläubigern, die im letzten Moment die Insolvenz des Konzerns verhindert haben.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Tradition hat das Unternehmen. 1849 im schottischen Glasgow gegründet, breitete sich die Kette in den folgenden Jahrzehnten über ganz Großbritannien aus. Rund zehn Jahre lang gehörte auch Londons bekanntestes Kaufhaus, Harrods, dazu. Diese Verbindung aber trennte die Eigentümerfamilie Fayed, aus der Prinzessin Dianas letzter Freund stammte: Die Familie behielt Harrods, der Rest des Unternehmens wurde verkauft.

          Auch Marks & Spencer schließt Filialen

          Heute ist House of Fraser immer noch eine der größten Kaufhausketten des Landes. Übertroffen wird sie vom börsennotierten „Marks & Spencer“ – der allerdings hat erst vor zwei Wochen eigene Filialschließungen angekündigt. Bis 2022 könnten bis zu 100 Filialen leergeräumt werden. Nicht besser geht es der Discount-Kette „Poundstore“, die laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg innerhalb von zehn Tagen einen rettenden Käufer finden muss. Die britische Gesellschaft des Spielzeughändlers „Toys 'R' Us“ brach im Februar zusammen – und es gibt noch mehr Schwierigkeiten bei einer Reihe von weiteren Händlern.

          Die Konkurrenz aus dem Internet ist nicht der einzige Grund dafür, dass es den Händlern so schlecht geht. Zwar hat House of Fraser den Online-Handel erst spät entdeckt, der Online-Shop wurde erst im Jahr 2007 eröffnet. Doch der Brexit hat die Situation für die Kaufhäuser verschärft: Das Pfund wurde schwächer, darum verteuerten sich Waren aus dem Ausland. Gleichzeitig sind die britischen Verbraucher verunsichert. Im vergangenen Weihnachtsgeschäft verlor House of Fraser fast drei Prozent an Umsatz.

          Der Bus ist neu, das Haus ist alt: Die „House of Fraser“-Filiale an der Oxford Street in London.
          Der Bus ist neu, das Haus ist alt: Die „House of Fraser“-Filiale an der Oxford Street in London. : Bild: AFP

          Den Schaden haben jetzt rund 6000 Mitarbeiter in den betroffenen Filialen – und einige Chinesen. Denn inzwischen gehört die ganze Kette einem chinesischen Kaufhauskonzern.

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