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Breitband-Internet : Tempolimit auf der Datenautobahn

Verfügbarkeit von mindestens 50 Megabits pro Sekunde in Deutschland Bild: F.A.Z.

Der Ausbau des Breitbandnetzes in Deutschland ist noch längst nicht abgeschlossen. Vor allem die Unternehmen leiden unter den zahlreichen weißen Flecken. Doch es gibt Hoffnung, selbst auf dem flachen Land.

          Glaubt man Philipp Rösler, ist das schnelle Internet in Deutschland auf bestem Weg. Vergangene Woche veröffentlichte der Bundeswirtschaftsminister den neuesten Monitoringbericht zur Breitbandstrategie der Bundesregierung. Die darin genannten Prozentsätze erinnern an frühere Wahlergebnisse im Osten Deutschlands. „Mit 99,7 Prozent der Haushalte war die Grundversorgung Ende 2012 fast flächendeckend“, jubelte das Ministerium. Im Vergleich zu Ende 2010 seien 560.000 Haushalte zusätzlich versorgt worden.

          Helmut  Bünder

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Thiemo Heeg

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Das klingt nach Riesenfortschritten. Doch relativiert sich der Erfolg beim Blick auf das Wörtchen „Grundversorgung“. Gemeint sind damit Anschlüsse mit Geschwindigkeiten von mindestens einem Megabit je Sekunde (MBit/s). Vor Jahren war das eine großartige Sache, als sich die Internet-Datenpakete überwiegend durch quälend langsame Telefonmodems kämpfen mussten. Heute jedoch, in Zeiten von Online-Fernsehen und hochauflösenden Videos, sind die Ansprüche drastisch höher. Nicht nur für Privatleute, sondern vor allem für Unternehmen.

          „Lange geplagt mit der langen Leitung“

          „Die Grundversorgung mit ein bis zwei MBit/s reicht für viele Anwendungen schon heute nicht mehr aus“, sagt Katrin Sobania, Referatsleiterin beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK). Als Beispiele nennt sie Cloudcomputing, Videokonferenzen und Big-Data-Anwendungen. Nur glasfaserbasierte Hochgeschwindigkeitsnetze böten unabhängig von der Nutzerzahl stabile Breitbanddienste, nur sie könnten den wachsenden Bedarf insbesondere von Unternehmen decken. „Doch sind zum Teil ganze Gewerbegebiete unzureichend versorgt“, klagt Sobania.

          Diese Erfahrung hat der Küchen- und Hausgerätehersteller De’Longhi viele Jahre lang machen müssen. 2002 zog der Deutschland-Ableger des Konzerns in das hessische Seligenstadt - in der Hoffnung, dort im Froschhausener Industriegebiet rasch eine gute Online-Infrastruktur vorzufinden. Doch habe die Kommune das Problem des langsamen Internets im Lauf der Zeit aus den Augen verloren. „Wir haben uns lange geplagt mit der langen Leitung“, sagt Geschäftsführer Helmut Geltner. Schließlich sei ein internationales Unternehmen darauf angewiesen, täglich große Datenmengen zu transportieren. Anfangs konnten die De’Longhi-Mitarbeiter gerade mit ISDN-Tempo surfen, später mit zwei Megabit.

          Anschluss an das Breitband-Internet gesucht: Stecker eines Netzwerkkabels

          Viel zu wenig: „Zehn Megabit brauchen wir mindestens, weniger ist absolut geschäftsschädigend“, heißt es in dem Unternehmen, das im vergangenen Jahr die Markenrechte für Braun-Elektrokleingeräte gekauft hat. Inzwischen freuen sich Geltner und seine Mitarbeiter über 100 MBit über Glasfaser. Allerdings nicht in Seligenstadt, sondern im nahen Neu-Isenburg. Das Unternehmen wechselte seinen Standort unter anderem wegen der mangelhaften Infrastruktur, und Seligenstadt verlor einen seiner bis dato wichtigsten Gewerbesteuerzahler: Allein in Deutschland peilt De’Longhi nun einen Umsatz von 220 Millionen Euro an.

          Ortstermin im Rheinland. Von der Zentrale der Deutschen Telekom sind es nur wenige Kilometer rheinabwärts bis nach Berzdorf, einem Stadtteil von Wesseling. Vom Surfen mit Turbogeschwindigkeit, wie sie der Konzern in seiner Werbung verheißt, kann man auch in der Ortschaft zwischen Bonn und Köln nur träumen. Bei zwei Megabit je Sekunde ist für die meisten Schluss.

          Doch es tut sich was, auch für die vielen Gewerbebetriebe, die dringend auf eine schnellere Verbindung warten. Der Energieversorger RWE aus Essen baut ein neues Netz, das mehr als 2000 Haushalte und einige hundert Unternehmen an die Datenautobahn anschließen soll. Betrieben wird es vom Kölner Netzbetreiber Netcologne, der die schnellen Glasfaserleitungen von RWE pachtet, die aktive Technik installiert und sich um die Vermarktung kümmert.

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