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Branchen und Märkte: Autozulieferer : Ein Flächenbrand von Insolvenzen

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Krise in der Weltwirtschaft trifft die Automobilbranche schwer und mischt die Karten in der Zulieferindustrie neu. Die Branche steht unter Druck. Der Umsatz geht zurück, die Zahl der Insolvenzen steigt, und Zehntausende Arbeitsplätze stehen auf der Kippe.

          Der Niedergang der Autozulieferer in Deutschland setzt sich fort - eine Erholung ist nicht in Sicht. Angesichts Dutzender von Insolvenzen und immenser Umsatzrückgänge beginnt jetzt vielmehr die Auslese am Markt. "In der zweiten Hälfte dieses Jahres wird sich die Spreu vom Weizen trennen", sagt Christopher Seagon. Der in der Branche bestens bekannte Rechtsanwalt weiß, wovon er spricht: Seagon ist Insolvenzverwalter beim niedersächsischen Zulieferer Stankiewicz, der Komponenten für die Schallisolation des Innenraums von Autos herstellt.

          Die Firma, die unter anderem Audi, BMW und Daimler beliefert, ist Seagons vierzehnte Autozulieferer-Insolvenz. Nach sechs Monaten Betriebsfortführung in der Insolvenz ist Stankiewicz, das einst dem holländischen Finanzinvestor Gilde gehörte, zwar jetzt glücklich verkauft. Die Firma geht an den amerikanischen Konkurrenten International Automotive Components, der immerhin gut 800 von knapp 1000 Arbeitsplätzen und sechs Standorte in Deutschland erhält. Doch die Übernahme durch einen Investor, der - wie in diesem Fall der amerikanische Schnäppchenjäger Wilbur Ross - frisches Eigenkapital einbringt, wird durchaus nicht bei allen insolventen Unternehmen gelingen.

          Seit November mussten rund 50 Zulieferer Insolvenz anmelden

          "Es droht ein regelrechter Flächenbrand von Insolvenzen. Nicht in allen Fällen kann das Unternehmen fortgeführt werden, sondern nur, wenn alle wichtigen Kunden bei der Stange bleiben", sagt Seagon. Künftig dagegen werde wohl die Zahl der Abwicklungen und Liquidationen zunehmen - die Unternehmen scheiden wegen der Überkapazitäten ganz aus dem Markt aus. Nach Angaben der Unternehmensberater von Oliver Wyman schrumpfte der Umsatz der Autozulieferer im ersten Quartal dieses Jahres im Durchschnitt um üppige 35 Prozent. Angesichts dessen ist die Lage bei den meisten Betrieben dramatisch. Auch wenn durch staatlich subventionierte Kurzarbeit bisher Entlassungen weitgehend vermieden wurden, trennten sich die Firmen von Tausenden Leiharbeitern, deren Verträge nicht verlängert wurden.

          Seit November 2008 mussten schon rund 50 der insgesamt rund 1000 Zulieferer in Deutschland Insolvenz anmelden, wie aus einer Aufstellung der Investmentbank Close Brothers hervorgeht. Oliver Wyman rechnet mit einem Anstieg auf 70 Insolvenzen. Viele dieser Firmen gehören Beteiligungsgesellschaften, die die Unternehmenskäufe mit Krediten finanzierten und die Lasten aus Zins und Tilgung bei den Zulieferern abluden. Der addierte Umsatz der insolventen Zulieferer beträgt rund 9 Milliarden - insgesamt kommt die Branche auf Erlöse von 75 Milliarden Euro. Von den Insolvenzen betroffen sind mehr als 50 000 Beschäftigte. Zum Vergleich: In Deutschland beschäftigt die Zulieferbranche etwa 330 000 Mitarbeiter, das sind etwas mehr als 40 Prozent der Beschäftigten in der Autoindustrie.

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