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Brexit-Folgen : Deutsche Bank könnte Hunderte Händler aus London abziehen

Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt: Vorstandsmitglied Sylvie Matherat hatte schon im Mai auf einer Veranstaltung eine Zahl von rund 4000 Mitarbeitern genannt, die nach dem Brexit aus London abgezogen werden könnten. Bild: dpa

In der Deutschen Bank werden die Planungen für den Brexit konkreter. Frankfurt dürfte klar profitieren.

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          Die Deutsche Bank will offenbar einen großen Teil ihres Wertpapierhandels aus London abziehen und künftig von Frankfurt aus steuern, wenn Großbritannien wie erwartet aus der Europäischen Union austritt. Vor allem die kontinentaleuropäischen Firmenkunden sollen dann vom Kontinent aus betreut werden, wie am Donnerstag aus Finanzkreisen zu vernehmen war. Am Stammsitz in Frankfurt soll demnach ein Buchungszentrum entstehen, über das deren Geschäfte bearbeitet und abgewickelt werden.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Bank wollte sich am Donnerstag nicht zu den Informationen äußern. Entscheidungen sind offenbar noch nicht gefallen. Dem Vernehmen nach würden nach den Plänen mehrere hundert Händler aus London abgezogen, die für die Betreuung der knapp 20.000 betreffenden Firmenkunden zuständig sind. Hinzu kämen weitere Hunderte Mitarbeiter, die in angrenzenden Abteilungen wie dem Risikocontrolling und der Abwicklung mit den Kundenkontakten befasst sind.

          Wie viele Mitarbeiter kommen nach Frankfurt?

          Vorstandsmitglied Sylvie Matherat hatte schon im Mai auf einer Veranstaltung eine Zahl von rund 4000 Mitarbeitern genannt, die nach dem Brexit aus London abgezogen werden könnten. Damals hatte sie von 2000 Mitarbeitern gesprochen, die Kunden in der EU betreuen, und weiteren 2000, die in den angrenzenden Abteilungen beschäftigt seien. Alles in allem arbeiten derzeit rund 9000 Mitarbeiter für die Deutsche Bank in Großbritannien, wovon 7000 in London sitzen.

          Unklar ist noch, wie sehr der Heimatstandort der Bank, Frankfurt, von dem Abzug profitieren würde. So sollen nicht alle betroffenen Firmenkundenbetreuer an den Main ziehen. Vielmehr soll etwa ein Mitarbeiter, der spanische Kunden betreut, auch an den Deutsche-Bank-Standort Madrid umziehen dürfen. So würde sich die Verlagerung auf mehrere europäische Städte verteilen.

          „Wir heißen Deutsche Bank und nicht Frankfurter Bank“

          Selbst innerhalb Deutschlands ist in den Augen der Deutschen Bank nicht Frankfurt die sichere London-Alternative. Der Vorstandsvorsitzende John Cryan hatte schon während der Bilanzpressekonferenz im Februar betont: „Wir heißen Deutsche Bank und nicht Frankfurter Bank.“ In dem Zusammenhang hatte er darauf verwiesen, dass die Bank auch in Berlin schon mehrere tausend Beschäftigte hat. Auch am Donnerstag wurde im Umfeld der Bank darauf verwiesen. Insbesondere für nachgelagerte Abteilungen wie das Risikomanagement oder die Abwicklung ist offenbar auch Berlin weiter im Gespräch.

          In Finanzkreisen wird zudem darauf verwiesen, dass die Pläne sich auch noch komplett ändern könnten, je nachdem, wie die Brexit-Verhandlungen verlaufen. Allerdings müsste eine Verlagerung wohl allerspätestens ein halbes Jahr vor dem tatsächlichen Austritt angegangen werden, also im Herbst 2018.

          Zuletzt hatten einige internationale Banken bekanntgegeben, dass sie ihr Europageschäft künftig von Frankfurt aus steuern wollen, darunter zum Beispiel die japanischen Großbanken Nomura, Sumitomo Mitsui und Daiwa.

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