https://www.faz.net/-gqe-12ia2

Branchen und Märkte: Luftfahrtindustrie : Lichtblicke trotz dunkler Wolken

Bild: F.A.Z.

Trotz der Unsicherheiten durch Wirtschaftskrise oder Schweinegrippe nutzen Europas Fluglinien die Gunst der Stunde: Sie gehen auf Einkaufstour, um sich für Wachstumsphasen zu rüsten.

          4 Min.

          In der internationalen Luftfahrt stehen die Zeichen auf Sturm. Erst verschärften steigende Treibstoffpreise den Kostendruck und Reservenschwund. Dann bekamen die Anbieter die Folgen der Finanzkrise zu spüren, als Firmenkunden und Touristen ihre Reisebudgets kappten. Damit nicht genug. Jetzt wächst durch die schwer kalkulierbaren Risiken der Schweinegrippe die Nervosität in der Branche.

          Ulrich Friese

          Redakteur in der Wirtschaft.

          "Alles, was zur Verunsicherung der Passagiere beiträgt, wächst sich zur wirtschaftlichen Belastung aus", heißt es seitens des internationalen Branchenverbands Iata. Sollte die Furcht vor einer Ausbreitung der Krankheit steigen, werde das die Schwierigkeiten der Fluglinien und deren Auslese beschleunigen, warnt Generaldirektor Giovanni Bisignani. Somit bleibt die Stimmung in der Branche gedrückt. Nach Schätzungen von Iata flogen die im Verband vertretenen 230 Fluglinien im vergangenen Jahr insgesamt mehr als 10 Milliarden Dollar Verlust ein. Und im laufenden Geschäftsjahr ist kaum Besserung in Sicht. Während die Umsätze um 12 Prozent auf 467 Milliarden Dollar sinken dürften, werde das Minus im globalen Luftverkehr wohl rund 4,7 Milliarden Dollar betragen, sagt der Verband voraus.

          Lufthansa auf Einkaufstour in großem Stil

          Angesichts dieser trüben Aussichten forcieren die führenden Anbieter in Europa ihre Sparprogramme. Gleichzeitig zeigen sich aber Air France-KLM, Deutsche Lufthansa oder British Airways (BA) entschlossen, neue Chancen im Markt zu nutzen. Im Klartext: Das Trio will seine Vormachtstellung in Europa durch die Übernahme von notleidenden Konkurrenten verteidigen oder ausbauen.

          Mit Einkaufstouren in großem Stil sind die Strategen von BA ebenso beschäftigt wie ihre Kollegen der Lufthansa: Während die Briten seit Monaten über den Kauf des spanischen Konkurrenten Iberia verhandeln, stehen beim Marktführer in Deutschland nach dem geglückten Coup bei "Brussels Airlines" die Übernahmen der österreichischen Staatslinie AUA und von BMI in Großbritannien ganz oben auf der Liste. Die Großvorhaben, die aufgrund des desolaten Zustandes beider Gesellschaften wirtschaftlich riskant sind, sollen nach dem erfolgreichen Vorbild von "Swiss" erst saniert und dann behutsam in den Verbund des Kranichfliegers integriert werden. Im Vergleich dazu nehmen sich die Ambitionen des europäischen Branchenführers noch bescheiden aus: Nachdem Air France und KLM mit ihrer Fusion vor 4 Jahren für einen Paukenschlag sorgten und die Konkurrenz so in Zugzwang brachten, steht in Paris gegenwärtig die Expansion in Südeuropa auf der Agenda. Vor wenigen Monaten kaufte sich Air France-KLM mit rund 25 Prozent an Alitalia ein.

          Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber lässt indessen keinen Zweifel daran, dass er die Schwächen der Konkurrenz nutzen und seine Einkaufstour fortsetzen will: "Alle Geschäftsfelder des Konzerns müssen in Zukunft dafür sorgen, nicht nur organisch mit dem Markt zu wachsen, sondern Marktchancen zu nutzen, um so ihre strategische Position im globalen Wettbewerb auszubauen." Die personellen Entscheidungen für die Expansion hatte er kürzlich getroffen. Mit liquiden Mitteln von insgesamt 5,2 Milliarden Euro sowie einer Kreditlinie von 1,7 Milliarden Euro verfügt er zudem über ein üppiges Finanzpolster für derartige Großvorhaben.

          Weitere Themen

          Solarstrom auf der Überholspur

          Internationale Energieagentur : Solarstrom auf der Überholspur

          In den kommenden Jahren dürfte die Erzeugung von Ökostrom laut Internationaler Energieagentur kräftig zulegen – vor allem in China. Doch in anderen Bereichen bleibt die Entwicklung hinter den Erwartungen zurück.

          Topmeldungen

          Erledigen Sie die Spieler des gegnerischen Teams: Szene aus dem Handyspiel Call of Duty Mobile

          Anschlag von Halle : Vom Ballerspiel zum Mordanschlag

          Stephan B. wollte seine Attacke in Halle aussehen lassen wie ein Videospiel. Eine Spurensuche in einer Welt, in der alles nur ein Witz sein kann – oder bitterer Ernst.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.