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Braun klagt : Krach um Rhön-Kliniken eskaliert

  • Aktualisiert am

Rhön-Klinikum bleibt ein Zankapfel. Bild: dpa

Der Gesundheitskonzern Fresenius will einen Großteil der Kliniken des Betreibers Rhön-Klinikum kaufen. Großaktionär Braun klagt dagegen - denn er fühlt sich ausgetrickst.

          Der Frieden am privaten Klinikmarkt in Deutschland währte nur kurz: Der Medizintechnikkonzern B. Braun hat überraschend eine Klage gegen die milliardenschwere Übernahme von zahlreichen Rhön-Krankenhäusern durch Fresenius eingereicht. Eine Aussöhnung zwischen den zerstrittenen Anbietern am Krankenhausmarkt rückt damit in weite Ferne.

          „Es ist bedauernswert, dass Braun wieder auf Konfrontation setzt“, erklärte Fresenius am Freitag. Der Dax-Konzern und Rhön-Klinikum sehen nun keine Basis mehr, um die erst vor kurzem aufgenommen „Friedensgespräche“ mit den Widersachern B. Braun und Asklepios fortzuführen.

          Ausgelöst wurde der Dauerzwist im vergangenen Jahr durch den Versuch von Fresenius, Rhön zu schlucken. Asklepios und B. Braun verhinderten dies im ersten Anlauf, indem sie sich selbst bei den Franken einkauften. Im zweiten Anlauf trickste Fresenius seine Konkurrenten aus und will nun für 3,1 Milliarden Euro einen Großteil der Rhön-Krankenhäuser übernehmen. Das Familienunternehmen B. Braun reichte nun beim Landgericht Schweinfurt Klage gegen dieses Geschäft ein, zu dem die Rhön-Aktionäre nicht befragt werden sollen.

          Wettbewerb auf dem Klinikmarkt

          Braun hat seinen Anteil an Rhön inzwischen auf 14 Prozent aufgestockt und wolle mit der Klage „die Feststellung der Unwirksamkeit und die Unterlassung des Vollzugs der geplanten Veräußerung“ erreichen, erklärte das Familienunternehmen aus dem nordhessischen Melsungen. Der Schritt solle auch dazu beitragen, „die Wettbewerbsvielfalt im Klinikmarkt zu erhalten“.

          Fresenius, Asklepios und B. Braun sind allesamt an Rhön beteiligt. Der Streit über die Zukunft der fränkischen Klinikkette dürfte nach der Braun-Klage nun unvermindert weitergehen. Die Gespräche über eine gütliche Einigung, die Fresenius-Chef Ulf Schneider erst vor kurzem eingeleitet hatte, sind vorbei, bevor sich richtig begonnen haben.

          Bei den bisherigen Treffen hat Braun Branchenkreisen zufolge gefordert, bevorzugter Lieferant von Fresenius und Rhön zu werden. Fresenius und Rhön hätten dies jedoch ebenso abgelehnt wie den Wunsch von Braun-Aufsichtsratschef Ludwig Georg Braun, sofort einen Sitz im Aufsichtsgremium von Rhön zu erhalten, sagten drei mit den Verhandlungen vertraute Personen Reuters.

          Keine friedlichen Friedensgespräche

          Asklepios-Eigentümer Bernard Broermann wollte Insidern zufolge den Teilverkauf von Rhön-Krankenhäusern an Fresenius noch einmal aufschnüren und einzelne Kliniken für sich abzwacken. Zudem habe er eine finanzielle Entschädigung für erlittene Verluste im Kampf um Rhön verlangt. Fresenius und Rhön lehnten dies ebenfalls ab. „So friedlich waren die Friedensgespräche nicht“, sagte ein Insider.

          Die beteiligten Unternehmen wollten sich zu den Details der Verhandlungen nicht äußern. Fresenius betonte, der Konzern habe „vernünftige Lösungen vorgeschlagen, aber wir waren nicht bereit, überzogene Forderungen zu erfüllen. Deshalb gibt es derzeit keine Basis für weitere Gespräche“.

          „Juristisches Schattenboxen“

          Der Klage von B. Braun sieht das Gesundheitskonglomerat aus dem hessischen Bad Homburg gelassen entgegen. „Durch juristisches Schattenboxen lässt sich diese Transaktion nicht aufhalten“, sagte ein Konzernsprecher. Interne und externe Rechtsexperten hätten bestätigt, dass die Rhön-Aktionäre nicht um ihre Zustimmung zu dem Geschäft gefragt werden müssten. Der Kaufvertrag sei rechtmäßig und wirksam, erklärte auch Rhön. Die Klage habe keine aufschiebende Wirkung.

          Die Fresenius-Kliniktochter Helios würde durch die Übernahme der 43 Rhön-Krankenhäuser zum unangefochtenen Marktführer in Deutschland. Fresenius-Chef Schneider will zudem einen großen Klinikverbund aufbauen, an dem neben Rhön auch Asklepios und die Sana-Kliniken mitarbeiten könnten.

          Der Konzern sei grundsätzlich weiter offen für Gespräche, erklärte Fresenius. Allerdings müsse zunächst B. Braun erklären, warum die Firma den Annäherungsprozess mit ihrer Klage torpediert habe.

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